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Helge Braun (CDU): Der besonnene Mann von der Basis

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Von: Ines Alberti

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Helge Braun CDU
Helge Braun kann bereits auf eine lange CDU-Karriere zurückblicken. (Archivbild) © Michael Kappeler/dpa

Helge Braun verhält sich politisch eher unauffällig – und doch, oder gerade deshalb, hat er es ins Bundeskanzleramt geschafft und um den CDU-Vorsitz gebuhlt.

Gießen/Berlin - In Helge Brauns Brust schlagen zwei Herzen: die Politik und die Medizin. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist von Haus aus Arzt, hat sich jedoch seit 2002 hauptsächlich dem Job des Volksvertreters verschrieben. Auch eine dritte Leidenschaft wohnt in ihm: die Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Gießen. Der ehemalige Chef des Bundeskanzleramts gibt sich im Gegensatz zu Kollegen etwa auf seiner Homepage nahbar, offen und zeigt auch private Einblicke.

Aber von vorne: Helge Braun wurde am 18. Oktober 1972 in Gießen geboren. Dort legte er 1992 auch sein Abitur ab und besuchte die Justus-Liebig-Universität für sein Studium der Humanmedizin von 1994 bis 2004. Einen kleinen Abstecher in andere Gefilde gab es lediglich 1993 und 1994 für seinen Wehrdienst, den er bei der Bundeswehr in Koblenz leistete. Nach Abschluss seines Medizinstudiums arbeitete Helge Braun als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Universitätsklinikum Gießen und Marburg an der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie. 2007 machte er seinen Doktor der Medizin. Für seine Dissertation gab es allerdings 2021 Plagiatsvorwürfe.

Politischer Werdegang von Helge Braun

Den Grundstein für seine politische Karriere legte Braun schon früh: 1989 trat er in die Junge Union ein, in der er bis 2007 blieb und zeitweise auch Kreis- und Bezirksvorsitzender war. Schon kurze Zeit später, 1990, wurde er Mitglied der CDU. Seit 2004 ist er Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Gießen, seit 2007 Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Mittelhessen. Das lange Bestehen in diesen Ämtern bringt ihm einen Ruf als der beständige Mann von der Basis ein. Auch in der Gießener Kommunalpolitik war Helge Braun lange als Stadtverordneter aktiv (1997-2009), außerdem war er Mitglied des Kreistages Gießen und Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion (2006-2009).

NameDr. Helge Reinhold Braun
Geburtstag, Geburtsort18.10.1972 in Gießen
ParteiCDU
Mitglied seit1990
WahlkreisGießen
AmtMitglied des Deutschen Bundestages
vorherige FunktionenChef des Bundeskanzleramts (2018-2021), Bundesminister für besondere Aufgaben (2018-2021), Staatssekretär Bildung und Forschung (2009-2013)
EhepartnerinKatja Braun
Kinderkeine
Konfessionrömisch-katholisch

Auf bundesweitem Parkett machte Helge Braun 2002 seine ersten Schritte, als er über die hessische Landesliste in den Bundestag einzog. Bis 2005 war er dort Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Bei der Bundestagswahl 2005 schaffte Braun es allerdings nicht ins Parlament. In der Zwischenzeit machte er im Gießener Kreistag Politik, bis er 2009 das Direktmandat für seinen Wahlkreis holte und wieder in den Bundestag einzog.

Helge Braun war Kanzleramtschef unter Angela Merkel

In dieser Legislaturperiode war er als Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung tätig. Auch 2013 und 2017 setzte Braun sich als Direktkandidat gegen seine SPD-Konkurrenten durch. Vom Staatsminister bei der Bundeskanzlerin unter Angela Merkel (2013-2018) arbeitete er sich nach der nächsten Wahl zum Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes hoch (2018-2021).

Aber was macht ein Bundeskanzleramtschef (kurz: ChefBK) eigentlich? Zu den Aufgaben eines Kanzleramtschefs gehören laut bundesregierung.de unter anderem:

Bei der Bundestagswahl 2021 erlangte Helge Braun erneut über die Landesliste seinen Platz im neuen Bundestag. Da die CDU das Kanzleramt an die SPD verlor und fortan in der Opposition sitzt, kommt Braun derzeit kein Ministeramt zu. Er leitet nun allerdings den Haushaltsausschuss.

Gegen Merz und Röttgen: Helge Braun und der CDU-Vorsitz

Als einen Politiker, der großartig Aufmerksamkeit auf sich zieht, kann man Helge Braun eigentlich nicht bezeichnen. Der stets ruhig wirkende Hesse war zwar auch in der Corona-Krise in Talkshows wie Anne Will zu sehen, tritt aber für gewöhnlich nicht offensiv, sondern gern mit besonnenem Lächeln auf. Nicht zu vergleichen mit seinem Parteikollegen Friedrich Merz, der mit teils bissigen Kommentaren zum aktuellen Geschehen häufig auch medial Thema ist. Doch Ende 2021 wurden die beiden Gegensätze plötzlich zu Konkurrenten.

Nachdem der ehemalige Kanzlerkandidat Armin Laschet nach der Niederlage bei der Bundestagswahl 2021 den CDU-Vorsitz abgeben wollte, stellten sich drei Männer zur Wahl um den Posten: Norbert Röttgen im zweiten Anlauf, Friedrich Merz im dritten und Helge Braun zum ersten Mal. Braun schnitt bei der CDU-Mitgliederbefragung mit 12,1 Prozent der Stimmen am schlechtesten ab. Der Konservative Friedrich Merz entschied das Rennen mit 62,1 Prozent der Stimmen für sich.

Helge Braun: CDU-Politiker ist eigentlich Arzt

Helge Braun ist von Beruf eigentlich Arzt. Gar gegensätzliche Tätigkeiten: Während er als Politiker in adretten Anzügen viel Zeit im Büro verbringt und in der Öffentlichkeit steht, düste er als Mediziner in Schutzkleidung im Notarztwagen zu Unfällen, um Menschen zu helfen und war als Anästhesist für Narkosen zuständig. Vermisst er das manchmal? „Meinen Beruf als Arzt vermisse ich immer dann, wenn ich in der Politik von besonders viel Bürokratie aufgehalten werde. Dann träume ich schon davon, im Notarztwagen zu sitzen, mal wieder praktischer zu arbeiten“, gibt Braun auf seiner Homepage offen zu.

Sein Beruf als Arzt und der Kontakt zu Forschung und Lehre sei ihm weiterhin wichtig. Daher arbeite er noch als Dozent für Medizinstudent:innen an den Universitäten in Frankfurt und Gießen. So „kann ich meine Erfahrung weitergeben und den Kontakt zur Universitätsmedizin aufrechterhalten“, schreibt Braun.

Helge Braun CDU vor Auto
Der CDU-Politiker Helge Braun ist von Haus aus Anästhesist. (Archivbild) © Arne Dedert/dpa

Was macht Helge Braun gern privat?

Der CDU-Politiker gibt sich auf seiner Homepage offen und teilt viel Persönliches. Zum Beispiel, was er gern in seiner Freizeit macht: „Mit meiner Frau Katja im Garten zu arbeiten, Freunde zu treffen oder auf dem Wochenmarkt einzukaufen, gehört zu den raren privaten Momenten, die wir beide sehr genießen“, beschreibt Helge Braun seine liebsten Freizeitaktivitäten. Und fügt hinzu: „Gerade weil wir beide berufstätig sind und Freizeit ein kostbares Gut ist, erleben wir diese Zeit immer besonders dankbar und intensiv.“

Auch bekennt er seine Nähe zu seiner Geburts- und Heimatstadt Gießen. Durch sein Mitwirken in zahlreichen Vereinen bleibe er der Stadt verbunden. (Ines Alberti)

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