Rassismus

Mit Hirn gegen den Hass

  • vonBirgit Holzer
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Muskelkraft können die Franzosen aber auch, wenn es darum geht, dem Rassismus Einhalt zu gebieten. Die „Brigade gegen Negrophobie“ versucht es mit Hirn, Herz und Hand.

Trägt er sein schwarzes Aktivisten-Shirt, fällt Franco auf. Auf der Vorderseite zeigt es einen schwarzen Panther und die Aufschrift „Brigade gegen Negrophobie“. Auf der Rückseite wird die „Negrophobie“, der Hass auf Schwarze wie ihn, als „Massenvernichtungswaffe“ bezeichnet. „Bewaffnen wir uns bis an die Zähne, um sie zu bekämpfen!“, prangt darunter. Ein Aufruf, der in Kombination mit Francos muskulösen Armen einschüchtern könnte.

Dabei sind die Waffen, die der 46-jährige Franzose meint, intellektuelle und rhetorische. Er nutzt sie in seinem Kampf gegen den Rassismus, den er als tief verwurzelt in der Gesellschaft in Frankreich – und nicht nur dort – bezeichnet. Mit dem Namen seiner „Brigade“ und ihren martialischen Symbolen wollen er und seine Mitstreiter das tun, was sie lange Zeit nicht gewagt haben: provozieren, ihre Stimme erheben gegen schreiende Ungerechtigkeiten. „Wer hier mit schwarzer Hautfarbe aufwächst, dem wird früh eingetrichtert: Fall bloß nicht unangenehm auf. Und wenn du etwas im Leben erreichen willst, musst du doppelt so hart arbeiten wie Weiße. So als sei es normal, sonst nur halb so viel zu bekommen.“

Lange litt er unter einem Minderwertigkeitskomplex, sagt Franco, der als Sohn einer Mutter aus Guadeloupe, dem französischen Überseedepartement in der Karibik, und einem afrikanischen Vater in einer Pariser Vorstadt aufwuchs.

Vor 15 Jahren hat Franco seine „Brigade“ gegründet, deren Mitglieder bei Demonstrationen das schwarze Shirt mit dem Panther-Aufdruck tragen. Gerade nahmen sie an einer Gedenkveranstaltung für den Franko-Senegalesen Lamine Dieng teil, der 2007 im Alter von 25 Jahren bei einer brutalen Festnahme starb; nach einer Klage seiner Familie beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zahlte ihr der französische Staat schließlich 145 000 Euro an Entschädigung. Außerdem engagiert sich Franco in einem Verein, der Identitätskontrollen der Polizei, die nur auf der Hautfarbe einer Person gründen, bekämpft.

Zurzeit ist ein guter Moment, um gehört zu werden mit seinem Anliegen. Der Mord an dem schwarzen US-Amerikaner George Floyd vor einem Monat durch einen weißen Polizisten hat auch in Frankreich lebhafte Debatten ausgelöst. Wiederholt gingen Zigtausende auf die Straße, um gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt zu demonstrieren.

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