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Zufrieden mit der Kollegialität sind 64 Prozent aller hessischen Polizisten.

Polizei in Hessen

Polizisten fühlen sich wegen „Generalverdacht“ gemobbt

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Die Hälfte der Polizisten in Hessen ist unzufrieden mit dem Arbeitsklima. Die Verantwortlichen und die Opposition sehen Handlungsbedarf.

Die meisten hessischen Polizisten sehen sich politisch in der Mitte der Gesellschaft. Knapp ein Drittel sieht die Gefahr einer Islamisierung Deutschlands. Etwa die Hälfte der Polizisten leidet darunter, dass ihnen bei Einsätzen Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit unterstellt wird.

Polizisten leiden unter Generalverdacht

Dass ein solcher „Generalverdacht“ die Kollegen so stark belastet, habe ihn schon überrascht, sagte Landespolizeipräsident Udo Münch, der am Montag gemeinsam mit Innenminister Peter Beuth (CDU) in Wiesbaden die ersten Ergebnisse einer Umfrage zur hessischen Polizeistudie vorstellte. 4277 Polizistinnen und Polizisten hatten freiwillig den Online-Fragebogen ausgefüllt. Die Rücklaufquote, hieß es, lag bei 25 Prozent. Die Ergebnisse seien „repräsentativ“, versicherte der Minister. Er kommt zu dem Schluss: „Demokratische Werte sind fest in der hessischen Polizei verankert.“

Anlass für die den Angaben zufolge bundesweit einmalige Befragung waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu einer Chatgruppe der Frankfurter Polizei mit rechtsextremen Inhalten. Sie biete „bisher nie da gewesene Einblicke in den Polizeiberuf“. Und zeige, dass es sich bei extremistischen Umtrieben um „Einzelfälle“ handele, sagte Beuth.

Ergebnisse einer Umfrage zur hessischen Polizeistudie

Die Antworten sollen wissenschaftlich ausgewertet und durch Interviews vertieft werden. Parallel dazu werden individuelle Hilfsangebote erarbeitet. Etwa für Polizisten, gegen die zu Unrecht ermittelt wurde. Oder eine spezielle Ansprechpartnerin für weibliche Beschäftigte. Auch die Fortbildung der Leitungskräfte müsse verstärkt werden, sagte Münch. Denn mit dem Betriebsklima ist nur knapp die Hälfte der Befragten zufrieden. Rund 20 Prozent sahen sich schon sexistischen Äußerungen unter Kollegen ausgesetzt, ein Drittel hat Erfahrung mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Mobbing.

Das sei „erschreckend“, sagte die Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Nancy Faeser. „Dies bestätigt uns in unserem Vorschlag, die Stelle eines unabhängigen Polizeibeauftragten zu schaffen, an den sich Beschäftigte der hessischen Polizei auch in solchen Fällen wenden können.“ Zumal zehn Prozent der Befragten der Auffassung seien, es gebe eine überzogene Kameradschaft und Abschottung innerhalb der hessischen Polizei. „Wenig überraschend“ hingegen sei, dass Personalmangel, fehlende Beförderungsmöglichkeiten und Wertschätzung die größten Unzufriedenheitsfaktoren seien, so Faeser.

Polizisten stehen im Verdacht, rechtsradikal zu sein

Der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Hermann Schaus, erinnert daran, dass beim Landeskriminalamt mit Stand November vergangenen Jahres 65 Polizistinnen und Polizisten unter Verdacht rechtsradikaler und rassistischer Einstellungen geraten seien. „Vor diesem Hintergrund kann man nicht weiter von Einzelfällen sprechen.“

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