Hoffnung auf Freilassung von Geiseln sinkt

Bombenanschlag in Bakuba / Wahlvorbereitungen laut US-Botschafter im Plan

Bagdad (ap). Die Enthauptung einer amerikanischen Geisel im Irak hat die Sorge um zwei weitere Ausländer in der Gewalt derselben Terrorgruppe verstärkt. Der Sohn der britischen Geisel Kenneth Bigley drängte Premierminister Tony Blair am Dienstag, die Forderungen der Kidnapper zu erfüllen, um seinem Vater und dem Amerikaner Jack Hensley den grausamen Tod von Eugene Armstrong zu ersparen. Dessen Ermordung hatte der jordanische Extremist Abu Mussab al Sarkawi am Montagabend im Internet bekannt gegeben, die Leiche wurde am Dienstag in Bagdad gefunden.

"Ich habe Blair persönlich gebeten, das schon vergossene Blut zu bedenken", sagte Craig Bigley. "Bitte erfüllen Sie die Forderungen und befreien Sie meinen Vater: Zwei Männer für zwei Frauen. Sie haben auch Kinder und werden verstehen, wie ich mich fühle." In dem Video der Sarkawi-Gruppe Tawhid und Dschihad vom Montag, in dem die Enthauptung Armstrongs zu sehen ist, bekräftigten die Kidnapper ihre Forderung nach Freilassung der zwei irakischen Frauen, die in Gefängnissen der Besatzungsmächte sitzen. Andernfalls würde am Dienstag eine zweite Geisel getötet.

Die US-Streitkräfte halten nach eigenen Angaben nur zwei Irakerinnen fest, darunter die Wissenschaftlerin Rihab Raschid, die wegen ihrer Arbeit an biologischen Waffen als "Dr. Germ" (zu deutsch: Dr. Keim) bekannt wurde.

In Bakuba nördlich von Bagdad explodierte am Montag eine Bombe und tötete eine Person. Der Sprengsatz detonierte wenige Sekunden, nachdem ein Polizeiwagen vorübergefahren war. Zwei Polizisten wurden verletzt, am schwersten wurde das nachfolgende Auto beschädigt. Darin wurden nach Polizeiangaben ein Mann getötet und vier Frauen verletzt, eine lebensgefährlich.

Vorbereitungen für Parlamentswahl

Trotz der andauernden Gewalt laufen die Vorbereitungen für die Parlamentswahl nach Angaben von US-Botschafter John Negroponte planmäßig. Am 15. Oktober solle die Registrierung der Wähler beginnen, erklärte er am Montag in New York. Die Übergangsregierung habe dazu eine unabhängige Wahlkommission eingerichtet. Wahlberechtigt seien alle Iraker ab 18 Jahren.

Nach Einschätzung des Pentagons wird die Hälfte der irakischen Gemeinden Ende des Jahres selbst für ihre Sicherheit sorgen können. Wie Generalleutnant Walter Sharp mitteilte, sind von den Aufständen weitgehend ausgenommene Regionen im Norden und Süden schon unter Kontrolle irakischer Sicherheitskräfte. Der Übergabeprozess solle beschleunigt werden, damit sich die US-Soldaten auf den Kampf gegen Aufständische in den Krisenregionen konzentrieren könnten.

Sharp räumte am Montag in Washington ein, dass es den einheimischen Sicherheitskräften noch an geschultem Personal und Ausrüstung fehle. Obwohl in diesem Jahr schon 700 Iraker im Dienst getötet wurden, sei die Rekrutierung kein Problem.

Japan will Truppen im Irak lassen

Japan will offenbar den Einsatz seiner Truppen im Irak verlängern. Angesichts der Lage im Irak sei es notwendig, dass sich Japan aktiv engagiere, erklärte Kabinettsminister Hiroyuki Hosoda am Dienstag. Rund 500 Soldaten sind in Samawah im Süden des Landes mit Wiederaufarbeiten beschäftigt. Weitere 500 Soldaten kümmern sich in den benachbarten Golfstaaten um den Nachschub. Ihr Mandat war zunächst bis Dezember befristet worden.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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