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Heldenmut ohne Waffen

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Von: Peter Rutkowski

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Ukraine-Krieg - Dnipro
In Dnipro – hier ist das Gebäude eines Geschäfts für Haushalts- und Bauwaren durch den Beschuss des russischen Militärs beschädigt worden – haben zig Feuerwehrkräfte des Landes nach einem Raketenangriff geholfen. © dpa

Zivile Einsatzkräfte leisten Übermenschliches in der Ukraine – und das weitestgehend unbeachtet internationaler Medien.

Dnipro – In Frankreich ist die Feuerwehr ein paramilitärischer Verband im Dienste des Staates. An jedem 14. Juli marschieren sie mit geschulterten Äxten und Sturmgewehren quer über der Brust auf den Champs-Elysées mit. Die ukrainischen Feuerwehrleute haben keine Zeit für Paraden, aber auch ohne Applaus und Fahnen und Jubel können sie wohl sicher sein, dass ihre Mitmenschen in diesen Tagen – seit nun 143 Tagen insgesamt – ihnen ohne Vorbehalt dankbar sind für ihren Beitrag im Kampf um die Freiheit und das Überleben der Ukraine.

38 Stunden lang schufteten am Wochenende 90 von ihnen in Dnipro, um den Brand einer Industrieanlage einzudämmen, der von einer russischen Rakete verursacht wurde. Mindestens drei Menschen wurden getötet, mehr als ein Dutzend liegen verletzt im Krankenhaus.

Ukraine-Krieg: Dnipro unter permanenten Beschuss

Dnipro ist keine Frontstadt. Gleich hinter der Front im äußersten Süden liegt Mykolajiw. Die russischen Invasoren wollten die wichtige Industriestadt – quasi das Tor nach Odessa – gleich zu Anfang des Ukraine-Krieges erobern, aber bis heute verweigern die ukrainischen Streitkräfte ihnen das. Deshalb schießt die russische Artillerie fast unentwegt in die Stadt. Aus Frustration, aus Rache oder weil man hofft, dass Trümmerberge eher aufgegeben werden. Sonntagmittag traf wieder eine Rakete Mykolajiw. Ob es Opfer gab, war nicht zu erfahren.

Fachleute sehen in den meisten der Artillerie- oder Luftschläge der Russen deren Offensivdoktrin, die da besagt, dass man ein Ziel so lange beschießt, bis alle Verteidiger tot oder fort sind. Zivilpersonen sind nicht relevant in dieser Doktrin. In den nächsten Tagen wird erwartet, dass diese russische Vorgehensweise sich in dem Donbass-Frontdreieck Siwersk-Slowjansk-Bachmut wieder intensiviert. Nach Aussagen des russischen Verteidigungsministeriums seien dort ihre Angriffskräfte neu gruppiert und bereit zum Angriff.

Dann werden wieder ukrainische Militärs und Zivilpersonen sterben. Auf Städte wie auf Winnyzja, fern allen Kampfgeschehens, werden als Terror und zur Zermürbung Raketen und Granaten herabregnen. Und es werden wieder Vierjährige wie Liza aus Winnyzja sterben, die am Sonntag zu Grabe getragen wurde. (Peter Rutkowski)

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