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Mike Mohring (l.) und Bodo Ramelow „hätten sicher eine stabile Regierung hinbekommen“, glaubt Peter.

Thüringen

„Hier herrscht keine Untergangsstimmung“

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Der Thüringer Unternehmer Helmut Peter über die Situation im Land und die Frage, warum er für eine dunkelrot-schwarze Koalition plädiert.

Unternehmer Helmut Peter, nach eigenen Worten „Vollblut-Automobilist“, wählte bei der Landtagswahl in Thüringen im Oktober mit der Erststimme CDU, mit der Zweitstimme die Linke. Zudem ist er mit dem ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten Dieter Althaus befreundet, ebenso wie mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Mike Mohring – und er unterhält gute Kontakte zum aktuellen Regierungschef Bodo Ramelow (Linke). Eine Woche vor dessen geplanter Wiederwahl plädiert er für ein dunkelrot-schwarzes Bündnis.

Herr Peter, wie schätzen Sie die politische Lage in Thüringen ein?

Wir haben eine richtig doofe Situation. Denn wir haben keine klaren Verhältnisse. Aber Österreich hat uns ja gerade vorgemacht, was man tun kann, um Mehrheiten zu finden. Außerdem kann man die Linke in Ostdeutschland nicht vergleichen mit der Linken im Bundesgebiet. Größere Teile von ihnen sind aus meiner unternehmerischen Sicht „Sozis“.

Sie meinen Sozialdemokraten.

Helmut Peter, 62, besitzt 29 Autohäuser in drei Bundesländern mit 800 Mitarbeitern, vor allem in Thüringen. Er ist Vorsitzender einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks

Ja. Und sie sind mit Sicherheit koalitionsfähig. Die Projektregierung, die Dieter Althaus angeregt hat, wäre nach meinem Dafürhalten deshalb die vernünftigste Lösung gewesen. Da nun aber eine Minderheitsregierung kommen soll, wird der CDU nichts anderes übrig bleiben, als bestimmte Projekte zu unterstützen. Wenn man wie die FDP gegen alles ist, dann kann man ja nichts verändern. Nur wer regiert, kann verändern. Was hat die FDP in Berlin denn erreicht, außer zu sagen: „Die Kanzlerin muss weg“? Nur laue Luft. Ich bin im Übrigen relativ nah an Mike, also Mike Mohring, und Bodo Ramelow. Die beiden hätten sicher eine stabile Regierung hinbekommen. Allerdings ist die CDU gespalten. Der eine Teil will mit der AfD zusammenarbeiten, der andere Teil mit der Linken.

Stehen Sie als Unternehmer der CDU nahe?

Ich stand der CDU schon immer nahe. Ich heiße ja nicht umsonst „der schwarze Peter“. Als Bodo Ramelow 2014 zum ersten Mal gewählt wurde, habe ich gedacht, die Welt geht unter. Jetzt habe ich ihn vier Jahre lang erlebt und erst gestern Abend in einer Runde mit Mike Mohring gesagt: „Lieber Mike, sag mir doch mal, was die Regierung eigentlich falsch gemacht hat?“ Sie können ja keine Lehrer, Polizisten und Monteure herzaubern.

Sie wollen sagen, die wirklich schwerwiegenden Probleme könnten weder Ramelow noch Mohring aus dem Stand lösen.

Zur Person

Helmut Peter, 62, besitzt 29 Autohäuser in drei Bundesländern mit 800 Mitarbeitern, vor allem in Thüringen. Er ist Vorsitzender einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks

So ist es. Wenn jetzt Unternehmen sagen, sie könnten nicht mehr in Thüringen investieren, dann ist das einfach Schwachsinn. Abgesehen davon würde man bei Neuwahlen bloß Rechtsaußen stärken. Und mit dem Höcke ist es wie mit einem linken Chaoten. Diese Leute nutzen nur die Fehler anderer Leute aus.

Rechnen Sie damit, dass Herr Ramelow am nächsten Mittwoch gewählt wird?

Das hat die AfD in der Hand. Wenn sie einen eigenen Kandidaten aufstellt, dann ist er durch. Wenn nicht, und Ramelow nicht gewählt würde, dann würde das bedeuten: neues Spiel, neues Glück. Dann könnte die Linke mit der CDU Koalitionsgespräche führen. In dem Moment wäre wieder eine schwarz-rote Regierung im Spiel.

Und das hoffen Sie?

Ich hoffe auf die Vernunft der Menschen – auch dann, wenn es eine Minderheitsregierung gibt. Die müsste sich jeweils Mehrheiten suchen. Ich bin im Übrigen mittlerweile 62 Jahre alt und war 32, als die Grenze aufging. Wen interessiert heute noch, ob die DDR Unrecht hatte oder nicht? Finanziell hängt da nüscht dran, allenfalls moralisch.

Das heißt unterm Strich: Ihnen ist um Thüringen nicht bange.

Niemals. Hier herrscht keine Untergangsstimmung, definitiv nicht.

Interview: Markus Decker

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