+
Das Erbe des verstorbenen früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl geht offenbar an seine Witwe.

Nachlass

Helmut Kohls Witwe ist offenbar Alleinerbin

  • schließen

Zum Nachlass des einstigen Kanzlers Helmut Kohl zählen auch zahlreiche Akten. Die Gründung einer Stiftung ist im Gespräch.

Vier Monate nach dem Tod von Helmut Kohl scheinen die ersten der umstrittenen Erbfragen geklärt zu sein. Wie die in Kohl-Angelegenheiten stets besonders gut informierte „Bild“ am Sonntag berichtete, haben sich die beiden Söhne des einstigen Kanzlers und CDU-Vorsitzenden, Walter und Peter, bereits zu Lebzeiten ihres Vaters mit dessen Frau Maike Kohl-Richter über die finanzielle Seite des Nachlasses verständigt. Das hatte auch Walter Kohl bereits einmal angedeutet. Demnach erhalten beide Söhne je 400 000 Euro und die beiden Enkel jeweils 100 000 Euro. Im Gegenzug sollen sie einen „Erb-Pflichtteilsverzicht“ unterzeichnet haben. Damit wäre die Witwe die unumstrittene Alleinerbin.

Die Beteiligten hätten mit dieser Regelung einen Weg gefunden, langwierige Erbstreitigkeiten zu vermeiden. Helmut Kohl hatte schon vor Jahren die Beziehungen zu seinen Söhnen abgebrochen. Weder sie noch die Enkel waren bei seiner Beerdigung dabei.

Der eigentliche Umfang von Kohls Vermögen dürfte noch eine geraume Zeit nicht feststehen. Unklar wäre unter anderem der Umgang mit den weiter fließenden Tantiemen aus seinen zahlreichen Büchern, deren Veröffentlichung ihn zu einem mehrfachen Millionär gemacht haben dürften.

Rechtsstreit mit Heribert Schwan offen

Offen sind auch weiter die Ansprüche aus den Klagen gegen seinen einstigen Ghostwriter Heribert Schwan, der auf Grundlage der Tonbandaufzeichnungen seine Gespräche mit dem Alt-Kanzler vor drei Jahren das Buch „Vermächtnis – die Kohl-Protokolle“ mit einer Vielzahl nicht autorisierter, zum Teil ehrverletzender Zitate auf den Markt gebracht hat. Das Landgericht Köln verurteilte Schwan und einen Mitautoren aufgrund der Klage der Anwälte Kohls zu einem Rekord-Schmerzensgeld von einer Million Euro. Da Heribert Schwan in die Berufung ging, ist der Rechtsstreit noch offen. Unter Juristen umstritten ist auch die Frage, ob einem Verstorbenen überhaupt nachträglich noch Schmerzensgeld zugestanden werden kann.

Jenseits der finanziellen Fragen steht aber vor allem der Umgang mit Kohls schriftlichem Nachlass zur Debatte. Dabei geht es einerseits um 400 Aktenordner mit Strategiepapieren, Redeentwürfe und Briefen, die Kohl bereits der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung überlassen, später aber zurückgefordert hatte. Sie sollen noch im Bürokeller seines Hauses in Oggersheim lagern. Amtliche Akten aus seiner Zeit aus Kanzler dürften nicht darunter sein. Sie sind ohnehin alle in der Registratur des Kanzleramts erfasst und stehen nach einer Frist dem Bundesarchiv zu.

Bei den Parteiakten ist die Lage anders. Dazu kommt, dass die Grenze zwischen privaten und amtlichen Unterlagen – etwa im Fall von Briefen oder Gesprächsnotizen bei einem Politiker, der so lange im Zentrum der Macht agiert hat wie Helmut Kohl – oft fließend verlaufen. An diesen Handakten haben sowohl das Bundesarchiv also auch die Konrad-Adenauer-Stiftung Interesse angemeldet. Sie befinden sich bislang in der Verfügungsgewalt von Maike Kohl-Richter. Kohl habe ihr die „alleinige Entscheidungsbefugnis über seinen historischen Nachlass“ übertragen, sagte sie bereits vor Jahren in einem Interview. Ihm war sehr daran gelegen, die Deutungshoheit über sein Leben eindeutig zu regeln.

Helmut Kohl soll sich für Stiftung ausgesprochen haben

Der beste Weg, mit solch einem Nachlass angemessen umzugehen, ist die Gründung einer bundeseigenen Stiftung, wie dies bei dem einstigen Kanzler und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt geschehen ist. Auch sie entstand erst nach längeren Streitigkeiten zwischen der Witwe Brandts, seinen Nachkommen und der SPD, gilt nun aber als vorbildlich in ihrer Arbeit für die Bewahrung, Aufarbeitung und Vermittlung des Lebens und Wirkens von Willy Brandt.

Die Übergabe sämtlicher Archivalien an solch eine Stiftung wird auch im Fall von Helmut Kohl angestrebt. Er selbst soll sich dafür schon lange vor seinem Tod ausgesprochen haben. Sein Anwalt und Vertrauter Stephan Holthoff-Pförtner bestätigte entsprechende Pläne, für die Kulturstaatsministerin Monika Grütters bereits Zustimmung des Bundes signalisierte. In der Regel haben Angehörige oder Weggefährten des Staatsmannes dann Sitz und Stimme in den Aufsichtsgremien, sodass auch Maike Kohl-Richter weiter Einfluss auf den Umgang mit dem Vermächtnis ihres Mannes nehmen könnte. Und hier könnten auch die 600 Stunden Tonbandaufzeichnungen Heribert Schwans endlich einen angemessenen, der Wissenschaft und dann der Öffentlichkeit zugänglichen Platz finden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion