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„Hören wir hin, sehen wir hin!“

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Bärbel Bas ist seit 2009 Mitglied des Bundestags. Britta Pedersen/dpa
Bärbel Bas ist seit 2009 Mitglied des Bundestags. Britta Pedersen/dpa © Britta Pedersen/dpa

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas spricht im Interview über die Einsamkeit vieler Menschen an den Weihnachtsfeiertagen.

Wie schätzen Sie das Problem der Einsamkeit über die Weihnachtsfeiertage ein?

Als langjährige Gesundheitspolitikerin und aus vielen Gesprächen weiß ich, dass viele Menschen sich über die Weihnachtstage besonders einsam fühlen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Das ganze Ausmaß des Problems bleibt zu oft hinter verschlossenen Türen.

Das bedeutet?

Mehr als 40 Prozent der Haushalte in Deutschland sind Ein-Personen-Haushalte – Tendenz steigend. In den ersten Monaten der Corona-Krise hat sich die Häufigkeit von Einsamkeitsgefühlen unter den EU-Bürgern verdoppelt. Das ergab eine Studie der EU-Kommission. Und alle Jahre wieder kommt das Weihnachtsfest mit den allgegenwärtigen Bildern von glücklichen Familien. Und wir dürfen auch nicht vergessen: Menschen können sich auch mitten in der Familienfeier einsam fühlen.

Welchen Appell möchten Sie an die Politik und auch an Bürgerinnen und Bürger richten, um Einsamkeit zu bekämpfen?

Wir als Politik müssen das Thema ernst nehmen, nicht nur an Weihnachten. Die Ampel-Parteien haben im Koalitionsvertrag beschlossen, einen Nationalen Präventionsplan sowie konkrete Maßnahmenpakete beispielsweise zum Thema Einsamkeit zu machen und die Überwindung von Einsamkeit gerade für ältere Menschen in den Blick zu nehmen. Es kommt aber vor allem auf uns als Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde oder Nachbarinnen und Nachbarn an. Hören wir hin, sehen wir hin! Manchmal reicht schon eine kleine Aufmerksamkeit oder ein kurzer Anruf. Und vielleicht hat ja auch jemand noch Plätze frei am Weihnachtstisch – zum Beispiel für die verwitwete Nachbarin oder den alleinstehenden Bekannten.

Was raten Sie Menschen, die über die Feiertage einsam sind?

Auch wenn es sich anders anfühlt: Sie sind nicht allein mit ihrer Einsamkeit. Ich ziehe das persönliche Gespräch auch immer vor, aber nutzen Sie die moderne Kommunikation über Telefon oder sogar Video. Wir haben heute andere Möglichkeiten als noch vor wenigen Jahren. Wenn Sie gerne Weihnachten feiern, lassen Sie sich das von Ihrer Einsamkeit nicht nehmen und verzichten Sie zum Beispiel nicht auf ihr Weihnachtessen. Nutzen Sie auch Hilfsangebote wie die Telefonseelsorge oder das Angebot „Silbernetz“, wo viele engagierte Menschen auch an Weihnachten ein offenes Ohr haben. Diesen Menschen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich danken, dass sie gerade an den Weihnachtstagen da sind für ihre Mitmenschen.

Interview:

Anne-Christine Merholz

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