US-Präsident Donald Trump in Kalifornien.
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US-Präsident Donald Trump in Kalifornien.

Politik

Heißes Thema

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
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An vielen Orten im Land brennt es und plötzlich geht es im US-Wahlkampf ums Klima.

Der Zwischenstopp im Katastrophengebiet dauerte gerade mal anderthalb Stunden und an neuen Erkenntnissen war Donald Trump sichtbar nicht interessiert. „Es wird anfangen, kühler zu werden. Schauen Sie einfach zu“, riet er dem kalifornischen Umweltminister Wade Crowfoot, dessen Bundesstaat von katastrophalen Waldbränden heimgesucht wird. „Ich wünschte, die Wissenschaft würde Ihnen zustimmen“, konterte dieser. „Ich denke nicht, dass die Wissenschaft es wirklich weiß“, wiegelte der US-Präsident ab.

Trump hält die von Menschen verursachte globale Erderwärmung für ein Märchen. Die wochenlangen schweren Waldbrände, die bereits ein Gebiet von der Größe von Rheinland-Pfalz verwüstet haben, und auch die Hurrikans, die sich immer häufiger an der Golfküste im Südosten ereignen, rücken jedoch den Klimawandel plötzlich in den Fokus des Wahlkampfs.

Larry Weyand (l.) steht vor dem Nichts: Die Brände haben sein Haus in Estacada in Oregon zerstört.

„Ereignisse, die uns sonst einmal in jeder Generation heimsuchten, passieren nun jedes Jahr“, sagte der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden: „Die unbestreitbare, zunehmende, sträfliche Realität“ der Klimawandels erfordere „Handeln, nicht Leugnen“. Biden hatte kurz vor Trumps Besuch in Kalifornien eine Pressekonferenz zum Thema angesetzt. Zwar wollte er den Präsidenten, den er einen „Klimabrandstifter“ nannte, nicht persönlich für die Häufung von Naturkatastrophen verantwortlich machen, warnte aber: „Wenn er eine zweite Amtszeit bekommt, werden diese höllischen Ereignisse noch häufiger, noch zerstörerischer und noch tödlicher werden“.

Drei Wochen lang hatte Trump zu den Waldbränden in Kalifornien, Oregon und Washington komplett geschwiegen. Einen Reporter, der sich erkundigte, warum er das Katastrophengebiet nicht früher besucht habe, rüffelte er am Montag für diese „widerwärtige Frage“. Die Feuer führt der Präsident allein auf schlechtes Forstmanagement zurück: Abgestorbene Bäume seien nicht aus dem Wald entfernt worden und würden nach einer Trockenperiode nun wie Streichhölzer brennen. Für die Versäumnisse macht er den demokratisch regierten Bundesstaat Kalifornien verantwortlich.

Himmel in Orange

Auf vielen Bildern der US-Westküste, die derzeit um die Welt gehen, ist der Himmel tief orange gefärbt. Etwa die Umgebung der Golden Gate Bridge in San Francisco, deren Pfeiler im Dunst nicht mehr zu erkennen sind – obwohl in der Nähe gar keine Feuer lodern. Das liegt daran, dass die Sonne kaum gegen den Dunst ankommt: Starke Winde haben Asche aus den Waldbrandgebieten über das Land getragen und den Himmel verdunkelt. Die Partikel streuen blaues Licht und lassen nur gelb-orange-rotes Licht an die Oberfläche, wie die Behörde für Luftqualität in San Francisco erklärte. (thh/dpa)

Experten räumen ein, dass die mangelnde Waldbewirtschaftung die Brände beschleunigt. Allerdings wies der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom darauf hin, dass nur drei Prozent des Landes unter Kontrolle seines Staates stehen. 57 Prozent gehören dem Bund. Vor allem aber ist sich die überwiegende Anzahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einig, dass der Klimawandel Extremwetter wie die Rekordhitzeperiode und Starkwinde befördert, die den zerstörerischen Flammen derzeit Nahrung geben. „Alles, was wir in der Vergangenheit unterlassen haben, rächt sich nun in der Gegenwart“, sagte der Umweltforscher und Buchautor Char Miller der „Washington Post“.

Hier ist nicht mehr viel übrig.

Biden gibt sich grün

Tatsächlich hat Trump in seiner Amtszeit frühere Umweltgesetze massiv zurückgenommen. Er lockerte etwa die Energieeffizienzstandards für Autos, hob die Grenzwerte für Emissionen von Kraftwerken an, kippte die Widerspruchsmöglichkeiten von Bürgern gegen umweltschädliche Vorhaben in ihrer Nachbarschaft, erlaubte das Off-Shore-Drilling und öffnete vorher gesperrte Gegenden in Nationalparks für die Öl- und Gaserkundung. „Trump leitet ein Zerstörungsrennen gegen unsere Umwelt, das gestoppt werden muss“, sagte der ehemalige kalifornische Gouverneur Jerry Brown, ein Pionier der amerikanischen Umweltgesetzgebung.

Biden versprach ein Zwei-Billionen-Dollar-Programm für den Umstieg auf erneuerbare Energien, den Bau von 500 000 Ladestationen für Elektroautos und die Senkung des CO2-Ausstoßes auf null im Energiesektor bis 2035. Noch weitreichendere Forderungen der Parteilinken erwähnte der Kandidat jedoch nicht.

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