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Eigentlich will Wendl bald in Ruhestand gehen ? doch jemanden zu finden, der für ihn übernimmt, ist schwer.

Flüchtlinge

Ein Helfer für die Chance auf Asyl

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Der Anwalt Reinhold Wendl vertritt Asylsuchende vor Gericht und kennt die konkreten Schicksale hinter den anonymen Zahlen. Ein verantwortungsvoller Job, den kaum jemand machen will.

Schiffsmodelle sind seine Leidenschaft, aber seit mehr als 40 Jahren hat Reinhold Wendl keine Zeit für sie. Stattdessen kümmert er sich um Gestrandete, um Flüchtlinge, die es nach Deutschland geschafft haben und hier bleiben wollen. Wendl ist 73 Jahre alt, Anwalt für Asylrecht und Ausländerrecht und möchte in diesem Jahr in den Ruhestand gehen. Er sucht seit längerem einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für sein Büro in Wiesbaden, aber die Bewerbungen seien „dürftig“. Ein Gespräch über das Asylrecht im Wandel, die Enttäuschung über die Grünen – und über Geld.

Herr Wendl, nach Aussagen von Politikern wie Alexander Dobrindt haben Anwälte wie Sie in den vergangenen Jahren ein Vermögen gemacht. Es kamen viele Flüchtlinge und viele von Ihnen suchen Ihre Hilfe auf.
Ja, ja, ich habe gut verdient, das ist sicher richtig. Aber wenn Sie böse Buben vertreten, verdienen Sie mehr. Und auch in Ehesachen können Sie mehr verdienen. Man muss unterscheiden zwischen dem, was man theoretisch kriegen könnte und dem, was man kriegt von den Leuten.

Es gibt viele Gerüchte über Anwälte, die an den Asylsuchenden verdienen.
Ich rechne nach dem Vergütungsgesetz ab und nehme keine Fantasiepreise. Erstens finde ich es nicht richtig, die Leute auszubeuten, und zweitens kriegen Sie‘s doch eh nicht. Ich kriege pro Asylfall etwa 500 Euro. Kommt es zum Gerichtsverfahren, kann ich das Doppelte kriegen, wenn ich Prozesskostenhilfe bekomme oder den Fall gewinne.

Und wenn Sie verlieren?
Dann muss ich zusehen, wo ich mein Geld herkriege.

Das heißt, Sie nehmen auch Fälle an, bei denen Ihnen klar ist, die Mandanten können nicht zahlen?
Ja, etwa die Hälfte der Fälle.

Wie gehen Sie damit um?
Ratenzahlung. Es ist Gott sei Dank so, dass ich mir die Fälle aussuchen kann, ich nehme die, die erfolgsversprechend sind. Wenn ich nur sehr schlechte Chancen auf Erfolg sehe, dann lehne ich ab. Ich sage das auch den Menschen, wenn ich keine Chancen für sie sehe.

Haben sich die Chancen auf Asyl in Deutschland in den vergangenen Jahren verändert?
Ja, die Hürden sind höher geworden.

Aber es sind doch auch Asylgründe erweitert worden.
Ja, auch das stimmt, das kam durch die Übernahme der EU-Qualifikationsrichtlinie 2011. Deutschland hatte sich lange geweigert, sie umzusetzen, weil sie mehr Asylgründe kennt. Außerdem änderte sie die Art, wie ein Fall betrachtet wird. Wir schauen jetzt nicht mehr objektiv einen Fall an, sondern subjektiv von der Sichtweise des Betroffenen aus. Die Frage ist: Hätte ich an seiner Stelle Angst vor Verfolgung oder nicht? Das war ein erfreulicher Fortschritt. Deutschland musste übrigens für die verspätete Umsetzung der Richtlinie eine Strafe zahlen. 

Also ist nicht alles schlechter geworden?
Nun, früher konnte man einfach Berufung einlegen, heute muss die Berufung selbst zugelassen werden vom nächsthöheren Gericht. Das ist oft ein Problem, weil es weniger Zulassungsgründe gibt als im normalen Verwaltungsrecht. Zum Beispiel kann man im Verwaltungsrecht eine Berufung beantragen, wenn ein Urteil schlichtweg falsch ist. Im Asylrecht ist das nicht möglich. Wenn ein Richter mir sagt, 1+1 ist 3, dann kann ich nichts dagegen machen. Dann habe ich verloren.

Wie kann ich mir das konkret vorstellen?
Ich hatte neulich in Gießen den Fall eines jungen Afghanen, bei dem der Richter etwas in sein Urteil geschrieben hat, was der Mandant nicht gesagt hatte. Das war’s. Das war zwar ein falsches Urteil, aber rechtlich kann ich nichts mehr machen. Der Mandant kann einen Asylfolgeantrag stellen, aber die Chancen dafür sind sehr gering.

Warum haben Sie sich auf Ausländer- und Asylrecht spezialisiert?
Ich bin da reingerutscht. Es ging mit den syrisch-orthodoxen Christen los. Sie kamen aus der Türkei, Syrien, dem Irak. Inzwischen gibt es in der Türkei so gut wie keine mehr und im Irak auch nicht mehr viele.

Wer sind Ihre Mandanten heute?
Erst hatte ich viele syrisch-orthodoxe Christen, dann Kurden, jetzt mehr Muslime aus dem Iran, Syrien, Afghanistan.

Zurzeit stehen die Afghanen in der öffentlichen Debatte im Fokus, bei ihnen fiel die Anerkennungsquote sehr stark innerhalb von nur drei Jahren.
Man muss durchaus sagen, dass es unter den Afghanen junge Männer gibt, die eher aus Abenteuerlust gekommen sind. Das merkt man bei einigen. Dann gibt es wieder welche, die hier eine Chance auf Ausbildung suchen, auch wenn sie nicht direkt politisch verfolgt wurden. Aber es gibt auch eine sehr große Zahl, die massive Probleme in Afghanistan haben, hauptsächlich mit den Taliban. Es sind Leute dabei, die sehr, sehr viele schlimme Dinge erlebt haben, aber das kommt erst mit der Zeit raus, sie fallen mir ja nicht um den Hals und berichten von Folter. Das Problem ist, dass manche Bearbeiter beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und auch manche Richter nicht auf die Unterschiede achten.

Wenn ein junger Abenteurer zu Ihnen kommt, lehnen Sie seine Vertretung ab?
Ja.

Gibt es Fälle, die Sie verloren haben, bei denen Mandanten abgeschoben wurden, und Sie noch Kontakt zu ihnen haben?
Es gibt einen ziemlich tragischen Fall, der mir noch präsent ist, obwohl er schon gut zehn Jahre her ist. Es war ein junger Syrer, der hier straffällig geworden war. Er bekam seine Ausweisung. Die Ausweisung war sicherlich zu Recht, nur man hätte ihn nicht abschieben dürfen, sondern ihn weiter dulden müssen. Sein Vater war Funktionär einer kurdischen Partei, bekam hier Asyl. Und damals gab es noch kein Familienasyl, also konnte der Sohn abgeschoben werden. Ich kam dagegen mit einem Eilantrag nicht an. Als er in Damaskus am Flughafen ankam, wurde er sofort festgenommen und 14 Tage lang ziemlich übel gefoltert. Das hatte sich später durch das Auswärtige Amt bestätigt. Er kam dann wieder hierher …

… wie denn, wieder Flucht?
Ja, das hatte mich auch erstaunt, aber es funktionierte. Jedenfalls war er ein Wrack, als er wieder in Deutschland war. Dann wurde er natürlich anerkannt. Er hat inzwischen Tritt gefasst, macht jetzt eine Ausbildung.

Wenn es um Kriminalität und Flüchtlinge geht, dann hört man aus allen politischen Lagern inzwischen, dass mehr abgeschoben werden muss, Bundesinnenminister Seehofer will dauernd Gesetze verschärfen.
Was bedeutet kriminell? Wenn ein junger Mann eine Schlägerei anfängt, dafür eine Strafe kriegt – da schon fordern, er muss abgeschoben werden, das halte ich für falsch. Wenn einer sich tatsächlich zu einem Verbrecher entwickelt oder Ansätze dafür zeigt, dann sage auch ich, er hat hier nichts zu suchen. Aber auch da muss man aufpassen, wohin man jemanden abschiebt. Nach Syrien jemanden abzuschieben, hielte ich für äußerst problematisch. So schlimm es ist, muss man den dann dulden.

Im vergangenen Jahr haben mehrere Geflüchtete, die abgelehnt worden waren, Gewalt ausgeübt oder jemanden umgebracht, wie in Chemnitz. Was denken Sie, wenn Sie Nachrichten über solche Fälle hören?
Nehmen wir den Fall in Wiesbaden, diesen Iraker, der ein Mädchen umgebracht hatte. Das arme Mädchen, dachte ich zuerst, dann dachte ich an ihre Eltern und dann natürlich frage ich mich, was hat dieser Idiot gemacht, das wird doch jetzt gegen andere Asylbewerber verwendet. Andererseits schauen Sie mal auf Bottrop, in zwei Wochen kräht kein Hahn mehr danach.

Der Bottroper Fahrer soll psychisch krank sein.
Ja, klar. Dass auch Asylbewerber psychisch erkrankt sein können, darüber denkt niemand in der Aufregung nach.

Haben viele Ihrer Mandanten psychische Erkrankungen?
Das ist schwer zu sagen, man merkt es ihnen nicht gleich an. Bei den Afghanen kommt es relativ häufig vor, gerade bei sogenannten Tanzjungen. Die Taliban stecken sie in Frauenkleider, sie werden vergewaltig, diese Menschen sind ziemlich fertig, um es klar zu sagen.

Sie haben solche Mandanten?
Ja.

Welche Perspektiven haben die?
Deren Chancen sind gut, anerkannt zu werden. Aber auch da gibt es Absurditäten. Ich hatte einen Fall, in dem das Gericht sagte, der Mandant sei ja nun 18 Jahre alt und die Taliban würden keinen über 18 als Tanzjungen nehmen. Das ist völliger Quatsch.

Und in der Lebensperspektive? Sie sind traumatisiert, haben kaum Bildung …
Bei den Afghanen sehe ich, dass sehr viele sich bemühen, hier Fuß zu fassen. Es gibt auch Analphabeten, den Hirten aus den Bergen, den können Sie als Autowäscher einstellen, was bleibt ihm anderes übrig?

Jüngere Gewaltstatistiken zeigen, dass Afghanen bei Delikten mit Stichwaffen überproportional häufig vorkommen.
Ich glaube, das ist so, ja. Das hat verschiedene Gründe. Als Erstes kommen aus der Gruppe der Betreffenden, die in diesem Alter sind, sehr, sehr viele. Und es klingt jetzt doof, aber in diesem Alter gehören Messerstechereien leider oft dazu, auch unter Deutschen. Zweitens sind die Leute Gewalt gewohnt, sie haben gelernt, dass ihnen Gewalt angetan wird, und sie haben gelernt, dass sie sich mit Gewalt wehren können. Und das hier in Deutschland abzulegen fällt manchen leider sehr, sehr schwer.

Das rechtfertigt nichts.
Ich kann mich an einen Fall erinnern, da habe ich den Beschuldigten gefragt, warum er überhaupt ein Messer mitgenommen hat, wenn er in eine Gaststätte geht. Er hätte immer ein Messer dabei, antwortete er. Ich erwiderte, ich trage nie ein Messer mit. Er sagte mir nur: Sie haben nie in Afghanistan gelebt.

Es gab im Rhein-Main-Gebiet Fälle, in denen afghanische Männer ihre Frauen umgebracht haben.
Zwei Fälle habe ich betreut, das heißt in einem Fall überlebte die Frau, Gott sei Dank. Aber einer aus Darmstadt ist wegen Totschlags verurteilt worden. Er hat übrigens nach dem Totschlag hier Schutz gewährt bekommen. Aus zwei Gründen, erstens hatte die Familie der Frau noch im Gerichtssaal verkündet, dass man ihn umbringen werde, sobald er in Afghanistan ist. Und zweitens ist er zum Christentum übergetreten, das hat das Gericht als glaubhaft angesehen. Er steht jetzt unter Abschiebeverbot. 

Wenn Sie all die Geschichten Ihrer Mandanten hören, können Sie deren Erlebnisse über Gewalt, Krieg und über die Flucht im Büro lassen, oder schleppen Sie die mit nach Hause?
Mein Büro ist in Wiesbaden, und wenn ich rausfahre und das Wiesbadener Kreuz erreicht habe, habe ich die Hälfte schon wieder vergessen. Das muss auch sein. Mein Arzt sagt, er kann auch nicht mit jedem Patienten sterben, den er hat. Man muss durchaus hart mit sich selbst sein, aber es gelingt nicht immer.

Welcher Fall lässt Sie nicht los?
Irgendwann vernarbt fast alles, aber im Moment habe ich den Fall eines älteren Paares, der mir sehr nahe geht. Es ist ein Paar aus Armenien beziehungsweise aus Aserbaidschan. Sie sollen zurück mit der Begründung, sie seien hier auf Sozialhilfe angewiesen und könnten nicht für sich selbst sorgen. Das ist zwar richtig, aber das Ausländerrecht sieht auch eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen vor, das hat die Ausländerbehörde nicht geprüft. Außerdem ist das Problem, dass der Mann aus Armenien stammt, die Frau aus Aserbaidschan, aus der Bergkarabach-Region. Der Mann darf nach Armenien nicht abgeschoben werden. Aber die Ausländerbehörde sagt: Sollen die doch beide nach Aserbaidschan.

Sehen Sie eine Chance für die?
Ja, in der Verfügung sind so viele handwerkliche Fehler drin, ich denke schon, dass der Fall zu gewinnen ist.

Junge geflüchtete Männer werden oft als ein Risiko dargestellt, was ist mit den Frauen?
Junge Frauen aus Afghanistan oder Syrien, die ich kenne, sehen hier eine Chance, sich zu emanzipieren. 

Nutzen sie die Chance auch?
Wenn sie unverheiratet sind, dann gibt es in den meisten Fällen Stress mit den Eltern. Nur wenige reagieren so, dass sie ihre Töchter unterstützen und zum Beispiel einer Ausbildung zustimmen.

Jüngst sagte der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber: „Wir können nicht alle integrieren“, das ist wohl das neue „Das Boot ist voll“. Viele Kritiker des Zuzugs von Migranten und Flüchtlingen sagen, dass die patriarchale Strukturen mitbrächten und die Frauen unterdrückten.
Das ist teilweise richtig, aber dass man die Leute nicht integrieren kann, das halte ich für falsch. Ich hab anfangs sehr viele syrisch-orthodoxe Christen vertreten. Bei ihnen merken Sie an der Verhaltensweise keine Unterschiede mehr. Sie sprechen gut Deutsch, haben gute Jobs. Warum sollte das bei anderen nicht klappen? Integration braucht Zeit und oft gelingt sie, wenn Nachwuchs da ist.

Inzwischen treten auch die Grünen beim Thema Asylrecht rhetorisch robuster auf.
Das erstaunt mich. Das ist aber auch so, dass das Asylrecht und das Ausländerrecht eher eine komplizierte Materie sind. Und viele Leute, die sich dazu öffentlich äußern, haben wenig Ahnung davon. Ich habe hier in Hessen mit einem Landtagsabgeordneten der Grünen lange diskutiert, er wusste nicht, wie so ein Asylverfahren abläuft.

Um was ging es?
Um Afghanistan. Er sagte mir, man wisse so wenig über das Land. Ich bot ihm an, ein Gutachten zu besorgen, das die Wissenschaftlerin Friederike Stahlmann gemacht hat, es ist 400 Seiten dick. So viel könne er nicht lesen, sagte er. Aber wie will er mit mir dann über den Abschiebestopp reden? So etwas ist nicht gut. Nur um Wählerstimmen zu kriegen, darf ich doch nicht meine politischen Grundhaltungen aufgeben.

Haben aus Ihrer Sicht die Grünen das gemacht?
Ja, gerade in der Flüchtlingsfrage.

Sie hadern mit den Grünen?
Ich habe den Eindruck, dass sich einige Grüne nicht mehr positionieren wollen, um manche Wähler nicht abzuschrecken. Die Partei ist im Aufschwung, das ist sicher sehr schön für sie, aber man muss aufpassen, dass man ausländerpolitische Positionen anderer Parteien nicht nachredet. Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum man in Hessen keinen Abschiebestopp für Afghanen durchsetzt.

Wie schnell wollen Sie in den Ruhestand gehen?
Ich will nach und nach reduzieren, aber es ist schwer jemanden zu finden, der übernimmt.

Hätte ich beim Asylrecht nicht gedacht.
Ach, i wo! Ich habe schon mehrere Anzeigen aufgegeben, die Bewerbungen sind dürftig. Manche können zwischen Asylrecht und Ausländerrecht nicht unterscheiden und hier geht es um Menschen, nicht um irgendwelche zivilrechtlichen Ansprüche, da kann man sich grobe Schnitzer nicht erlauben. Und ich habe den Eindruck, den Leuten fehlt der Mut zum Risiko, Mut, sich selbstständig zu machen.

Worauf freuen Sie sich denn, wenn Sie in den Ruhestand gehen? Die Schiffsmodelle hier im Regal, ist das ein Interesse von Ihnen?
Ja, vielleicht schaffe ich es doch noch, alle meine Schiffe fertig zu bauen.

Haben Sie noch viele?
An die hundert, die haben sich angesammelt, ich dachte, ich kann mal im Urlaub welche zusammenkleben, aber …
Reinhold Wendl steht auf, geht aus dem Zimmer, kommt mit einem Bogen Papier wieder. Die Anleitung für ein Schiff, auf einzelnen Seiten sind gestrichelte Linien der einzelnen Bauteile.
… das ist ein kleines Versorgungsschiff. Man muss die Teile ausschneiden und zusammenkleben. Das Ausschneiden ist nicht das Problem, das Problem ist das Zusammenkleben. Alles klebt an den Fingern.

Hat es etwas Meditatives?
Man muss nur aufpassen, sagt meine Frau immer, dass man sich da nicht erneut unter Erfolgsdruck setzt. Ich mache deswegen keine Segelschiffe, da kann man verrückt werden mit all den Fäden.

Klingt nach Stress.
Und den brauche ich nicht. Ich hatte im Oktober 2010 einen Herzinfarkt, ging Gott sei Dank glimpflich ab. Seitdem laufe ich viel, gehe wandern. Ich nehme mir vor, monatlich 20 Stunden zu wandern, das schaffe ich auch.

War der Job schuld?
Ich hatte damals, das muss ich mal sagen, auch ungesund gelebt. Abends hatte ich immer mein Frustessen, das geht auf Dauer nicht gut. Und ich war Stadtverordneter für die „Gohl“, Grüne offene Hofheimer Liste. Da waren die unterschiedlichsten Typen drin, eine sehr lustige, interessante Gruppe. Ich wurde als fürchterlicher Realo angesehen, wenn ich sagte, dass etwas nicht geht oder nicht in Ordnung war.

Sie sind ja auch Strafverteidiger.
Eben. Jedenfalls waren das Büro und die Politik zusammen zu viel. Ich war kaum zu Hause. Ich habe die Politik aufgeben, unmittelbar vor dem Herzinfarkt.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz nach 40 Jahren als Anwalt für Asylrecht aus?
Wenn ich überlege, wie vielen Leuten ich geholfen habe, in Deutschland zu bleiben … Manchmal sprechen mich die Menschen auf der Straße an, fragen, ob ich mich noch an sie erinnere. So etwas ist ganz schön.

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