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Das SS-Symbol der Schwarzen Sonne ist auf einer Schutzweste zu sehen. Das Bild hatte der mutmaßliche Schütze auf Twitter gepostet.

Hintergrund

„Weiße Revolution“

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Neonazis sind in Australien keine Seltenheit.

Die Zahl der Neonazis in Neuseeland ist eher überschaubar und es gibt bislang kaum Berichte über deren Aktivitäten. Beim Nachbarn Australien verhält sich das ganz anderes: Seit Jahrzehnten schon wächst dort eine rechtsextremistische Szene heran, die enge Verbindungen vor allem in die USA, nach Großbritannien und Skandinavien, aber auch nach Deutschland unterhält.

Eine zentrale Position nimmt dabei der dortige Ableger („Chapter“) der „Hammerskins“. Auch in Neuseeland soll ein kleineres Chapter existieren. Die „Hammerskins“ eine international operierende Neonazi-Organisation, wurde 1987 in den USA gegründet und hat seitdem in rund einem Dutzend Länder eigenständige Filialen, darunter auch in Deutschland. Die Chapter halten regelmäßig Kontakt untereinander.

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Australische „Hammerskins“ waren bereits mehrmals in Deutschland, insbesondere in Sachsen und Thüringen. Die „Hammerskins“ bekennen sich zum bewaffneten Kampf gegen den Staat. Hitlers SS ist ihnen Vorbild. Sie haben viel Erfahrung beim Aufbau von Untergrundnetzen sowie bei der Beschaffung von Waffen, Sprengstoff und Sprengsätzen. Deutsche „Hammerskins“ waren mehrfach zu Schießübungen in der Schweiz und in den USA, wo sie auch mit australischen Gesinnungsgenossen in Kontakt kamen. Nach Erkenntnissen von Verfassungsschutz und Bundesanwaltschaft fanden sich unter den Unterstützern der Zwickauer NSU-Terrorzelle ebenfalls „Hammerskins“.

Neben den australischen „Hammerskins“ hat sich 2016 in Melbourne eine weitere radikale Neonazi-Gruppe gegründet, die „Antipodean Resistance“ (AR; „The Antipodes“ ist ein Synonym für Australien). Im Internet posieren durch Totenkopfmasken anonymisierte Mitglieder mit Hakenkreuzfahne, Hitlergruß und dem SS-Symbol der Schwarzen Sonne. Die Gruppe propagiert die angebliche Überlegenheit der „weißen Rasse“ und ruft zur Ermordung und Vertreibung von Juden, Homosexuellen und Einwanderern auf. Die AR, die auch militärische Übungen durchführt, soll nach Expertenschätzungen inzwischen landesweit 300 Mitglieder haben. In mehreren Städten traten AR-Aktivisten schon öffentlich auf und entrollten kurzzeitig Transparente, auf denen zu einer „weißen Revolution“ aufgerufen wird. Anschläge oder gewalttätige Aktionen wurden der AR jedoch bislang nicht zugeschrieben.

Neben diesen Neonazi-Gruppen existiert in Australien mit „Rise up“ („Aufstehen“) auch eine rechtspopulistische islamkritische Partei. Sie ist das Sprachrohr diverser, miteinander verwobener Bürgergruppen mit gut 12 000 Mitgliedern, die gegen Islam und Muslime demonstrieren. Bei den von ihnen via Social Media organisierten Aufmärschen gehen oft Zehntausende auf die Straße.

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