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Plötzlich ausgebremst: Jens Spahn.

Jens Spahn

Hinten anstellen ist seine Sache nicht

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Jens Spahn kämpft im Rennen um den CDU-Vorsitz um verlorenen Rückhalt.

Jens Spahn hat sich umentschieden. Am Anfang hat er sich hinters Rednerpult gestellt für seine Vorstellungs-Zehn-Minuten. Seit der zweiten Regionalkonferenz steht er mit dem Mikro vorne am Bühnenrand. Der Gesundheitsminister tourt im Entertainer-Modus. Spahn setzt sich ab, er muss sich absetzen. Die beiden anderen sind ja die Favoriten des Wettbewerbs um den CDU-Vorsitz. Friedrich Merz hat ihn deutlich aus dem Feld geschlagen.

Über Jahre hat Spahn beim Wirtschaftsflügel und bei der Jungen Union Klinken geputzt. Die einen haben sich Merz zugewandt, die anderen rufen zumindest nicht laut nach Spahn. Der war ihr lange ihr Favorit, nun gilt der 38-Jährige plötzlich doch wieder als zu jung, zu unerfahren, zu ungeduldig – obwohl er sogar schon ein Jahr länger im Bundestag sitzt als Merz. Nur aus Thüringen gibt es öffentlichen Rückhalt: Dort bezeichnet die Junge Union Merz als aus der Zeit gefallen, CDU-Landeschef Mike Mohring spricht zurückhaltend von einem Mythos Merz.

Die Konkurrenten führen in den Umfragen, Spahn versucht es mit Schlagzeilen: Die Debatte um den UN-Migrationspakt hat er in der Union gerade wieder hochgezogen und damit ziemlich viele verärgert. Merz hat ihn da wieder überholt mit seinen Asylrechts-Äußerungen.

Aufgeben will Spahn anscheinend nicht.    Er habe schon zu lange gezögert, als es um den Unions-Fraktionsvorsitz ging, heißt es in der CDU. Nun müsse er wohl mal beweisen, dass er nicht nur von Schlachten rede, sondern die auch schlage. Merz ist dabei Spahns erster Gegner. In Lübeck greift er dessen Kritik an der CSU und deren Verhalten im Flüchtlingsstreit auf: „Ich hätte mir gewünscht, wir hätten Sie damals an Bord gehabt und Sie hätten das damals gesagt.“

Auf eine Zuschauerfrage nach der Aussetzung der Wehrpflicht sagt er in Idar-Oberstein: „Da kam ein Heilsbringer, dann ging es plötzlich schnell. Im Nachhinein tut uns das leid.“ Da ist man schnell vom damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei Merz.

Ein Regionalschmankerl hat Spahn immer auf Lager: Erinnerung an ein Labskaus-Essen in Schleswig-Holstein, Gratulation für den frisch gewählten JU-Chef in Rheinland-Pfalz. In Ostdeutschland befindet er, es gebe hier eine andere Sensibilität für Meinungsfreiheit: „Manche Besserwessis sollten sich zurückhalten mit Kommentaren“.

Vertrauen zurückgewinnen und mehr diskutieren, das sind Spahns Hauptbotschaften. Zu wenig Wohnungen, die ewige Berliner Flughafenbaustelle, der Diesel-Konflikt und dann gebe es noch die Frage, ob man die Tochter im Dunkeln Rad fahren lassen könne Bei der Migrationspolitik findet er, dass die anderen jetzt das sagen, was er schon lange gefordert habe.

Er sagt im Übrigen, er wolle die „Miesepeter von rechts und links“ bekämpfen. „Mit guter Laune Zukunft gestalten, das war doch immer ein Markenkern der CDU.“ Gute Laune als Markenkern hat zumindest noch kein anderer verkündet.

In Idar-Oberstein erzählt er, er habe „auf dem Hinweg bei Helmut Kohl reingeschaut“. Der ist verstorben, aber macht ja nichts. Kohl, erinnert der 38-jährige Spahn, sei mit 39 Jahren Ministerpräsident gewesen. Und bei dem hätten viele gesagt, er sei „zu jung, zu unerfahren, soll sich hinten anstellen“. Kohl habe dann die Partei erneuert. Aber, sagt Spahn, er vergleiche sich natürlich nicht mit Kohl. Käme ihm gar nicht in den Sinn. 

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