Unicef-Skandal

Hilfsbranche soll auf den Prüfstand

Der Entwicklungsausschuss des Bundestages hat harsche Kritik am Vorstand des deutschen Unicef-Komitees geübt.

Von JÖRG SCHINDLER

Berlin. Der Entwicklungsausschuss des Bundestages hat harsche Kritik am Vorstand des deutschen Unicef-Komitees geübt. Dort habe man "noch immer nicht begriffen, worüber sich die Bevölkerung empört", sagte die Linke Monika Knoche am Mittwoch nach einer Sitzung des Ausschusses. Unicef, urteilte Sascha Raabe (SPD), versuche weiter, Vorwürfe herunterzuspielen statt konsequent aufzuklären. "Die glauben, im Großen und Ganzen ist alles nicht so schlimm gewesen."

Die Erklärungen, die der 79-jährige Unicef-Vorsitzende Reinhard Schlagintweit vor dem Ausschuss ablieferte, seien "schwach" gewesen, sagte Raabe der FR. Schlagintweit habe nur von einzelnen Fehlern und falsch ausgefüllten Formularen gesprochen und sich ansonsten über ungerechte Medienberichte mokiert. Tatsächlich aber seien horrende Provisionen für das Eintreiben von Spenden und die freihändige Vergabe von Mitteln dazu angetan, die ganze Hilfsbranche in Verruf zu bringen. Wer das nicht verstehe, gehöre "ausgetauscht". Unicef brauche "einen komplett neuen Vorstand", sagte auch Knoche. Als Komiteemitglied werde sie auf der Unicef-Sondersitzung am 10. April darauf drängen.

Der Ausschussvorsitzende Thilo Hoppe (Grüne) regte eine öffentliche Anhörung über den "absolut ungeregelten Spendenmarkt" an. Es könne nicht angehen, dass es in sechs Bundesländern keine rechtliche Grundlage für das Spendensammeln gebe. Hier sei der Gesetzgeber gefragt.

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