1. Startseite
  2. Politik

Mit Hoff gegen die Wand

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Immer wohlgemut: Volker Hoff.
Immer wohlgemut: Volker Hoff. © DJV

Was für ein Plan: Der wegen undurchsichtiger Geschäfte politisch schwer belastete frühere hessische Staatsminister Volker Hoff (CDU) will Chef-Lobbyist von Opel werden. Er soll dem Autokonzern helfen, Staatshilfen zu bekommen. Von Matthias Thieme

Von Matthias Thieme

Was für ein Plan: Der wegen vieler undurchsichtiger Geschäfte politisch schwer belastete frühere hessische Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Landtagsabgeordnete Volker Hoff (CDU) will in Kürze Cheflobbyist von Opel werden. Er will dem Autokonzern europaweit helfen, das angeschlagene Vertrauen von Regierungen zu gewinnen und vor allem: Staatshilfen zu bekommen.

Ausgerechnet Hoff soll helfen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen - dabei steckt er selbst tief im Sumpf: Hoff war 2009 nicht wieder als Minister in die hessische Landesregierung eingezogen, nachdem bekannt wurde, dass durch seine ehemalige Firma ZHP rund zehn Millionen Euro illegale Geldtransaktionen des mittlerweile verurteilten Managers Aleksander Ruzicka geflossen und danach verschwunden waren.

Aber ist Volker Hoff der richtige Mann, um auf höchster politischer Ebene international die Interessen des Autokonzerns gegenüber Regierungen zu vertreten? Und kann er dann weiter Abgeordneter sein? "Ich würde gerne beides weitermachen", sagt Hoff der FR. "Es ist eine Frage des zeitlichen Aufwands." Interessenkonflikte sehe er nicht, da er nicht mehr Mitglied der hessischen Landesregierung sei. Sollte im Landtag zu Opel-Themen abgestimmt werden, "dann würde ich so einer Abstimmung fernbleiben, oder mein Mandat niederlegen", so Hoff.

Er habe ein "Angebot von Headhuntern bekommen" und wolle "diese riesige Herausforderung annehmen", sagte Hoff der FR. Noch in dieser Woche müsse er sich entscheiden. Viele Menschen hielten ihn für geeignet, meint er. Doch auch in der CDU fragen sich einige, wie weit Hoff mit seinen Geschäften noch gehen kann. "Der hat nichts gelernt", heißt es aus Kreisen der hessischen CDU, "die ganze alte Mauschelei geht von vorne los."

Hoffs ehemaliger Geschäftsfreund Aleksander Ruzicka wurde wegen Untreue zu elf Jahren Haft verurteilt. Gegen den Ex-Minister und CDU-Abgeordneten Hoff wurde nie ermittelt. Doch vor dem Wiesbadener Landgericht beginnt am 29. Januar ein Zivilprozess, der auch Hoff in schwere Bedrängnis bringen könnte: Es geht um 7,5 Millionen Euro illegaler Geldflüsse, die Ruzickas ehemaliger Arbeitgeber, die Agentur Aegis/Carat zurückfordert. Beklagt ist die Rechtsnachfolgerin von Hoffs ehemaliger Firma ZHP, die Agentur Wunschkind. Grund der Klage sind ausschließlich Transaktionen aus der Zeit, als Volker Hoff bei ZHP Geschäftsführer war - verantwortlich für die Finanzen. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für Hoff, um als Strahlemann in Sachen Opel die Politik für Staatshilfen zu gewinnen.

Hoff bleibt ungerührt: "Ich kann dazu nichts sagen, es betrifft mich nicht", sagt er. Er sei 2006 aus der Firma ausgeschieden. Doch Hoff hatte noch eine weitere Firma, die "Best of AG" , über die im Fall Ruzicka laut Staatsanwaltschaft weitere Millionen versickerten. Diese Firma war im Haus von Hoffs Mutter in Mülheim angemeldet. Dort ist nun wieder eine neue Firma registriert: Die "Omega Networking AG". Diese Firma kaufe auch Immobilien, die Hoff vor zwei Jahren verpfänden musste als er in die Klemme geraten war, munkelt man in der CDU. "Das könnte durchaus sein", sagt Hoff der FR. "Diese Firma besitzt Immobilien."

Dass sie im Haus seiner Mutter angemeldet sei, habe nichts zu bedeuten: "Das Haus meiner Mutter ist keine kriminelle Veranstaltung, sondern mein Elternhaus, in dem ich ein Büro habe", so Hoff. "Ich zahle meiner Mutter Miete." Eventuelle Honorare für den Opel-Job werde nicht seine Firma "Omega" erhalten, so Hoff. Sein Übergangsgeld als Ex-Minister werde er dann "selbstverständlich verlieren". Es scheint als sei Volker Hoff nicht zu bremsen. Doch ob er es wirklich zum Spitzen-Lobbyisten von Opel schafft, ist noch nicht ganz ausgemacht.

Auch interessant

Kommentare