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Ein Rotarmist hisst 1945 über der im Zweiten Weltkrieg beschädigten Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin eine sowjetische Fahne mit dem "Hammer und Sichel"-Symbol.
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Ein Rotarmist hisst 1945 über der im Zweiten Weltkrieg beschädigten Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin eine sowjetische Fahne mit dem "Hammer und Sichel"-Symbol.

Hitlers letzte Schlacht

Zehntausende starben sinnlos für BerlinAm 30. April hissten die Eroberer nach einem erbitterten Kampf im Regierungsviertel die Sowjetflagge auf der Ruine des Reichstags. Hitler brachte sich an diesem Tag um - aber erst am 2. Mai 1945 kapitulierten die Verteidiger von Berlin.

Von ESTEBAN ENGEL UND HORST HEINZ GRIMM (BERLIN, DPA)

Die Erde bebte unter den Geschossen, die aus Tausenden Geschützen auf die Stellungen der Verteidiger an Oder und Neiße heranheulten. Dieser Feuersturm am 16. April 1945 war der Auftakt zum Sturm der Roten Armee auf Berlin. Zwei Heeresgruppen, die erste Ukrainische Front unter Marschall Iwan Konjew und die Erste Weißrussische Front unter Georgi Schukow, rollten ungehindert auf das gut 90 Kilometer Luftlinie entfernte Machtzentrum der Nationalsozialisten zu, nachdem ein letzter Widerstand der Deutschen auf den Seelower Höhen zusammengebrochen war.

Rund 2,5 Millionen Mann waren zum Sturm auf Berlin angetreten - mit mehr als 6000 Panzern, 41.600 Geschützen und 7500 Flugzeugen. Sie zogen den Ring schnell enger. Für den sowjetischen Diktator Josef Stalin war es eine Prestigesache: Seine Rote Armee musste die "Reichshauptstadt" vor den Westalliierten erobern. An Hitlers 56. Geburtstag, am 20. April, lag die Stadt in direkter Reichweite der Artillerie. Einigen Halbwüchsigen gaukelte der "Führer" noch Macht vor und heftet ihnen das Eiserne Kreuz ans Revers.

Sowjetische Stoßtruppen erreichten tags darauf den Berliner Nordostbezirk Köpenick. Für die meisten Bewohner hatte sich das Ende längst abgezeichnet. Seit Monaten lag die Stadt im Bombenhagel alliierter Flugzeuge. Die Feuerwehr kam mit dem Löschen nicht nach, die Versorgung brach zusammen. Millionen Menschen suchten verängstigt, kriegsmüde und desillusioniert Schutz in Kellern und Bunkern. Mehr als 55.000 Zivilisten waren gestorben.

44.000 Soldaten, 42.000 ältere Volkssturm-Männer und 5000 Hitlerjungen sollten drei Verteidigungslinien halten, von denen der S-Bahn-Ring die innerste bildete. Propagandaminister Joseph Goebbels schürte die Angst vor den "mongolischen Horden" und wollte so den Widerstand mobilisieren. "Hass ist unsere Pflicht - Rache ist unsere Tugend" schmierten fanatische Hitler-Anhänger an eine Mauer.

Einsatzkommandos der Waffen-SS durchkämmten die Stadt. Sie erschossen Soldaten und Zivilisten, die im Verdacht stehen, die Widerstandskraft zu schwächen. Sie sprengten den S-Bahntunnel unter dem Landwehrkanal. Tausende Menschen, die dort Schutz gesucht hatten, kamen ums Leben.

"Berlin kämpft unter dem Befehl des Führers", meldete die Nazi- Parteizeitung "Völkischer Beobachter" in der letzten Ausgabe am 24. April. Am Vortag hatte Hitler noch seinen Reichsmarschall Hermann Göring aller Ämter enthoben. Dieser wollte von Berchtesgaden aus die politische Führung übernehmen. Auch der Organisator des Massenmordes an Juden, Heinrich Himmler, fiel in Ungnade, als er angesichts der aussichtslosen Lage Friedensfühler zu den Alliierten ausstreckte.

Haus um Haus drangen die Rotarmisten durch die verwüsteten Straßenschluchten bis in das Zentrum Berlins vor. Auch sie hinterließen eine Spur des Schreckens. Allein in Berlin wurden nach Schätzungen mehr als 100.000 Frauen geschändet. Am 30. April hissten die Eroberer nach einem erbitterten Kampf im Regierungsviertel die Sowjetflagge auf der Ruine des Reichstags. "Der Häuserkampf in dem Stadtkern von Berlin tobt Tag und Nacht..." hielt die Nazi-Führung im Kriegstagebuch fest.

Die Realität hatte den "Gröfaz", den "größten Feldherr aller Zeiten", in seinem bombensicheren "Führerbunker" eingeholt. In seinem politischen Testament ernannte er Großadmiral Karl Dönitz zum Reichspräsidenten und ging am 30. April mit seiner am Vortag angetrauten Ehefrau Eva Braun freiwillig in den Tod. Kurz danach begeht auch das Ehepaar Goebbels Selbstmord, nachdem es seine sechs Kinder mit Gift umgebracht hatte. "Unser Führer ist gefallen", log die Propaganda noch. Am 2. Mai kapitulierten die Verteidiger von Berlin.

Am selben Tag hallten in Moskau zur Feier des Sieges 24 Salven aus 324 Geschützen. Für Stalin, so schreibt der britische Historiker Antony Beevor in seinem Standardwerk "Berlin 1945 - Das Ende", "war Berlin die Kriegsbeute, auf welche die Sowjetunion jeden Anspruch erworben hatte". Für die Eroberung der Stadt starben 80.000 sowjetische Soldaten.

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