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Bei den Unruhen in Nigeria kamen bisher Hunderte Menschen ums Leben.
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Bei den Unruhen in Nigeria kamen bisher Hunderte Menschen ums Leben.

Nigeria

Hinrichtung ohne Urteil

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Sektenführer Mohammed Yusuf wird auf einem Fluchtversuch bei einem Feuergefecht von Sicherheitskräften getötet. Von Johannes Dieterich

Die nigerianische Polizei hat den radikal-islamistischen Sektenführer Mohammed Jusuf aller Wahrscheinlichkeit nach hingerichtet. Der 39-jährige Chef der "Boko Haram" genannten Gruppe war den Sicherheitskräften am Donnerstagabend nach fünf Tage langen Kämpfen in die Hände gefallen: Er hatte sich im Ziegenstall seiner Schwiegereltern versteckt.

Die Polizei brachte Jusuf in eine Polizeistation in Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno, wo der Führer der rund 5000 Mitglieder zählenden Gruppe nur leicht verletzt gesehen wurde. Anschließend wurde Jusuf offenbar aus nächster Nähe erschossen: Die Polizei präsentierte seinen von Einschusslöchern übersäten Körper Fotografen. Der Sektenchef sei "auf der Flucht erschossen" worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Doch ein AFP-Reporter will von einem Polizisten erfahren haben, dass Jusuf noch "um Gnade gefleht hat, bevor er erschossen wurde".

Uniformierte jubeln

Informationsministerin Dora Akunyili kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an und versicherte, die nigerianische Polizei dulde keine außergerichtlichen Hinrichtungen. Allerdings bezeichnete sie den Tod des Boko-Haram-Chefs als positiv: "Es ist wichtig, dass dieser Mann aus dem Weg geräumt wurde", sagte die Ministerin. Im Fernsehen wurden Bilder von neben der Leiche jubelnden Polizisten gezeigt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte die Umstände des Todes Jusufs als "äußerst besorgniserregend". Ihr Sprecher Eric Guttschuss hält die "außergerichtliche Ermordung in Polizeihaft" für ein "schockierendes Beispiel", wie Nigerias Polizei das Recht missachte. Auch die nigerianische Liga für Menschenrechte kritisierte den Vorfall scharf.

Während der Gefechte in vier der 36 Bundesstaaten sollen in den vergangenen sechs Tagen mehr als 600 Menschen getötet worden sein. Die heftigsten Kämpfe tobten in Maiduguri, dem Wohnort Jusufs. Dort waren Polizei und Militär am Dienstag mit Panzern und Mörsern gegen Jusufs Haus vorgegangen.

Am Mittwoch stürmten die Sicherheitskräfte eine Moschee, wobei mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Auch am Freitag wurden in Maiduguri noch vereinzelt Schüsse gehört, doch allmählich normalisierte sich das Leben wieder.

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