Unicef

Helfer für Neuanfang

Die Führung von Unicef Deutschland verliert zunehmend die Kontrolle über die Basis der rund 8000 ehrenamtlichen Mitarbeiter. Der zerrüttete Vorstand soll nun schon wieder zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Von MATTHIAS THIEME

Die Führung von Unicef Deutschland verliert zunehmend die Kontrolle über die Basis der rund 8000 ehrenamtlichen Mitarbeiter. Die Beschlüsse der Vorstandssitzung am 14. Januar hätten das Ziel "weitgehend verfehlt (...), die Ruhe an der Basis wiederherzustellen und das Vertrauen der verunsicherten Partner in Wirtschaft und Kommunen zurückzugewinnen", schreiben die Vorstandsmitglieder Rolf Seelmann-Eggebert und Carmen Creutz in einem internen Brief, der der FR vorliegt.

Der zerrüttete Vorstand soll nun schon wieder zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Voraussichtlicher Termin ist der 2. Februar. Unicef-Insider erwarten einen erbitterten Machtkampf zwischen Geschäftsführer Dietrich Garlichs und der Vorsitzenden Heide Simonis, der dann nur noch schwer mit diplomatischen Presseerklärungen verdeckt werden könne.

"Ich habe den Eindruck, wir, die Mitglieder des Vorstands, sind im Begriff, das Vertrauen der Basis zu verlieren, deren hohes Lied wir immer gesungen haben", so Seelman-Eggebert in einem zweiten Schreiben an die Vorstandsmitglieder. "Von uns wird ein Neuanfang erwartet. Darauf haben wir bislang keine überzeugende Antwort gefunden."

Noch am Mittwoch hatte Unicef-Sprecher Rudi Tarneden Berichte dementiert, wonach die ehrenamtlichen Mitarbeiter über die Vorgänge beim Kinderhilfswerk empört seien. Bei den Arbeitsgruppen, die offen einen Rücktritt Garlichs' fordern, handele es sich um "Einzelstimmen", sagte Tarneden gegenüber Nachrichtenagenturen.

Doch neue Briefe von der Basis an den Vorstand belegen, dass unter den ehrenamtlichen Mitarbeitern längst der Aufstand gegen die Führung tobt. So haben sich die Leiter von zehn Arbeitsgruppen quer durch die Republik zusammengeschlossen und einen Brief an den Vorstand geschrieben, der der FR vorliegt. "Der Geschäftsbericht von Unicef bedarf größerer Transparenz", fordern die Arbeitsgruppenleiter aus Konstanz, Heilbronn, Dortmund und Cottbus. Es müssten die Kriterien des Lehrstuhls für Rechnungslegung und Prüfung des Professors Lothar Schruff aus Göttingen angelegt werden, schreiben sie mit ihren Kollegen aus Kassel, Mannheim, Regensburg, Worms und Landshut.

"Wir halten eine stärkere institutionelle Einbindung der Ehrenamtlichen auch in die Kontrolle der Finanzflüsse für dringend erforderlich", heißt es in dem Brief. Dafür müsse ein Gremium geschaffen werden. Die vom Vorstand vorgeschlagene Einrichtung eines Wirtschaftsausschusses sei nicht geeignet, "da hier wie in einem geschlossenen System nur Mitglieder des Vorstands vertreten sind, der Vorstand demnach sich selbst kontrolliert".

Man sei "zutiefst besorgt und voller Unverständnis" angesichts der Vorgänge. Selbst die Vertreterin des Beirats im geschäftsführenden Vorstand habe trotz zweier Sondersitzungen im Juni "keine Einsicht in die damals bereits vorliegenden Vorwürfe" erhalten. Um nicht zum "Abnickorgan" zu werden, bedürfe es "der vollständigen Akteneinsicht". Unicef müsse Ethikrichtlinien für moralisch vertretbares Fundraising entwickeln, fordern die Gruppen.

Diese Richtlinien gibt es bereits. "Wir lehnen erfolgsbezogene Vergütungen bei der Akquirierung von Spenden völlig ab", sagt Rüdiger Sornek, Vorsitzender des Deutschen Fundraising-Verbands. "Man darf Leistungskomponenten nicht an der Spendenhöhe festmachen." Unicef hatte einem Berater zwischen sechs und zwölf Prozent für jede vermittelte Spende bezahlt. Auch an der Spende des Lidl-Konzerns von 500 000 Euro verdiente der Berater rund 30 000 Euro, obwohl er an der Vermittlung laut Lidl-Manager Stefan Rohrer niemals beteiligt war. Unicef versuchte dem Heilbronner Oberbürgermeister den Vorgang zu erklären und schickte erst einen, dann noch einen korrigierten Brief. Dass der Berater "glaubhaft versicherte, dass er bei der Vermittlung dieser Spende tätig war", wollte Unicef dann doch nicht geschrieben haben.

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