Schulen in der Corona-Krise

Grundschulen in Hessen öffnen noch vor den Sommerferien

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Die hessischen Grundschüler sollen wieder in die Klassen zurückkehren. Ist den Eltern das Risiko zu groß, dürfen sie ihre Kinder aber auch zu Hause lassen.

  • Grundschulen in Hessen sollen noch vor den Sommerferien öffnen
  • Eine Besuchspflicht gibt es für diese Zeit nicht, die Schulpflicht besteht aber nach wie vor
  • Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft kritisiert die Entscheidung über Schulöffnung

Ab 22. Juni, zwei Wochen vor Beginn der Sommerferien, sollen wieder alle Grundschüler in die Schule gehen. Und zwar alle auf einmal und das von montags bis freitags. Das Abstandsgebot entfällt, sonst würden auch keine ganzen Klassen in die Unterrichtsräume passen. Auch Masken müssen keine getragen werden. Es soll ein weitgehend normalerSchulbetrieb sein, allerdings gelten weiterhin Hygieneregeln wie Händewaschen. Zudem sollen die jeweiligen Klassen unter sich bleiben, damit sich eine mögliche Infektion nicht in der ganzen Schule ausbreiten kann.

Schulen in Hessen: Nach Sommerferien Präsenzunterricht für alle

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte, dieser Schritt sei zwingend nötig, um die Familien zu entlasten und das Recht der Kinder auf Bildung einzulösen.

Die Besuchspflicht entfällt. Eltern, die ihre Kinder aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus* nicht in die Schule schicken wollen, müssen dies nicht tun. Die Schulpflicht allerdings gilt weiterhin, die Kinder müssen also auf jeden Fall unterrichtet werden.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte, Ziel sei so viel Präsenzunterricht für alle wie möglich. Deshalb solle nach den Sommerferien der Regelbetrieb auf alle Jahrgänge und alle Schulformen ausgedehnt werden, wenn die Infektionslage dies zulasse.

Meinungen der Eltern über Schulöffnung in Hessen gehen auseinander

Unterstützung für den testweisen Regelbetrieb vor den Sommerferien erhält Lorz von Elternseite. „Wir finden die Idee gut“, sagt Reiner Pilz, der stellvertretende Vorsitzende des Elternbunds Hessen. Es gebe zwar ein gewisses Risiko, der Versuch aber sei es wert. Eine massive Fortsetzung des Homeschoolings würde zulasten der Eltern und der Kinder gehen.

Landeselternbeiratsvorsitzender Korhan Ekinci sieht eine tiefe Spaltung bei den Eltern. Die einen freuten sich, dass es endlich wieder richtig Schule gebe, die anderen fürchteten eine Infektionswelle.

Massive Kritik äußerte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW. Landesvorsitzende Birgit Koch lehnt die Rückkehr zum Regelbetrieb vor den Sommerferien ab. „Wir sehen keine Möglichkeit, wie der Gesundheitsschutz gewährleistet werden soll, wenn mehr als 25 Kinder ohne Abstand in schlecht gelüfteten Räumen unterrichtet werden sollen“, sagte sie.

Hessen: DGB fordert trotz Schulöffnung die Einhaltung der Hygienestandards

Auch der DGB Hessen-Thüringen lehnt das Aufgeben der Abstandsregeln ab. Die Schulen dürften auf keinen Fall unter Verzicht auf Arbeitsschutz und Hygienestandards geöffnet werden, forderte der stellvertretende Vorsitzende Sandro Witt.

Vertreter der kommunalen Spitzenverbände begrüßten die Lockerungen. Der Präsident des Hessischen Landkreistags, Bernd Woide (CDU), sagte, die Maßnahmen seien „richtig und angemessen“. Schulen hätten neben dem Bildungsauftrag auch eine soziale Funktion. Der Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, Thomas Stöhr, betonte, viele Eltern seien nun erleichtert, dass mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen ein weiterer Schritt gegangen werde. 

Von Peter Hanack

Nach den Corona-Lockerungen in Hessen folgt jetzt wieder ein Verbot angesichts des Coronavirus. In Hessen wurde ein Beherbergungsverbot für folgende Risikogebiete und -regionen getroffen.

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Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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