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El Paso am Mittwoch: Die Lebenden erinnern sich der Toten.

USA

Hetzer unerwünscht

US-Präsident Trump besucht die Anschlagsorte Dayton in Ohio und El Paso in Texas.

Gewalttätige Ideologien“ geraten zunehmend in den Fokus der US-amerikanischen Bundespolizei. Am Dienstag (Ortszeit) verlautbarte der zuständige FBI-Agent Todd Wickerham, dass der Todesschütze von Dayton im US-Bundesstaat Ohio an solchen Fantasiekonstrukten von Ressentiments und Hass „interessiert“ gewesen sei.

Der 24-Jährige hatte am Wochenende innerhalb von 30 Sekunden neun Menschen erschossen, bevor er dann selbst von der Polizei gestellt und getötet wurde. Unter den Opfern waren sechs Afroamerikaner. Und die Schwester des Schützen. Ob er aus primär rassistischen Motiven gehandelt hat, ist noch nicht klar, aber er soll sich sehr wohl frauenverachtend verhalten haben.

Nicht unähnlich stellt sich der Hintergrund der Bluttat in der nordkalifornischen Kleinstadt Gilroy vor anderthalb Wochen dar: Der 19 Jahre alte Angreifer, der mit einem Sturmgewehr drei Menschen tötete, darunter einen sechsjährigen Jungen und ein 13-jähriges Mädchen, und mehr als ein Dutzend Menschen verletzte, war laut FBI-Sonderermittler John Bennett im Besitz einer „Ziel-Liste“ von religiösen Einrichtungen, politischen Gruppen und Regierungs- wie Gerichtsgebäuden. Vor seiner Tat soll der Mann im Internet ein Buch über die angebliche Überlegenheit der „weißen Rasse“ zitiert haben und mehreren eigentlich miteinander konkurrierenden Gewaltideologien gefolgt sein. Warum er das Knoblauch-Festival in Gilroy, rund 120 Kilometer südlich von San Francisco, als Ziel wählte, wird das Geheimnis des 19-Jährigen bleiben. Als die Polizei ihn stellte, erschoss er sich selbst.

Der bekannteste US-Amerikaner, dessen leichtfertige Reden und Twitter-Kurzbotschaften für die zunehmende Verrohung des Landes in den vergangenen zwei Jahren, für die Zunahme von rechter Gewalt, Hetze und Hassreden verantwortlich gemacht wird, sagte sich für Mittwoch am Tatort Dayton und am Tatort El Paso in Texas an – wo 13 Stunden vor Ohio ein weißer Rassist 22 Menschen erschoss.

Präsident Donald Trump wollte nebst Gattin Melania dem Ritual des durch seine Anwesenheit Mitgefühl ausdrückenden Staatslenkers Folge leisten. An beiden Orten schlugen Trump schon vor seiner Ankunft Widerwillen und Kritik entgegen. Von Anwohnern, Hinterbliebenen, von Unbeteiligten, von Politikern, von Demokraten wie von Republikanern. El Pasos demokratische Kongressabgeordnete Veronica Escobar warf Trump direkt vor, eine Mitschuld an dem Angriff in der texanischen Stadt zu tragen. Er solle daran denken, „dass seine Worte und Taten Anteil hieran hatten“. „Aus meiner Sicht ist er hier nicht willkommen“, sagte sie dem Sender MSNBC. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Beto O’Rourke schrieb auf Twitter, der Präsident habe dabei geholfen, „den Hass, der die Tragödie vom Samstag möglich gemacht hat, zu schaffen“. „Wir brauchen nicht noch mehr Spaltung“, schrieb O’Rourke, der im mehrheitlich von Latinos bewohnten El Paso aufwuchs. „Unsere Wunden müssen heilen. Er hat hier nichts zu suchen.“

Der Ortsvorsitzende der republikanischen Partei, Adolpho Telles, verteidigte den Besuch des Präsidenten in der Stadt, sagte dem Sender CNN allerdings, Trump müsse mit seiner Wortwahl vorsichtiger sein.

Die Bürgermeister beider Städte machten Vorbehalte gegen den Besuch des Präsidenten deutlich. El Pasos Bürgermeister Dee Margo hob hervor, dass er den Präsidenten empfange, weil es seine Pflicht sei.

Die Bürgermeisterin von Dayton, Nan Whaley, bestätigte, sie werde den Präsidenten treffen und ihm sagen, „wie wenig hilfreich er ist“. (rut mit afp/dpa)

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