Schule

In Hessen wollen alle lange Sommerferien

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Udo Beckmanns Vorschlag zur Verkürzung der Sommerferien findet keine Unterstützer. Doch es gibt die Furcht vor sozialer Spaltung.

Der Vorschlag von Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), angesichts der geschlossenen Schulen die Sommerferien zu verkürzen, um Unterrichtsstoff nachholen zu können, stößt in Hessen auf ein verhaltenes Echo.

„Eine Verkürzung der Sommerferien ist für uns bislang keine Option“, heißt es beim Hessischen Philologenverband, in dem die Gymnasiallehrkräfte organisiert sind. Und auch Birgit Koch, stellvertretende Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagt: „Die Lehrer und Schüler brauchen alle ihren Erholungsurlaub, sie brauchen eine Auszeit.“

Beckmann hatte am Mittwoch im Interview mit der Frankfurter Rundschau angeregt, die Sommerferien teilweise dazu zu nutzen, die Nachteile auszugleichen, die Schülerinnen und Schülern durch die Schließung der Schulen entstehen. Er hatte darauf hingewiesen, dass der Unterricht zu Hause unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen vonstatten gehe und gemahnt, ohnehin benachteiligte Gruppen wie Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf oder von Armut bedrohte Familien könnten abgehängt werden.

„Prüfungen anpassen“

Für Korhan Ekinci, Vorsitzender des Landeselternbeirats, ist Beckmanns Vorschlag zumindest „eine sehr interessante Idee“. Man müsse über alle Möglichkeiten nachdenken, zumal Eltern kaum in der Lage seien, zu Hause Unterricht zu ersetzen. Gleichzeitig erinnert er daran, dass Eltern und Kinder echte Ferien ohne Leistungsdruck ebenfalls „bitter brauchen könnten“. Zudem könne es schwierig werde, von gebuchten Urlauben zurückzutreten, wenn bis dahin die Reisebeschränkungen wieder aufgehoben sein sollte.

Auch GEW-Frau Koch geht davon aus, dass der Stoff zu Hause längst nicht so gut bearbeitet werden kann wie im gemeinsamen Unterricht. Zumindest müssten deshalb auch die Prüfungsanforderungen, etwa für die Haupt- und Realschule oder die Fachoberschule, angepasst werden. Der Vorschlag, zum Ausgleichen des Versäumten die Sommerferien zu nutzen, werde innerhalb der Gewerkschaft kontrovers diskutiert. Einige Lehrkräfte hätten bereits gesagt, dass sie das machen wollten, berichtet Koch.

Aus dem hessischen Kultusministerium heißt es: „Eine Verkürzung der Sommerferien ist aktuell für uns kein Thema.“ Grundsätzlich sei aber festgelegt, dass das Schuljahr 2019/2020 zählen wird und auf keinen Fall wiederholt werden soll.

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