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Experte: Krim wird in einem Jahr wieder der Ukraine gehören

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Von: Nils Tillmann

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Ukrainische Kräfte sind zunehmend auf dem Vormarsch. Der ehemalige General Ben Hodges kann sich einen militärischen Sieg Kiews durchaus vorstellen.

Krim – Die Ukraine befindet sich derzeit im Aufwind. Bei ihrer Gegenoffensive im Osten des Landes ist das Militär tief in den Rücken der russischen Besatzungstruppen vorgedrungen. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einer Videoansprache, dass die Armee seit Anfang September mehr als 1000 Quadratkilometer der Ukraine befreit habe. „Die Ukraine ist und wird frei sein“, versprach er.

Allerdings halten russische Truppen nach früheren Angaben etwa 125.000 Quadratkilometer in der Ukraine besetzt. Das ist ein Fünftel des Staatsgebietes, einschließlich der Halbinsel Krim. Doch wie lange noch? Bereits in einem Jahr, sagte nun ein Militärexperte, könnte die Ukraine wieder die Kontrolle über ihr gesamtes Staatsgebiet haben.

Unweit einer beliebten Urlaubsstadt auf der Halbinsel Krim soll am Dienstag ein russisches Munitionslager explodiert sein.
Unweit einer beliebten Urlaubsstadt auf der Halbinsel Krim ist im August ein russisches Munitionslager explodiert. © imago-images

Krim: Ukraine könnte Halbinsel bald zurückerobern

Bei einer Konferenz in Georgien sprach der ehemalige US-General Ben Hodges gegenüber der US-Zeitung Newsweek davon, dass die Menschen in der Ukraine „ihr Land gerettet“ hätten: „Sie haben Bedingungen geschaffen, unter denen sie wohl ihre volle Souveränität, einschließlich der Krim, innerhalb eines Jahres wieder herstellen können“, fügte Hodges hinzu.

Diese Einschätzung folgt dem Beginn einer größeren Gegenoffensive ukrainischer Streitkräfte in verschiedenen Teilen des Landes. Ukrainische Truppen hatten in den letzten Tagen nach eigenen Angaben Siedlungen in der südlichen Cherson-Region und der nordöstlichen Charkiw-Region zurückgewinnen können. Diese Entwicklung stellte nach Monaten russischer Offensiven, die zuletzt zunehmend stagniert waren, einen großen Wandel im Ukraine-Konflikt dar.

Russische Armee nun die „zweitstärkste in der Ukraine“

Hodges sieht die russische Armee als stark geschwächt. „Es waren nun sechs Monaten seit Beginn einer russischen Invasion im großen Stil und die vermeintlich zweitbeste Armee der Welt ist nun die zweitbeste Armee in der Ukraine“, sagte der ehemalige General der 7. US-Armee über die russischen Streitkräfte. „Nach all dieser Zeit kontrolliert Russland weniger als 20 Prozent des ukrainischen Territoriums und ihre Kapazitäten für weitere offensive Operationen sind so gut wie erschöpft.“

Ein wesentlicher Grund für die Änderung im Kriegsverlauf scheinen die erfolgreichen Lieferungen moderner Waffensysteme an die Ukraine zu sein. Unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskrieges hatten russische Truppen schnelle Fortschritte gemacht und waren sogar bis kurz vor die Hauptstadt Kiew vorgerückt. In den letzten Monaten hatten daraufhin zahlreiche Länder neben Hilfsgütern auch zunehmend modernes Kriegsgerät an die Ukraine entsandt. Auch die Bundesregierung hatte nach anfänglichem Zögern im April für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine gestimmt.

Waffenlieferungen entscheidend im Ukraine-Krieg

Hodges spricht sich ebenfalls für eine weitere materielle Unterstützung der Ukraine aus. Dabei hofft er auf ein Umdenken. „Wenn die Regierung sagt, ‚wir haben zwei Millionen hiervon, zehntausend davon, was auch immer im Wert von X Milliarden verschickt‘, sind diese Zahlen bedeutungslos“, erklärt der ehemalige General.

Wichtiger als große absolute Zahlen sei, die von der Ukraine genannten Bedürfnisse zu erfüllen. „Was ich wirklich gerne hören würde, ist: ‚Wir haben 80 Prozent davon geliefert, was die Ukraine braucht, um Russland zu besiegen und ihr Territorium zurückzugewinnen, und wir arbeiten an den restlichen 20 Prozent‘“, sagte Hodges.

Frühere Analysen teilen Hodges Optimismus allerdings nicht unbedingt. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte im Juni gewarnt, man müsse sich auf einen jahrelangen Krieg einstellen. Auch die US-Regierung hatte zuvor eine ähnliche Vorhersage getroffen. (nt)

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