+
Nicht mehr die ganze Zeit allein: Die strengen Besuchsregeln für Altenpflegeheime werden leicht gelockert.

Lockerungen

Hessen lockert Beschränkungen für Gottesdienste und Altenheime

  • schließen

Ab Freitag können in Hessen wieder erste Gottesdienste stattfinden, ab Montag Besuche in Altenheimen. Bund und Länder beraten über weitere Lockerungen.

Bewohner von Altenheimen können von Montag an wieder einen Besucher pro Woche empfangen. Bereits von Freitag, 1. Mai, an sind Gottesdienste und Trauerfeiern im größeren Kreis wieder gestattet. Aber unter strengen Auflagen an Hygiene und Abstand. Zeitgleich geht das Land bei den Ladenöffnungszeiten wieder einen Schritt zurück. Die Erweiterung auf die kompletten Sonn- und Feiertage wird gekappt. Künftig dürfen Lebensmittel nur noch sonntags zwischen 13 und 18 Uhr verkauft werden. So die Eckpunkte der jüngsten Beschlüsse der Landesregierung, die Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Dienstag vorstellten.

Am Donnerstag und am Montag danach werden die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über weitere mögliche Lockerungen und Konsequenzen aus diversen Gerichtsurteilen beraten, so etwa zu den umstrittenen Größenbeschränkungen von Geschäften. Auch Zoos, Theater, staatliche Hilfe für Künstler und die Kindertagesstätten stünden als mögliche Themen auf der Agenda. Nachdem der Nachbar Bayern Ende Mai die Biergärten wieder öffnen will, müsse sich das Kabinett in Wiesbaden auch mit diesem Thema beschäftigen.

Er hoffe weiterhin, dass möglichst viele Entscheidungen länderübergreifend fallen, sagte Bouffier „Wir brauchen eine Linie und eine Perspektive.“ Hessen werde sich jedenfalls auch künftig nicht am Wettbewerb der Bundesländer beteiligen.

Dass Gottesdienste wieder stattfinden können, kam nicht überraschend. Bereits am Montag hatte das Corona-Kabinett des Bundes das von den Religionsgemeinschaften eingereichte detaillierte Rahmenkonzept für die Wiederaufnahme von Gottesdiensten gebilligt. Profitieren werden in Hessen davon am Freitag bereits die Muslime, die derzeit den Fastenmonat Ramadan begehen. Auf das späte gemeinsame Fastenbrechen mit vielen Mitgläubigen müssen sie allerdings verzichten.

Anders als manche andere Bundesländern fordert Hessen bei Gottesdiensten keine Masken und setzt kein Limit bei den Besuchern. Was zählt, sei, dass die Distanz von eineinhalb Metern eingehalten werden kann. Das kann nach Größe des Gotteshauses unterschiedlich sein.

Alltagsmaske reicht nicht

Sichtlich schwerer fällt Sozialminister Klose die Regelung für Altenheime oder Hospize. Die Bewohner gehörten zur Gruppe der empfindlichsten Menschen. „Sie brauchen in besonderer Weise unseren Schutz.“ Umgekehrt hätten sie ein Recht auf ein „würdevolles Leben“. Der Kompromiss: Von Montag an darf einmal pro Woche ein Verwandter oder eine nahestehende Person zu Besuch kommen – für eine Stunde mit einer Mund-Nasen-Maske, die einen besseren Schutz bietet als die im öffentlichen Raum gängigen Bedeckungen aus Stoff.

Jede Einrichtung hat ein individuelles Schutzkonzept zu erstellen, das sich an den vorhandenen Räumlichkeiten orientiert. Dafür dienen als Grundlage die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und des hessischen Sozialministeriums. Auch in den Heimen müssen die Abstandsregeln eingehalten, Desinfektionsständer aufgestellt werden. Angesichts der mehrwöchigen Kontaktsperre sei diese Öffnung ein Fortschritt. Klose: „Wir sind da ein gutes Stück weiter.“

Ob dieser Weg weiter beschritten werden kann, hänge auch davon ab, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Die Folgen der Lockerungen der Kontaktsperren zeigten sich immer zwei Wochen später.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung wies darauf hin, dass die neuen Schutzkonzepte verantwortungsvoll umgesetzt werden müssten. Dazu erhielten die Gemeinden ein Eckpunkte-Papier. Es sei ihre Entscheidung, wann wieder Gottesdienste gefeiert werden können. Das könne auch erst am 10. Mai oder später werden. Er begrüßte die Regelungen für Seniorenheime: „Die Isolation wenigstens teilweise aufzuheben, ist ein wichtiger Schritt. Das ist für die Seelen aller eine Entlastung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion