Nur er ist noch offen: Der Grenzübergang Bab al-Hawa von der syrischen Seite aus gesehen.
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Nur er ist noch offen: Der Grenzübergang Bab al-Hawa von der syrischen Seite aus gesehen.

Syrien

Hilfe durchs Nadelöhr

  • vonBrüggemann
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Nur ein einziger Checkpoint bleibt den Helfern, um dringend benötigte Güter ins Bürgerkriegsland Syrien zu bringen. Und die Corona-Krise macht die Lage noch dramatischer.

Es war ein zähes Ringen, das am Wochenende im UN-Sicherheitsrat zu Ende ging. Jubel war jedoch nicht zu vernehmen, als das Gremium einem deutsch-belgischen Resolutionsvorschlag zustimmte, der den Zugang zu Hilfslieferungen in Syrien regelt. Bis zuletzt hatten die beiden Vetomächte Russland und China immer wieder eine Einigung blockiert. Der Kompromiss sieht nun vor, dass die syrischen Binnenvertriebenen im Nordwesten des Landes nur noch über einen Grenzübergang mit bitter benötigten Hilfslieferungen versorgt werden. Vertreter der UN-Hilfsmissionen sind in Sorge.

„Enttäuschend“ nennt David Swanson, Sprecher vom Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) im Mittleren Osten und Nordafrika, die Reduzierung der Grenzübergänge für Hilfslieferungen von vormals zwei auf einen. Die Hilfsmission sei somit immensen logistischen Herausforderungen ausgesetzt.

Allein in diesem Jahr passierten bereits 80 Prozent aller Konvois diesen einen Übergang. „Die tägliche Zahl der Trucks stieg von 30 pro Tag in 2019 auf bis zu 1182 pro Tag im Juni 2020 an“, sagte Swanson dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Dies bedeutet für den letzten existierenden Übergang in Bab al-Hawa eine noch höhere Belastung – er droht zu verstopfen. Es müssten wieder neue Grenzübergänge für Hilfslieferungen geschaffen werden, fordert Swanson. Dies sei notwendig, um die humanitäre Hilfe für die Region aufrechtzuerhalten.

Moskau setzte sich durch

Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnte die Hilfsmission aufgrund des russisch-chinesischen Vetos ganz beendet werden. Dass sie nun doch in reduziertem Umfang fortgesetzt wird, sorgt bei der UNHCR-Sprecherin für den Mittleren Osten und Nordafrika, Rula Amin, für Erleichterung. „Die Erneuerung der grenzübergreifenden UN-Mission ist ein wichtiger Schritt, um 2,8 Millionen Menschen im Nordwesten Syriens weiterhin mit lebensnotwendiger humanitärer Hilfe zu versorgen“, sagte Amin dem RND. Insgesamt leben 4,1 Millionen Menschen in der noch größtenteils von Regierungsgegnern gehaltenen Region. 2,7 Millionen Menschen davon sind Binnenvertriebene. Rund die Hälfte – hauptsächlich Frauen und Kinder – leben in Zeltlagern oder informellen Siedlungen.

Die Corona-Pandemie vergrößere das Leid der Menschen, betonte Amin. Vor allem in den Camps, wo die nötige Hygiene oft fehle und es kaum möglich sei, Abstand zu halten, sei die Sorge vor der Ausbreitung des Virus groß. Hilfe wird also dringend benötigt, zumal die Corona-Krise auch außerhalb der Zeltlager verheerende Auswirkungen auf die syrische Gesellschaft hat. Das Land ist in eine tiefe Wirtschaftskrise gestürzt, die Preise für Nahrungsmittel sind rasant gestiegen. „Die derzeitige Krise, kombiniert mit der Covid-19-Pandemie, verschärft noch einmal die Schutzbedürfnisse der geflohenen Menschen“, sagte Amin. Es mehrten sich Meldungen von Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Koordiniert wird die Mission im türkischen Gaziantep, das nah an der syrischen Grenze liegt. Über die beiden bisherigen Grenzübergänge Bab al-Hawa sowie Bab al-Salam fahren täglich Lkw-Konvois mit Hilfslieferungen in das Bürgerkriegsland. Beide Checkpoints spielen eine wichtige Rolle, da mit ihnen unterschiedliche Gebiete versorgt wurden. Dabei war es nicht immer möglich, Lieferungen zwischen den beiden Regionen auszutauschen. Der Verlust von Bab al-Salam für weitere Hilfslieferungen übe daher zunehmend Druck auf den verbleibenden Checkpoint aus und erhöhe die Kosten und Risiken für Lieferungen nach Syrien, sagte OCHA-Sprecher David Swanson.

Seit 2014 erlaubt eine Resolution den Vereinten Nationen, Hilfsgüter in die syrischen Regionen zu bringen, die nicht von der Assad-Regierung kontrolliert werden. Vorgesehen waren dafür zuerst vier Grenzübergänge. In diesem Jahr verringerte sich die Zahl diese Checkpoints nach Druck von Russland bereits auf zwei. Am vergangenen Freitag lief die Resolution aus – eine neue Regelung musste her. Diese soll nun für ein Jahr gelten. Das entspricht der Forderung Moskaus – einem der wichtigsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

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