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Hessischer Schüler steckt hinter Datendiebstahl

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Ein 20-Jähriger aus Mittelhessen hat wohl illegal Daten von Politikern und Prominenten verbreitet. Wer ist der Mann, und was sind seine Motive?

Ein 20-jähriger Mann aus Mittelhessen hat die Republik mit dem Verbreiten von gestohlenen Daten tagelang auf Trab gehalten, bis er am Sonntagabend festgenommen wurde. Einen Tag später wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Das haben die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt (BKA) am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im BKA in Wiesbaden mitgeteilt. Seit vorigem Freitag hatte die Öffentlichkeit gerätselt, wer hinter dem Datendiebstahl stecken könnte, der nach offiziellen Angaben rund 1000 Politiker, Youtube-Stars, Journalisten und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens betroffen hatte.

Nun zeigt sich: Es war ein junger Mann, der noch bei seinen Eltern wohnt und zur Schule geht oder zumindest, wie Staatsanwaltschaftssprecher Georg Ungefuk sich ausdrückte, „noch im Schulverhältnis steht“.

Der 20-Jährige habe sich über öffentliche Äußerungen der ausgespähten Personen geärgert, berichtete Ungefuk, der für die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zuständig ist. Diese Verärgerung habe er als Motiv dafür angegeben, über einen längeren Zeitraum Daten gesammelt und sie im Dezember dann in Form eines Twitter-Adventskalenders veröffentlicht zu haben. Es lägen „keine objektiven Hinweise für eine politische Motivation“ vor, sagte Ungefuk. Hinweise auf ein Netzwerk von Tätern habe man nicht gefunden. Ermittler hatten nach eigenen Angaben auch in Heilbronn und Berlin Wohnungen durchsucht.

Gegen den jungen Deutschen werde wegen der „Ausspähung und der unberechtigten Veröffentlichung von personenbezogenen Daten“ ermittelt. Auf diese beiden Taten stünden jeweils Höchststrafen von drei Jahren für Erwachsene – bei einem jungen Menschen, der eventuell nach Jugendstrafrecht beurteilt wird, könnten sie weit geringer ausfallen.

Der 20-Jährige kam nach Ungefuks Angaben wieder frei, nachdem er die Taten gestanden und den Ermittlern weitere Auskünfte gegeben habe. So habe er sie auf einen Datenträger hingewiesen, den er zerstört hatte und dessen Überreste hätten gesichert werden können. Zudem habe der Mann „über eigene Straftaten hinaus Aufklärungshilfe geleistet“, erläuterte der Sprecher. Mangels Haftgründen sei der junge Hacker am Montagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Untersuchungshaft kann nur verhängt werden, wenn das notwendig erscheint, um das Verfahren zu sichern, oder wenn der Verdacht besteht, dass der Beschuldigte untertauchen könnte. Beides sei nicht der Fall.

Wie die Eltern reagiert haben, wollten die Ermittler nicht sagen. Der junge Mann habe jedoch eine „klare Reuereaktion“ gezeigt, schilderte Ungefuk. Man könne davon ausgehen, dass „massive Ermittlungsmaßnahmen durchaus einen gewissen Eindruck bei jungen Leuten hinterlassen“.

Datenklau erst seit Kurzem bekannt

Das BKA hatte wie die Öffentlichkeit erst in der Nacht zum Freitag von dem Datenleak erfahren, wie dessen Abteilungsleiterin Sabine Vogt berichten musste – obwohl der Täter die Telefon- und Mailadressenlisten, Kontodaten, Chatprotokolle, Fotos und andere persönliche Daten seit dem 1. Dezember über Twitter verbreitet hatte.

„Wir als Polizei überwachen nicht anlasslos die Kommunikation im Internet“, sagte Vogt zur Begründung für den späten Zeitpunkt. Man werde erst bei konkreten Hinweisen tätig. Dann wurde die BKA-Frau noch gefragt, ob der mittelhessische Hacker nicht genau ein solch technisch versierter Mitarbeiter sei, wie ihn die Polizei für ihre Ermittlungen gebrauchen könne. Da musste Vogt schmunzeln, sagte aber nicht rundheraus Nein. „Wenn er auf der Seite des Gesetzes steht“ und die entsprechenden Fähigkeiten mitbringe, könne die Polizei junge Leute wie ihn durchaus gebrauchen. „Wobei wir gerne Leute mit einer Ausbildung haben“, fügte sie schnell hinzu.

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