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Ausgebrannt: Polizistin in den Resten von Neufahrzeugen eines Autohändlers in Johannesburg.
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Ausgebrannt: Polizistin in den Resten von Neufahrzeugen eines Autohändlers in Johannesburg.

Südafrika

„Hier geht es zu wie im Krieg“

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Nach dem Haftantritt von Ex-Präsident Jacob Zuma werden Fahrzeuge angezündet und Geschäfte geplündert.

Szenen wie aus dem Bürgerkrieg. Auf der Autobahn zwischen Durban und Johannesburg zündet der Mob Lastwagen an – anderntags stehen die ausgebrannten Metallskelette wie nach einem Bombenangriff auf der Fahrbahn. Durch Johannesburgs Innenstadt ziehen Hunderte wütender Männer: Sie werfen Steine auf Polizisten, plündern Geschäfte und geben gelegentlich Schüsse ab. In eine Klinik im Johannesburger Stadtteil Hillbrow wird ein sechs Monate altes Kind mit einem Kopfschuss eingeliefert, ein Mann stirbt an den Folgen mehrerer Messerstiche, zwischen den Patienten brechen Schlägereien aus. „Es ist ein Alptraum“, sagt der Arzt Suhayi Essa zu einem Reporter von News24: „Hier geht es wie im Krieg zu.“

Auch am fünften Tag nach der Verhaftung Jacob Zumas dauern in mehreren südafrikanischen Städten schwere Unruhen an: Erstmals sandte die Regierung am Montagmittag auch die Armee in die Zentren der Gewalt.

Bewaffnete Wanderarbeiter

Die Welle der Ausschreitungen wird mit der Festnahme des ehemaligen Präsidenten in Verbindung gebracht, der sich am Donnerstag freiwillig zum Antritt seiner 15-monatigen Haftstrafe in einer Polizeistation eingefunden hatte. Am Freitagabend brachen in der Provinz KwaZulu/Natal, aus der der 79-jährige Zuma stammt, die ersten Unruhen aus: Sie griffen am Wochenende auch auf Johannesburg über. Dort standen die sogenannten „Hostels“ im Mittelpunkt der Gewalt: Wohnheime für Wanderarbeiter aus der KwaZulu/Natal-Provinz, von denen schon seit Jahrzehnten regelmäßig Gewalt ausgeht. Die Polizei wagt sich höchstens mit Unterstützung der Armee in die Hostels, deren Bewohner teilweise auch mit automatischen Gewehren bewaffnet sind. Auch bei den Straßenschlachten im alten Geschäftszentrums von Johannesburg sahen sich die Ordnungshüter am Wochenende immer wieder zum Rückzug gezwungen.

Sowohl in Kwa-Zulu/Natal wie in Johannesburg sollen bislang mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen sein. Die Polizei verhaftete nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 100 Personen. Der Sachschaden soll sich auf Hunderte Millionen von Rand, (zig Millionen Euro), belaufen.

Staatspräsident Cyril Ramaphosa forderte am Sonntagabend in einer Fernsehansprache ein sofortiges Ende der Gewalt : „Einige von euch mögen wütend oder gekränkt sein“, sagte der Regierungschef unter Anspielung an Zumas Verhaftung: „Sie rechtfertigt jedoch unter keinen Umständen derartig brutale und destruktive Gewaltaktionen.“

Anhänger des Ex-Präsidenten hatten vor dessen Verhaftung immer wieder mit einem Aufstand der Bevölkerung gedroht. Als Zuma in der Nacht zum Donnerstag freiwillig seine Haft antrat, kam es allerdings zu keinen Protesten seiner Anhänger. Die Unruhen, die einen Tag später in der KwaZulu/Natal-Provinz begannen, seien mit Zumas Verhaftung nur bedingt in Zusammenhang zu bringen, heißt es in der südafrikanischen Presse.

Sowohl auf den Autobahnen der KwaZulu/Natal-Provinz wie in der Umgebung der Hostels in Johannesburg war es in der Vergangenheit bereits öfters zu gewalttätigen Ausschreitungen vor allem gegenüber Ausländern gekommen. Dabei wurden regelmäßig Geschäfte geplündert und von ausländischen Fahrern chauffierte Lastwagen angezündet. Zumas Haftantritt habe den plündernden Hooligans nur als Vorwand gedient, heißt es in Johannesburg.

Letzte Sympathie verspielt

Ernsthafte Auswirkungen auf die südafrikanische Politik werden von der Gewaltwelle nicht erwartet. Die chaotischen Ausschreitungen wirkten sich auf den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) eher vereinigend aus, meinen Fachleute: Die gesamten ANC-Politiker:innen sei sich darin einig, dass den Unruhen nur mit staatlicher Gewalt begegnet werden kann.

Innerhalb der Regierungspartei habe Zuma nun auch noch den letzten Rest seiner Sympathien verspielt. Ob das Militär bei der Bekämpfung der Unruhen erfolgreicher als die Polizei vorgeht, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. Auch das Urteil des Verfassungsgerichts über einen Antrag Zumas zur Überprüfung seiner Haftstrafe war frühestens für den Montagabend erwartet worden.

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