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Ex-General nennt Details zu „Höhepunkt“ im Krieg

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Von: Tobias Utz

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Russland plant eine weitere Offensive in der Ukraine: Das sagt der ehemalige Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa. Eine vierte Phase des Kriegs erscheint möglich.

Kiew/Moskau – Mitte Mai veröffentlichte der ukrainische Generalstab erstmals einen Überblick der Geschehnisse im Ukraine-Krieg. Das Militär teilte diese in drei Phasen ein: „Phase eins“ symbolisierte den russischen Sturm auf Kiew, getrieben von Wladimir Putins Prognose, dass die Invasion lediglich 15 Tage andauern werde. „Phase zwei“ war demnach durch die Konzentration auf den Donbass und die damit verbundene Offensive in der Ostukraine gekennzeichnet. Beide Vorhaben, sowohl die Belagerung von Kiew als auch die Donbass-Offensive, scheiterten bekanntlich. Derzeit befindet sich der Ukraine-Krieg laut Einschätzung des Generalstabs in „Phase drei“: Russland soll sich aktuell lediglich auf die Verteidigung der bereits gewonnenen Gebiete konzentrieren, statt neue anzugreifen.

Exakt das Gegenteil erwartet allerdings ein ehemaliger Oberkommandeur der US-Armee in Europa, möglicherweise in einer vierten Kriegsphase. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Stern sagte Ben Hodges, dass er noch im Sommer 2022 den „Höhepunkt“ der Angriffsbemühungen Russlands erwarte. „Ich denke, wir werden im August oder im Spätsommer den Höhepunkt der russischen Offensive erleben. Falls, und das ist entscheidend, falls wir den Ukrainern alles liefern, was wir ihnen jetzt versprochen haben“, erklärte er.

Waffenlieferungen im Ukraine-Krieg: „Der Westen hat viel zu lange gewartet“

Die genannte Bedingung von Waffenlieferungen, welche der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jüngst abermals kritisierte, ist für den Militär-Experten wohl entscheidend. „Der Westen hat viel zu lange gewartet, um den Ukrainern das zu geben, was sie brauchen: Artillerie mit langer Reichweite und Raketen, damit sie die russischen Artilleriestellungen zerstören können“, so Hodges. Da die Lieferungen nun wahrscheinlich nach und nach eintreffen, könnte Russland in die Defensive geraten, mutmaßte er. Eine wichtige Rolle dürfte dabei die Versorgung der Kreml-Truppen spielen, die zuletzt erneut schwere Verluste erlitten.

Ben Hodges
Ben Hodges im September 2021. © Remo Tonismäe / Imago Images

„Noch ist es nicht zu spät. Sicher, für die vielen Tausend ukrainischen Soldaten und Zivilisten, die bereits getötet worden sind, ist es zu spät – für eine entscheidende Kriegswende zugunsten der Ukraine aber nicht“, so Hodges im Stern-Interview.

Das Verteidigungsministerium der USA rechnet derweil damit, dass Wladimir Putin weiterhin die Eroberung der gesamten Ukraine anstrebt. „Ich glaube immer noch, dass er einen Blick auf einen bedeutenden Teil der Ukraine, wenn nicht sogar auf das ganze Land geworfen hat“, sagte der Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, Colin Kahl, bei einer Veranstaltung des Thinktanks „Center for New American Security“ zum Ukraine-Konflikt. Russland werde dieses Ziel jedoch nicht erreichen können. „Vielleicht können sie hier und da taktische Gewinne erzielen“, sagte Kahl. Allerdings zeige sich die ukrainische Armee weiterhin standhaft.

Aktuell steht vor allem die Stadt Sjewjerodonezk im Fokus. Dort harren Tausende Menschen aus der Zivilbevölkerung aus. Russland hat zwar einen Fluchtkorridor angekündigt. Ob dieser tatsächlich öffnet, ist jedoch ungewiss. 500 Einheimische verstecken sich zudem in einem Chemiewerk. (tu)

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