Kriminalität

Hessen: Weniger Straftaten in Corona-Zeiten

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In der Corona-Pandemie nimmt die Kriminalität in Hessen ab. Ein Grund dafür ist, dass mehr Menschen zu Hause bleiben – das schreckt offenbar Einbrecher ab.

Das hessische Innenministerium verzeichnet in Zeiten der Corona-Pandemie einen erheblichen Rückgang der Kriminalität in etlichen Bereichen. „Die Zahl der polizeilichen Einsatzanlässe hat sich in dieser Zeit verringert“, berichtet Michael Schaich, der Sprecher von Innenminister Peter Beuth (CDU), auf Anfrage der FR. „Die Anzahl von Strafanzeigen, Verkehrsunfällen, Einbruchsdiebstählen und weiterer gemeldeter Straftaten sind seit Inkrafttreten der hessischen Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus stark zurückgegangen.“

Zum Beispiel die Wohnungseinbrüche. Das Innenministerium äußert eine Vermutung, woran das liegen könnte: Die Bewohnerinnen und Bewohner seien einfach häufiger daheim wegen der Kontaktbeschränkungen oder weil sie im Homeoffice arbeiteten. Das scheint Einbrecher abzuschrecken.

Vermutlich steuert Hessen damit auf einen Niedrigststand für die Einbrüche zu. Für 2019 hatte Minister Beuth berichtet, dass Einbrecher rund 6800-mal versucht hätten, in eine Wohnung einzudringen und 3700-mal hineingekommen seien. Das sei bereits die niedrigste Zahl seit 50 Jahren, als die Statistiken eingeführt wurden. Nun könnte sie noch weiter sinken.

Zugleich beobachtet die Polizei auch neue Straftaten, die mit Corona zusammenhängen. So warnt sie erneut vor der Betrugsmasche, bei der Kriminelle sich als nahe Verwandte ausgeben und versuchen, unter Hinweis auf einen coronabedingten Notfall Geld zu ergaunern.

Zu den zusätzlichen Aufgaben der Polizei gehört die Kontrolle der Kontaktbeschränkungen. Die Beamten greifen ein, wenn Menschen sich in Gruppen zusammenfinden und sich weigern, den vorgeschriebenen Zwei-Meter-Abstand einzuhalten. Wenn sie der Aufforderung der Polizisten nicht nachkommen, sich nach den Regeln zu richten, kann ihnen ein Bußgeld aufgebrummt werden. Im Durchschnitt registrierte die hessische Polizei nach Angaben des Innenministeriums pro Tag rund 200 Verstöße mit anschließendem Bußgeld. Am Osterwochenende hatte die Zahl bei etwa 300 pro Tag gelegen, doch an diesen Tagen war laut Ministerium auch besonders intensiv kontrolliert worden. In den vergangenen vier Wochen seien 36 Personen in Gewahrsam genommen worden, weil sie Widerstand gegen die polizeilichen Anordnungen geleistet hätten.

Polizistinnen und Polizisten kommen um Kontakt zu Menschen nicht herum und so könnten sie besonders gefährdet sein, sich anzustecken. Doch hier gibt es gute Nachrichten aus dem Innenministerium: Es haben sich nur wenige Beamte infiziert.

„Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Polizeibeschäftigten liegt zurzeit im einstelligen Bereich“, teilt Sprecher Schaich mit. Die Krankheit verlaufe bei den betroffenen Kolleginnen und Kollegen „bisher milde“. Auch die Zahl der Polizisten, die sich zum Beispiel wegen des Kontakts zu Infizierten in Quarantäne befinden, hält sich in Grenzen. Sie liege „derzeit im mittleren zweistelligen Bereich“, heißt es.

Auf weitere „temporäre Personalausfälle“ wäre die Polizei vorbereitet. Dabei helfe der Ausfall von Sportveranstaltungen, Versammlungen und Kultur-events. Dadurch würden bei den Ordnungshütern zusätzliche Kapazitäten frei.

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