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In der hessischen Politik tief verwurzelt: Thomas Schäfer, hessischer Finanzminister und möglicher Ministerpräsidenten-Kandidat.

Hessischer Landtag

Thomas Schäfer - künftiger Ministerpräsident von Hessen?

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Volker Bouffier wird bei der Landtagswahl 2023 wohl nicht mehr kandidieren.  Als Nachfolger steht Finanzminister Thomas Schäfer bereit.

Mit einem Lausbubenlächeln dreht Thomas Schäfer eine fast geräuschlose Runde mit dem elektrisch angetriebenen gelben Bagger. Auf dem weitläufigen Gelände des Berufsbildungswerks in Karben in der Wetterau erfüllt sich für den hessischen Finanzminister ein „Kleiner-Kinder-Traum“, wie er schmunzelnd in die Kamera erzählt.

Schnell geht es allerdings nicht voran im Bagger. „Die Geschwindigkeit haben wir eingestellt auf langsam“, hat ihm Andreas de Vries, Haustechniker und Betriebsratsvorsitzender, vor der Proberunde erläutert. „Auf Schnecke.“ 

Das könnte dem CDU-Politiker irgendwie bekannt vorkommen. Denn auch seine Karriere verläuft in den vergangenen Jahren ein bisschen „auf Schnecke“.

Thomas Schäfer: Kandidat mit langem Atem

Vor sieben Jahren bereits machte sich die Tageszeitung „Die Welt“ Gedanken darüber, welche Politiker wohl im Jahr 2013 „den Durchbruch schaffen“ und bundesweite Bekanntheit erlangen könnten. Einer der hoffnungsvollen Kandidaten hieß Thomas Schäfer, der schon damals als möglicher Nachfolger von Volker Bouffier genannt wurde. Doch nach der Landtagswahl 2013 gab es keinen Karrieresprung für Schäfer und 2018 auch nicht.

Sieben Jahre später hat Schäfer immer noch die gleiche Rolle inne wie schon seit 2010. Der 53-jährige Bankkaufmann und promovierte Jurist ist zwar mit 1,97 Metern der Größte im Landeskabinett. Aber bundesweit ist der Finanzminister nur Kennern bekannt, dafür in der hessischen CDU tief verwurzelt – und nach wie vor der wahrscheinlichste Nachfolger von Volker Bouffier. Ein konservativer Pragmatiker, der einst von Justizminister Christean Wagner (CDU) als Büroleiter nach Wiesbaden geholt wurde.

Wann der 67-jährige Bouffier seinen Abschied nimmt, weiß niemand außer dem Landesvater selbst. Aber mit einer erneuten Kandidatur von Ministerpräsident Volker Bouffier bei der Landtagswahl 2023 rechnet niemand – spätestens seit er vor vier Wochen selbst die Spekulationen angefacht hat, dasser das Amt frühzeitig übergeben könnte.

Duell Thomas Schäfer gegen Nancy Faeser?

Thomas Schäfer sagt dazu nichts. Er redet gerne über die möglichen Folgen eines Brexits und über die 30 Kilogramm, die er abgenommen hat (jetzt wiegt er noch 110 Kilo), über eine frühere Knieverletzung im Handballtor und den von ihm sehr geschätzten Fast-CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz, über die Probleme bei der Altersvorsorge in Deutschland und seinen „Hang zum Grundoptimismus“. Schäfer spricht über alle möglichen politischen und privaten Einstellungen – nur den Fragen zu seinen politischen Ambitionen in Hessen weicht er mit einer neckischen Bemerkung und einem charmanten Lachen aus.

Kein Wunder. Der Mann, den die SPD zum „Prinz Charles der hessischen Politik“ erklärt hat, ist ein Profi. Nichts wäre seiner Karriere abträglicher als der Ruf eines Dränglers. Trotzdem: In vier Jahren dürfte das Kandidatenduell nicht mehr Volker Bouffier gegen Thorsten Schäfer-Gümbel heißen wie im vorigen Jahr, sondern Thomas Schäfer gegen Nancy Faeser. Damit Schäfer an Bekanntheit zulegen kann, dürfte er schon im Laufe dieser Legislaturperiode in die Staatskanzlei einziehen. Die kennt der Minister, denn dort hat er bereits gearbeitet – als Büroleiter des ehemaligen Ministerpräsidenten Roland Koch.

Der Kandidaten-Kandidat aus der Kleinstadt Biedenkopf bei Marburg weiß natürlich, dass das Interesse vieler Journalisten an seiner Person mit seiner Zukunft zu tun hat. Doch bei den Terminen auf seiner Bustour drehen sich die Gespräche um andere Fragen.

Thomas Schäfer widmet sich Sachfragen

Bei den Hessischen Staatsweingütern im Rheingau-Kloster Eberbach preist der Minister, dass die Winzer die Weinberge in Steillagen erhalten und damit das Landschaftsbild im Rheintal. Im Berufsbildungswerk fährt er nicht nur Bagger, sondern spricht mit benachteiligten Jugendlichen, die sich zu Fachlageristen ausbilden lassen. Und im Frankfurter Main-Tower unterhält er sich mit Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud über eine Finanztransaktionssteuer, die beide entschieden ablehnen.

Hessische Städte sind sauer auf Hessens Finanzminister: Bürgermeister beklagen einen „ständigen Wegnahmeprozess“. Minister Schäfer hat eine Antwort parat

All das gehört zu den Zuständigkeiten eines hessischen Finanzministers, denn an allen drei Gesellschaften ist das Land beteiligt. Schäfer ist für 49 solche Beteiligungen verantwortlich, darunter die Flughäfen in Frankfurt und Kassel, die Messe Frankfurt und die Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte.

Im Kloster Eberbach lobt der Minister nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg des Weinguts, sondern auch die Qualität des neuen alkoholfreien Sekts. Schäfer ist beim Wein auf den Geschmack gekommen, auch wenn er aus einer Biergegend stammt.

Sein Vater führte 30 Jahre lang die Geschäfte einer lokalen Brauerei. Sie ging nach Schäfers Überzeugung zugrunde, weil der Brauereibesitzer die Nachfolge falsch regelte – mit einem Sohn, der an dem Job nicht interessiert gewesen sei. Analogien zur hessischen Landespolitik verbieten sich an dieser Stelle. Schäfer ist schon lange bereit. Aber noch ist seine Zeit nicht gekommen.

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