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Hendrik Wüst: Bloß keine Fehler machen

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Von: Alexander Schäfer

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Der Verteidiger.
Der Verteidiger. © dpa

Landtagswahl am Sonntag: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst will nicht wie sein Vorgänger und Ziehvater Armin Laschet scheitern.

Düsseldorf - Hendrik Wüst setzte in den Tagen vor der Landtagswahl in NRW besonders auf die Kinder. Der wahlkämpfende Ministerpräsident besuchte Schwimmkurse für die Kleinsten und eine Grundschule, mit „seinen“ Patenkindern traf er sich öffentlichkeitswirksam im Zoo – in NRW übernimmt nämlich seit 2019 der Ministerpräsident bei Mehrlingsgeburten die Ehrenpatenschaft. Als Vater einer Tochter – geboren im vergangenen Jahr – gefällt sich der 46-Jährige in der Rolle des Landesvaters. Willkommener Nebeneffekt: Die Auftritte geben Wüst das, was Kinder im Gegensatz zur politischen Kaste problemlos verkörpern: Authentizität.

Mit der Echtheit ist das beim politischen Spitzenpersonal so eine Sache. Nicht selten wirken dessen Auftritte wie Statements, so glatt gebügelt wie ihre Garderobe. Auch Wüst ist auf diesem Gebiet Perfektionist. Wer bei offiziellen Terminen auf überraschende Aussagen oder gar emotionale Ausbrüche des Ministerpräsidenten im Stile eines Armin Laschet hofft, kann lange warten. Wüst ist das Gegenteil seines Vorgängers, er ist gewissermaßen ein Anti-Laschet: Er spricht kontrolliert und sachlich, macht keine Witze an der falschen Stelle und beantwortet Fragen nicht vorschnell mit einem einfachen Ja oder Nein – die Antwort könnte ihm später ja mal auf die Füße fallen.

Hendrik Wüst: Tochter verändert Blick auf die Welt

Bei einem Abendessen mit der Presse in Düsseldorf erzählte Wüst, dass ihm der Besuch der Junior-Uni Wuppertal – noch so ein Termin mit Kindern – sehr gefallen habe. Dabei durften die Mädchen und Jungen, die meisten so um die zehn Jahre, dem Ministerpräsidenten Fragen stellen. Wüst fand das Format gut, weil er da freier als sonst üblich sprechen konnte. Gegenüber den Medien müsse man dagegen ja aufpassen, was man so sagt, so Wüst. Letzteres versah der Politiker mit einem Augenzwinkern – um bloß nicht falsch verstanden zu werden. Doch es steckte viel Wahrheit in seiner Aussage. Wüst ist in der Öffentlichkeit sehr bedacht darauf, was er sagt und wie er es sagt.

Zurück zu den Kindern. Deren Schutz bezeichnet Wüst in einem Wahlkampfvideo als ein Fundament seiner Politik. Wüsts Motivation, Politik zu machen, ist eine – Zitat – „Welt, in der Klimaschutz, Wohlstand und soziale Sicherung versöhnt sind“. Die einjährige Tochter Philippa habe seinen Blick auf die Welt verändert. 

Hendrik Wüst
Geboren19. Juli 1975 Rhede
ParteiCDU
AmtMinisterpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen seit 2021
Vorheriges AmtMinister für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (2017–2021)

Hendrik Wüst gehört weiter zum Corona-Team Vorsicht

Ende April besucht der CDU-Politiker ein Familiengrundschulzentrum in Düsseldorf. Dafür nimmt sich der 46-Jährige eine Stunde Zeit. Die Kinder müssen nicht lange auf den „Präsidenten“, wie sie ihn nennen, warten. Wüst kommt fast pünktlich. Schon beim Aussteigen aus dem Auto trägt er Maske. Dass ihm wie Laschet die Maske mal unter die Nase rutscht, ist undenkbar. Wüst – geboostert und genesen – gehört weiter zum Corona-Team Vorsicht. Auch die Lehrkräfte tragen Maske, Pflicht ist das in der Schule nicht mehr.

Einem Jungen bietet Wüst die Faust zur Begrüßung an, so wie man das halt wegen Corona macht. Der Junge aber will einen ganz normalen Händedruck und bekommt ihn auch. Wie ist das, Ministerpräsident zu sein? Die Frage des Kindes beantwortet Wüst mit Verweis auf ein Zitat eines seiner Vorgänger im Amt, Peer Steinbrück. „Ich bin ein Hausmeister ohne Kittel, der sich um alles kümmern muss. Vor allem wenn es nicht so läuft.“

Landtagswahl in NRW: Für Hendrik Wüst läuft es mittel

Für Wüst läuft es derzeit so mittel. Er springt (in einem Werbevideo) unfallfrei mit dem Rad über den Straßengraben. Doch Herausforderer Thomas-Kutschaty holt in den Umfragen auf. Die SPD liegt in Schlagweite zur CDU, eine Ampel-Koalition gegen die Schwarzen ist möglich. Wüst ist erst seit Oktober im Amt – für einen Amtsbonus reicht das nicht. Da hilft auch die bemüht lautstarke Kritik an Kanzler Olaf Scholz – erst wegen der Corona-, dann wegen der Ukraine-Politik – nicht.

Ein hoher CDU-Funktionär gab deshalb im kleinen Kreis die Parole für einen wüsten Wahlkampfendspurt aus: „Wir schicken den übers Land – wo und wann immer es geht.“ Gesagt, getan. Wüst lädt nicht nur zu Pressekonferenzen zur Ukraine oder zur 41. Basketball-Europameisterschaft in Köln ein oder hält eine Rede zu Deutschlands erster Homosexuellen-Demonstration in Münster. Er besucht eben auch einen Schwimmkurs in einem Badezentrum in Krefeld oder eine Schule in Düsseldorf. Mit Kindern kann er. „Der hat gut geantwortet“, sagt ein Grundschüler, nachdem der Präsident weggefahren ist. (Alexander Schäfer)

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