Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

CDU

Helge Braun: wenig Profil, aber ein Lächeln auf den Lippen

  • Pitt v. Bebenburg
    VonPitt v. Bebenburg
    schließen

Helge Braun war Angela Merkels Mann für die Kompromisse. Jetzt will er selber an die Parteispitze der CDU

Helge Braun konnte sich das Lächeln nicht verkneifen, als er im ZDF nach seinen Ambitionen gefragt wurde. Natürlich wolle er den Parteigremien nicht vorgreifen, verkündete der Kanzleramtsminister am Donnerstagabend mit einem so breiten Grinsen, dass alle wussten: Braun kandidiert. Er will Bundesvorsitzender der CDU werden, Nachfolger von Armin Laschet, Annegret Kramp-Karrenbauer und vor allem: von Angela Merkel, mit der er seit 2013 aufs Engste zusammengearbeitet hat.

Am Freitagabend hat Brauns Gießener CDU-Kreisverband den Kandidaten offiziell nominiert. Der 49-jährige Arzt war einer breiten Öffentlichkeit erst seit Beginn der Corona-Pandemie bekannt geworden, als er für Kanzlerin Merkel die Strippen zog. Dabei fiel der beleibte Braun stets dadurch auf, dass er auch in den schwierigsten Phasen ein Lächeln auf den Lippen hatte.

Selbst seine jüngste Niederlage steckte Braun weg, ohne sich viel anmerken zu lassen – auch wenn er sagte: „Das tut weh!“ Ausgerechnet der prominente CDU-Kandidat hatte bei der Bundestagswahl sein Direktmandat in Gießen verloren, an einen weitgehend unbekannten Sozialdemokraten. Nur über die Landesliste zog der hessische CDU-Spitzenkandidat in den Bundestag ein.

Kein begnadeter Redner

Wacker stand er tags darauf neben dem hessischen CDU-Chef und Ministerpräsidenten Volker Bouffier vor den Kameras. Tapfer formulierte Braun trotz des Unions-Desasters, dass Armin Laschet „ein guter Kanzler“ werden könne und die CDU „eine linksgeführte Regierung verhindern“ wolle. Da klang jemand so, als habe er nicht bemerkt, dass der Wahlkampf vorbei und die Wahl verloren war. Aber Bouffier, CDU-Bundesvize, wählte ähnliche Worte.

Bouffier kommt wie Braun aus Gießen. Beide kennen sich schon lange, gingen aber unterschiedliche Wege. Während Bouffier seit 40 Jahren die hessische Landespolitik prägt, orientierte sich der 20 Jahre jüngere Braun in die Bundespolitik.

Bisher hat der Gießener nicht erkennen lassen, ob er nach seiner Zeit im Kanzleramt Interesse an einer neuen Karriere in Hessen hat. Bouffier ist auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin an der Spitze von Landespartei und -regierung.

Die Art, wie Braun seine Kandidatur auf Bundesebene vorbereitete, spricht eher nicht dafür. Am Freitag verzichtete die Hessen-CDU auf eine Empfehlung für den eigenen Mann. Sie will den Erwägungen der Mitglieder nicht vorgreifen, unter denen es viele Unterstützerinnen und Unterstützer von Friedrich Merz gibt.

Zudem hatte Braun seine Landespartei mit der Kandidatur überrascht. Ein Termin in Präsenz ließ sich nicht machen, der hessische CDU-Chef Bouffier musste das Gelöbnis der Bundeswehr im Wiesbadener Stadion abnehmen. So erläuterte Braun seine Ziele den hessischen Parteigremien in digitalen Konferenzen.

Seit 2009 gehört er dem Deutschen Bundestag an und wurde sofort in die Bundesregierung eingebunden. Zunächst war er als Staatssekretär der damaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan tätig, dann ging er 2013 zu Merkel ins Kanzleramt. Braun ist, jetzt nur noch geschäftsführend, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts. Damit war er Merkels Chefkoordinator mit den Bundesländern – eine Aufgabe, die während der Phase starker Flüchtlingszuwanderung große Bedeutung hatte und während der Corona-Krise auch öffentlich wahrgenommen wurde.

Da war ein Mann an der richtigen Stelle, denn Braun ist von Haus aus Arzt. Bis er in den Bundestag einzog, war er als Anästhesist am Uniklinikum Gießen-Marburg tätig. Als begnadeter Redner ist er nie aufgefallen, im Gegenteil: Über Braun kursiert das Bonmot, er sei der einzige Anästhesist, der seine Patientinnen und Patienten allein durch eine Rede betäuben könne.

Braun warb stets für einen strengen Corona-Kurs, wie er auch jetzt mit Sorge sieht, dass die Ampel-Parteien scharfe Eingriffe untersagen wollen. Zugleich war er der Mann, der Kompromisse vorbereitete. Viel politisches Profil hat er dadurch nicht zeigen können. Das müsste er ändern, um sich gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen durchzusetzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare