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Bei einer Salafistenkundgebung in Köln im Jahr 2012 schwenkt eine Frau eine Taliban-Fahne.
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Bei einer Salafistenkundgebung in Köln im Jahr 2012 schwenkt eine Frau eine Taliban-Fahne.

Extremismus

Hochburg der Salafisten

In Nordrhein-Westfalen beobachtet der Verfassungsschutz tausende Salafisten. Über hundert von ihnen gelten als „extrem risikobehaftet“.

Von Detlef Schmalenberg

Er werde mit der „Peitsche durch Köln laufen“, die Ungläubigen in brennende Häuser jagen, sie an Laternen aufhängen oder ihnen bei einer Massenhinrichtung die Kehle durchschneiden. „Wir sind hier, um zu übernehmen, Deutschland gehört Allah“, wetterte der Extremist Kais O. nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bei Gesprächen, die von der Polizei abgehört wurden. Schon jetzt würden die Deutschen vor Angst schlottern. Nach dem „Einmarsch“ des selbsternannten „Islamischen Staates“ (IS) jedoch würden endgültig „die Waffen gezogen“: „Entweder ihr nehmt den Islam an oder ihr werdet geschlachtet.“

Der Kölner Kais O. sitzt mittlerweile in Haft, weil er den Ermittlungen zufolge Kämpfer für den IS rekrutiert und mit Einbrüchen Geld für Terrorverbündete in Syrien beschafft haben soll. Der 33-Jährige, der vor seiner Festnahme schon seit Jahren in Köln lebte, ist eines von zahlreichen Beispielen dafür, dass der Hass und Größenwahn der Kriminellen, die sich bei ihren Gräueltaten und Fantasien auf den Islam berufen, schon lange vor den Attentaten von Paris und Brüssel auch in NRW angekommen waren. „Was Deine Brüder in Belgien schafften, schaffst Du auch!“, steht da auf Deutsch.

Der Verfassungsschutz spricht von 2700 Salafisten in NRW. Galten davon im Sommer 2015 etwa 320 als gewaltbereit, hat sich die Zahl mittlerweile auf 600 erhöht. „Etwa 125 dieser Leute werden als extrem risikobehaftet eingestuft“, heißt es in Sicherheitskreisen. Allein bei der Staatsanwaltschaft Köln laufen aktuell etwa ein Dutzend entsprechender Ermittlungen. Das Oberlandesgericht in Düsseldorf hat – angefangen mit der Sauerland-Gruppe um Fritz G. – sechs Verfahren gegen „Islamisten“ abgeschlossen, weitere sechs sind im Gange, drei könnten noch eröffnet werden. Die Bundesanwaltschaft führt aktuell 130 Ermittlungsverfahren zu islamistisch-terroristischen Vereinigungen. „NRW hat sich bedauerlicherweise zu einem attraktiven Ort für Islamisten entwickelt“, sagt Terrorismus-Experte Rolf Tophoven.

„Greift die Ungläubigen an“

Und eine Vielzahl der IS-Sympathisanten mit NRW-Wurzeln scheint fest entschlossen, den Terror in Deutschland zu entfachen. „Greift die Ungläubigen in ihren eigenen Häusern an, tötet sie überall dort, wo ihr sie findet“, forderte ein 28-jähriger IS-Kämpfer aus Königswinter im Sommer 2015 in einem Video. Vor laufender Kamera tötete er gemeinsam mit einem Kampfkameraden zwei syrische Regierungssoldaten. Bevor er zum Mörder wurde, war Yamin A.-Z. Auszubildender bei der Bonner Telekom. Es sei die Pflicht jedes Kämpfers, den Dschihad nach Europa zu bringen, sagte vor mehr als einem Jahr auch ein Islamist aus Bergisch Gladbach, der mehrere junge Männer nach Syrien vermittelt haben soll.

Laut Verfassungsschutz werden vermehrt Jugendliche, insbesondere junge Frauen, auf der Straße oder über soziale Netzwerke angesprochen. Neben Wuppertal und Mönchengladbach, wo der inzwischen festgenommene Salafisten-Prediger Sven Lau agitierte, gilt auch Bonn als zentrales Aktionsfeld der Fanatiker. In den salafistischen Gebetszirkeln der ehemaligen Bundeshauptstadt haben schon viele Terrorkarrieren begonnen. Prominente Beispiele gibt es genug: Der 2010 getötete Al-Kaida-Terrorist Bekkay Harrach beispielsweise startete von hier in den „Heiligen Krieg“. Marco G. zog sogar eigens aus Oldenburg in den Bonner Problembezirk Tannenbusch, um seinen Glaubensbrüdern näher zu sein.

Mit drei Komplizen wollte der 28-Jährige im März 2013 im Bonner Hauptbahnhof eine Bombe zünden und außerdem den rechtsradikalen Politiker Markus Beisicht ermorden. Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wird der Fall seit September 2014 verhandelt.

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