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Auch in Hessen werden US-Truppen von der Nato nach Polen und ins Baltikum verlegt. Es ist das größte Manöver seit dem Kalten Krieg. (Symbolbild)

„Defender 2020“

US-Militär durchquert Hessen: Größtes Nato-Manöver seit dem Kalten Krieg

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Auch in Hessen werden US-Truppen von der Nato nach Polen und ins Baltikum verlegt. Es ist das größte Manöver seit dem Kalten Krieg.

  • Größtes Nato-Manöver seit dem Kalten Krieg durchquert Hessen
  • An Defender 2020 nehmen 37.000 Soldaten teil
  • Kommen an Frankfurt, Herborn und Gießen vorbei

Auf Deutschland kommt in diesem Jahr das größte Nato-Manöver seit Ende des Kalten Krieges zu. Hessen spielt dabei eine zentrale Rolle. Beim Verlegen der Einheiten würden sämtliche Aktivitäten „federführend vom europäischen Hauptquartier der US-Streitkräfte in Wiesbaden übernommen“, schreibt Staatskanzlei-Chef Axel Wintermeyer (CDU) in seiner Antwort auf Fragen des Linken-Abgeordneten Jan Schalauske.

Bei dem Manöver „Defender 2020“ übt die Nato die Verlagerung von US-Soldaten und Truppen aus anderen Nato-Staaten nach Polen und ins Baltikum. Dabei durchqueren sie Deutschland. Etwa 37 000 Soldaten sollen beteiligt sein. „Die Hauptverlegezeiten der US-Verbände reichen dabei von Februar bis in den Mai 2020“, erläutert Wintermeyer.

Hessen: US-Kolonnen rollen über die Autobahnen

In Hessen werden wie in ganz Deutschland Transportkolonnen auf Autobahnen rollen und lange Güterzüge die Bahnhöfe durchqueren. Das soll in der Regel nachts geschehen und nicht an den Ostertagen. Etliche Teile Hessens können davon betroffen sein, wie der Staatsminister aufzählt. So sollten der Flughafen Frankfurt und der US-Airport in Wiesbaden-Erbenheim „für die Verlegung von Truppenteilen per Lufttransport“ genutzt werden. Die geplanten Transportrouten führten durch die „Großräume Kassel, Gießen, Frankfurt, Wiesbaden sowie Bad Hersfeld und Darmstadt“.

Am stärksten würden voraussichtlich Gemeinden „mit direktem Bezug zu den Marschrouten“ betroffen sein. Hierzu zählen nach Wintermeyers Angaben die Landkreise Marburg-Biedenkopf, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg im Norden des Landes sowie der Landkreis Bergstraße im Süden. Als „Rasträume für die militärischen Transporte“ sind demnach der Bundeswehrstandort Fritzlar sowie „alle US-Liegenschaften in Deutschland“ vorgesehen, darunter Erbenheim.

Hessen: US-Bekenntnis zur Sicherheit in Europa

Wintermeyer sieht in dem Manöver „ein deutliches Bekenntnis“ der USA zur Sicherheit in Europa. Gleichzeitig zeige die Übung, „dass europäische Partner gemeinsame Vorhaben mit US-Streitkräften verlässlich unterstützen und umsetzen“. Hier wählt der Vertreter der Landesregierung dieselben Worte wie die Bundeswehr. Linken-Politiker Schalauske bewertet die Übung vielmehr als „Säbelrasseln“. Er bezweifelt, dass sie zu mehr Sicherheit beitrage. „Im Gegenteil ist eher zu befürchten, dass durch solche Manöver die Kriegsgefahr in Europa wachsen könnte.“

Hessen: Nato-Manöver "eine Kriegsvorbereitungsstrategie"

Noch drastischer drückt sich die Friedensbewegung aus. „Wir halten das für eine Kriegsvorbereitungsstrategie“, sagt Willi van Ooyen von der Ostermarschbewegung, der früher für die Linke im Landtag saß. „Ausgerechnet im Zusammenhang mit dem 8. Mai, dem 75. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg, soll in Osteuropa vor der russischen Westgrenze das aufwendigste Nato-Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges stattfinden“, heißt es in einem Text der Friedensbewegung, den van Ooyen initiiert hat. 

Mit der „Wiederbelebung der Feindbilder“ müsse Schluss sein. Die Friedensbewegung plant Proteste. So erwägt sie bereits Anfang Februar eine Mahnwache am US-Headquarter in Wiesbaden-Erbenheim, um „an der zentralen Leitstelle unseren Protest der weiteren Kriegsvorbereitungen deutlich zu machen“, wie van Ooyen formuliert.

Nato-Manöver "Defender 2020": Das sind die Routen durch Hessen

Am 20. Januar 2020 soll die Verlegung von Truppen durch Deutschland beim Nato-Manöver „Defender 2020“ beginnen. An der Großübung sollen sich rund 37.000 Soldaten aus 17 Nato-Ländern beteiligen.

Hauptrouten durch Deutschland sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, „geplant auf west-östlicher Achse über Düsseldorf – Hannover – Magdeburg – Frankfurt/Oder im Norden sowie über Düsseldorf – Mannheim – Nürnberg – Dresden – Görlitz im Süden“. Weiter heißt es: „Die Transportroute Nord – Süd ist von Bremerhaven – Hannover – Frankfurt – Mannheim geplant.“ 


Der Neubau von Wohnungen in Wiesbaden sorgt für Diskussionen. US-Streitkräfte sollen ihre Flugrouten verlegen. 

Übrigens: Von 2012 bis 2019 erhielten die US-Truppen* in Deutschland 480 Millionen Euro von der Bundesregierung.


*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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