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Historischer Händedruck von Torgau war gestellt

Foto zeigt andere Soldaten / Auch Treffpunkt wurde organisiert

Von JÖRG ABERGER (TORGAU, AP)

Vor 60 Jahren ging ein Foto um die Welt, das ein wahrhaft historisches Ereignis wiederzugeben schien: Amerikanische und sowjetische Soldaten, die sich an einer zerstörten Elbebrücke bei Torgau in Sachsen treffen und sich die Hand reichen. Als Symbol für das Ende des Krieges durch den Schluss zwischen West- und Ostfront wurde das Foto berühmt. Allerdings war die Szene gestellt, auch der Ort des Treffens war organisiert.

Eigentlich hatten sich die Truppen der Alliierten am 25. April 1945 in der Ortschaft Strehla, einige Kilometer von Torgau entfernt, zum ersten Mal getroffen. Eine amerikanische Patrouille unter der Führung von Leutnant Albert Kotzebue hatte den Auftrag, mit den Sowjets Kontakt aufzunehmen, um ein späteres Treffen der Kommandeure vorzubereiten. Zu den fünf Soldaten, die mit Kotzebue am Elbufer unterwegs waren, gehörte auch Joseph "Joe" Polowsky. Er versuchte später, den 25. April durch die Vereinten Nationen als "Weltfriedenstag" ausrufen zu lassen.

Selbst demonstrierte Polowsky an diesem Tag stets in Chicago für den Frieden, am 25. April 1983, wenige Monate vor seinem Tod, hielt er die letzte Mahnwache auf der Michigan Avenue Bridge. So wie er es testamentarisch festgelegt hatte, wurde er im November 1983 auf dem evangelischen Friedhof in Torgau beerdigt, das Gymnasium der Stadt Torgau wurde im Jahr 1995 nach ihm benannt.

Doch der offiziell anerkannte Ruhm des ersten Treffens fiel anderen zu. Aus Gründen der Symbolik sollte das Zusammentreffen der Truppen in Torgau stattfinden. Hier war es jedoch eine andere Patrouille, die den Kontakt herstellte. Unter der Führung von Leutnant William Robinson hatte sich eine vierköpfige Gruppe um 10.00 Uhr von Wurzen aus nach Torgau aufgemacht. Zu der Patrouille gehörten außer Robertson noch der Unteroffizier James McDonnell sowie die Obergefreiten Frank Huff und Paul Staub. Am Nachmittag kamen die Männer in Torgau an.

Zunächst trieb Robertson ein Bettlaken auf, das er in einer Drogerie mit roten und weißen Streifen bemalte und so ein improvisiertes Sternenbanner schuf. Mit diesem stieg er schließlich in einen Turm des an der Elbe gelegenen Torgauer Schlosses Hartenfels, lehnte sich aus einem Fenster und schwenkte die handgemalte Fahne. Die sowjetischen Soldaten waren jedoch am Vormittag mit einem weißen Tuch, das Deutsche auf der Westseite der Elbe hochhielten, getäuscht worden.

Sie befürchteten, dass es sich um eine Falle handeln könnte und schossen auf den Turm. Einem russisch sprechenden Amerikaner gelang es schließlich, sich mit den Soldaten auf der anderen Elbseite zu verständigen.

Auf der gegenüberliegenden Seite war eine sowjetische Patrouille unter Leitung des Oberleutnants Alexander Silwaschko unterwegs. Er kam mit seinen Leuten an das Flussufer und schließlich kletterten die Soldaten von beiden Seiten aus auf die zerstörte Brücke und trafen sich am Brückenkopf. Die historische Begegnung an der Elbe war vollzogen.

Bild am nächsten Tag gestellt

An jenem Tag entstanden zwar Fotos, das zu historischer Bedeutung gelangte Bild jedoch wurde erst am darauf folgenden Tag geschossen. Und die Aufnahme des für den "American News Service" tätigen Fotografen Allan Jackson zeigt zwar einen Handschlag, es sind aber nicht die Soldaten um Robertson und Silwaschko, die das Bild zeigt.

Zu sehen sind vielmehr John Metzer, Delbert Philpott und Thomas Summers auf amerikanischer Seite, die Namen der auf dem Foto abgebildeten Sowjetsoldaten wurden nicht einmal festgehalten.

So wie sich die Amerikaner damals mit den Namen der alliierten schwer taten, so tat sich vor allem der Westen später im Umgang mit dem historischen Ereignis schwer. Leicht machte es sich im staatlich verordneten Antifaschismus die DDR-Führung: Sie ließ sich selbst mit feiern, wenn am Denkmal der Begegnung der Befreiung vom Hitlerfaschismus gedacht wurde, so als ob DDR-Bürger an der Seite der Roten Armee den Sieg errungen hätten.

Nach der Wende wunderten sich Bundestagsabgeordnete in Briefen an die Stadtverwaltung darüber, dass "ein solcher Tag der Niederlage mit einem Jazzfestival gefeiert wird." Amerikanischen Veteranen, die an den Gedenkfeiern teilnehmen wollten, wurden oft Steine in den Weg gelegt. Erst zum 50. Jahrestag des historischen Ereignisses wurden Robertson und Silwaschko im Jahr 1995 Ehrenbürger von Torgau. Während Robertson inzwischen verstorben ist, will Silwaschko am 60. Jahrestag des Ereignisses am so genannten "Elbe Day" in Torgau teilnehmen.

Zum Jubiläums-"Elbe Day" soll auch das historische Treffen der beiden Patrouillen durch einen militärhistorischen Verein nachgestellt werden. Die Brücke, an der 1945 die Begegnung an der Elbe stattfand, steht allerdings nicht mehr, sie wurde 1994 abgerissen. An Stelle der alten Eisenbogenbrücke entstand ein Spannbetonbauwerk. Um die Erinnerung an das historische Zusammentreffen wach zu halten, soll dieses zum diesjährigen "Elbe Day" den Namen "Joe Polowsky Brücke" bekommen.

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