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Akten mit der Kennzeichnung "NSU"

NSU

Hinweise auf NSU-Trio im Untergrund

Der Thüringer Verfassungsschutz hat offenbar doch Hinweise auf eine Untergrundtätigkeit der im Januar 1998 geflohenen Jenaer Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gehabt.

Von Andreas Förster

Das legt ein bislang unbekannter Vermerk des Erfurter Landesamtes (LfV) von 2004 nahe. Offiziell hieß es bislang, man habe seinerzeit keine Erkenntnisse darüber gehabt, ob das Trio nach seiner Flucht überhaupt noch in irgendeiner Weise aktiv gewesen sei.

Der jetzt aufgetauchte Vermerk war im Februar 2004 vom LfV verfasst worden. Darin ging es um eine sogenannte G-10-Maßnahme, mit der das Amt Telefone von Thüringer Neonazis überwachte. Unter Bezug auf Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe heißt es in dem Papier: „Es ist möglich, dass die Betroffenen nunmehr im Untergrund innerhalb der Szene konspirativ weiter arbeiten.“ Tatsächlich sollen die drei Flüchtigen laut Bundesanwaltschaft zu diesem Zeitpunkt bereits die NSU-Terrorgruppe gegründet, drei Migranten ermordet und sieben Überfälle begangen haben.

Die Abhörmaßnahme, auf die sich der LfV-Vermerk von 2004 bezieht, richtete sich seinerzeit gegen zwei frühere Aktivisten der verbotenen Organisation „Blood&Honour“ (B&H). Das B&H-Netzwerk hatte in der Fluchthilfe für das Trio eine wesentliche Rolle gespielt.

Mittelbar betroffen von dem Lauschangriff waren eine Reihe anderer Neonazis, die in dem Papier namentlich aufgeführt sind. Neben Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe gehören dazu unter anderem Ralf Wohlleben und Carsten S., die dem Trio 1999/2000 mutmaßlich Waffen besorgt hatten.

In dem LfV-Papier geht es nun um die Frage, welche der von der G-10-Maßnahme betroffenen Personen über die abgeschlossene Lauschoperation zu informieren seien. Im Fall des Trios wollte der Verfassungsschutz dem Vermerk zufolge von einer Mitteilung absehen.

Warum die drei von der Abhörmaßnahme 2004 betroffen waren, ob sie möglicherweise in abgehörten Telefonaten auftauchten und welche Anhaltspunkte der Verfassungsschutz damals für eine Untergrundtätigkeit des Trios hatte – all diese Fragen dürften heute ein Thema im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages sein, wenn der 2012 zurückgetretene LfV-Chef Thomas Sippel als Zeuge befragt wird.

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