+
Carsten Linnemann hat eine heftige Debatte angestoßen.

Integration

Nach Vorstoß von CDU-Politiker Linnemann: Wie Hessen Grundschüler integriert

  • schließen

Rund 1200 Kinder besuchen jährlich das Angebot – und zwar mit und ohne Migrationshintergrund.

In Hessen kommt kein Kind in die Schule, das nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügt. Im Schuljahr 2002/2003 hat das Bundesland Vorlaufkurse eingeführt, die eine Pflichtveranstaltung darstellen für alle jene Kinder, deren Deutschkenntnisse so schlecht sind, dass sie dem Unterricht nicht folgen könnten, erklärte Philipp Bender, Sprecher vom Kultusminister Alexander Lorz (CDU) auf Anfrage. Dessen Vorgängerin und Parteifreundin Karin Wolff hatte damals die Neuerung eingeführt, die so mancher als „Zwangsgermanisierung“ geißelte. Inzwischen sind die kritischen Stimmen verstummt, sagt Bender.

Rund 1200 Kinder besuchten jährlich das Angebot – und zwar mit und ohne Migrationshintergrund. Über den jeweiligen Anteil konnte das Ministerium keine Zahlen vorlegen. Bei den sogenannten Schuleingangsuntersuchungen, die mehr als ein Jahr vor dem Einschulungstermin erfolgen, wird geprüft, inwieweit sich ein Kind auf Deutsch verständigen kann. Ab dem Alter von sieben Jahre besteht Schulpflicht, spätestens dann müssen die Kinder fit in Deutsch sein.

Wenn Kinder Hilfe brauchen, erhalten sie Förderung in kleinen Gruppen von maximal 15 Teilnehmern. Lehrerinnen und Lehrer, die extra in „Deutsch als Zweitsprache“ ausgebildet sind, sowie Sozialpädagogen und vereinzelt auch Deutschlehrer unterrichten sie, sagt der Ministeriumssprecher. Schulen und Kindertagesstätten arbeiteten bei den Vorlaufkursen eng zusammen, stellten auch beide Räumlichkeiten dafür zur Verfügung.

Linnemann-Vorstoß: Kinder dürfen nicht ausgegrenzt werden

Die vom Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann (CDU) angestoßene Debatte über Vorschulpflicht habe durchaus ihre Berechtigung, sagt Bender: „Ein Kind, das ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule kommt, ist von Anfang an verloren.“ Umgekehrt dürfe aber auch kein Kind ausgegrenzt werden. „Man muss das Mittelmaß finden.“

Lesen Sie auch den Kommentar zu Carsten Linnemann: Sie schaffen das, Herr Linnemann!

Die Vorlaufkurse sind nicht das einzige Angebot, mit dem Hessens Kultusministerium Deutschdefizite beheben will. Frisch angekommene schulpflichtige Migranten oder Flüchtlinge werden in „Intensivklassen“ fit gemacht und peu à peu in den Klassenverband integriert. „Das fängt an mit Sport, Musik, Mathematik“, sagt der Sprecher. 

Das jüngste Angebot aus der Sparte Sprachförderung sind verpflichtende Intensivklassen für Seiteneinsteiger in beruflichen Schulen. Schüler sollen dort grundlegende Kenntnisse in Deutsch erlernen für den Übergang in die Berufsausbildung oder den Wechsel in einen anderen Bildungsgang.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion