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Hilfe für die Betroffenen im Ahrtal

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Von: Pitt von Bebenburg

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Opferbeauftragter Placzek zieht Bilanz.

Die Verzweiflung war riesig nach der verheerenden Flut im Ahrtal vor einem Jahr, der 134 Menschen zum Opfer fielen. Doch auch die Hilfsbereitschaft war gewaltig, und psychologische Hilfe wurde schnell auf die Beine gestellt. Bis heute wird sie nachgefragt, wie der Opferbeauftragte der Landesregierung, Detlef Placzek, jetzt im rheinland-pfälzischen Flut-Untersuchungsausschuss berichtete. „Die Anrufe werde weniger, aber sie dauern länger“, schilderte er. „Es gibt Gespräche über mehrere Stunden.“ Insgesamt seien mehr als 1300 Hilfesuchende beraten worden.

Fünf Suizide wurden im Zusammenhang mit der Katastrophe offiziell registriert. Placzek berichtete, dass die Beratungshotline seiner Behörde weitere Selbsttötungen habe verhindern können. „Das sind Einzelfälle gewesen, aber die gab es“, sagte er. „Bei jedem Einzelfall, der verhindert wurde, können wir stolz sein.“

In Zusammenarbeit mit der Landespsychotherapeutenkammer war schon wenige Tage nach der Flut eine Hotline geschaltet worden, bei der Menschen sich Hilfe holen konnten, die keinen Therapieplatz gefunden hatten. „Unsere Warteliste ist gottseidank leer. Es gibt niemanden, der noch keinen Thearpieplatz gefunden hat“, stellte Placzek fest.

Ein Ohr für alle Wünsche

Der Opferbeauftragte organisierte auch praktische Hilfe. Seine Leute klopften im Ahrtal an Türen und fragten an, ob Hilfe benötigt werde. In 126 Fällen sei Unterstützung erbeten worden, sagte Placzek. „Alles, was das Leben hergibt, wird an uns herangetragen.“ Das reiche von Bank- und Versicherungsfragen über Fragen der Unterkunft bis zur Bitte um die Einrichtung einer Bushaltestelle.

Über ein Online-Angebot brachte Placzek zudem Bedürftige mit Helfer:innen zusammen. 3164 Hilfsangebote trafen dort ein. Der häufigste Bedarf der knapp 500 Menschen, die Unterstützung suchten, seien Unterkünfte, Hilfe bei Aufräumen und Reparaturen sowie Haushaltsgeräte gewesen.

In der Sitzung wurde jedoch erneut klar, wie wenig Hilfe die örtlichen Verantwortlichen in der Katastrophennacht selbst und in den Tagen danach erhalten hatten. „Wir waren auf uns alleine gestellt“, klagte der Wehrleiter von Sinzig, Andreas Braun. „Auch Tage danach, als die Politik hochgefahren wurde, hätten wir uns Unterstützung gewünscht.“ Gekommen sei sie aber erst viel später. „Sinzig hing irgendwo immer hinten dran“, stellte Braun fest, der spürbar angefasst über die Ereignisse jener Tage berichtete.

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