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Umarmung gefällig? Diese Gläubige in Tennessee zeigt wenig Einsicht in die Risiken. 

USA

Hochansteckende Feierlaune

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Wegen der hohen Ansteckungsgefahr haben die großen christlichen Glaubensgemeinschaften eindringlich zum Umstieg auf Online-Gottesdienste aufgerufen. Doch US-Evangelikale wollen sich den Auflagen nicht beugen. 

Pünktlich zum Sonnenaufgang soll die Auferstehung des Herrn gefeiert werden. „Wir stehen für das Buch, das Blut und die gesegnete Hoffnung“, verkündet Pfarrer Jack Roberts auf der Homepage seiner Maryville Baptist Church in Kentucky. Trotz aller staatlichen Verbote ist der fundamentalistische Prediger entschlossen, am frühen Ostersonntagmorgen mit seinen Schäflein den Gottesdienst zu feiern.

Knapp 800 Meilen weiter südlich, in dem von der Corona-Pandemie schwer befallenen Louisiana, gibt Pastor Tony Spell den Widerstandskämpfer. „Wir fühlen uns wegen unseres Glaubens verfolgt“, erklärt der Prediger der Life Tabernacle Church in Baton Rouge. Ein Baptisten-Kollege von der nicht weit entfernten Saint Luke Church ist als erstes Covid-19-Opfer in der Region vor drei Wochen gestorben. Doch Spell glaubt an eine politische Verschwörung. Mehr als 1000 Gläubige hat er am Palmsonntag mit 26 Bussen herangekarrt und im Gotteshaus versammelt. An Ostern soll es ähnlich sein.

Offiziell gelten in weiten Teilen der USA wegen der Corona-Pandemie Ausgangsbeschränkungen und Versammlungsverbote. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr haben die Führer der großen christlichen Glaubensgemeinschaften eindringlich zum Umstieg auf Online-Gottesdienste aufgerufen. Doch evangelikale Sektierer wollen sich den Auflagen der Gesundheitsbehörden nicht beugen. Experten fürchten, dass beim Auferstehungs-Fest am Sonntag auch dem Corona-Virus neues Leben eingehaucht wird.

Unter dem Druck der konservativen Evangelikalen-Basis haben viele Bundesstaaten für religiöse Versammlungen Ausnahmen von den strikten „Stay-at-Home“-Anordnungen erlassen. So war ein Pfarrer in Florida in der vergangenen Woche festgenommen worden, weil er entgegen den Auflagen des Landkreises einen Gottesdienst mit Gläubigen gefeiert hatte. Kurz darauf deklarierte der republikanische Gouverneur, dass religiöse Feiern systemrelevant und zulässig seien. Auch Texas hat Gottesdienste erlaubt. In Kansas wollte die demokratische Gouverneurin die religiösen Feiern beschränken. Doch die Republikaner im Landesparlament kassierten ihre Anordnung. Ohnehin ist vielen Sektierern und Fanatikern die Rechtslage egal. Die Pfingstler-Bewegung in den USA ist im Widerstand gegen die Obrigkeit entstanden, und sie setzt ihren Glauben über die Wissenschaft.

Manch ein rechter Fundamentalist dürfte zudem das Gefühl haben, dass Donald Trump auf seiner Seite steht. Noch Ende März hatte der Präsident gegen den Rat seiner Experten von „vollen Kirchen“ zu Ostern geschwärmt. Das hat er zwar zurückgenommen. Vize-Präsident Mike Pence – anders als Trump praktizierender Evangelikaler – erklärte, er werde den Gottesdienst vor dem Fernsehen verfolgen. Doch Trump, der seinen Wahlerfolg vor allem der christlichen Rechten zu verdanken hat, kann sich zu einer klaren Verurteilung der geplanten Groß-Versammlungen nicht durchringen.

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