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Chaudhry Zulfiqar, Hauptermittler im Mordfall Benazir Bhutto, ist selbst Opfer eines Anschlags geworden.

Bhutto-Mord

Hauptermittler im Fall Bhutto ermordet

Chaudhry Zulfiqar war auf dem Weg zum Anti-Terror-Gericht, als er selber zum Opfer eines Anschlags wurde: Unbekannte erschossen den leitenden Staatsanwalt im Mordfall Benazir Bhutto in Islamabad.

Eine Woche vor der Parlamentswahl in Pakistan haben Unbekannte am Freitag einen Staatsanwalt erschossen, der im Fall der ermordeten früheren Premierministerin Benazir Bhutto ermittelte. Die Täter feuerten auf einer belebten Straße in Islamabad zahlreiche Kugeln auf das Auto von Chaudhry Zulfiqar, wie die Polizei am Freitag mitteilte. In der südlichen Hafenmetropole Karachi wurde unterdessen erstmals ein Kandidat für die Parlamentswahl getötet.

Unbekannte hätten am Freitag von einem Motorrad aus das Feuer auf Chaudhry Zulfiqars Auto nahe dessen Haus in Islamabad eröffnet, sagte ein Polizeisprecher. Zulfiqars Leibwächter sei verletzt worden. Eine Passantin sei gestorben, als Zulfiqar die Kontrolle über seinen Wagen verlor und die Frau überfuhr.

Zulfiqar sei nach dem Angriff auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben, teilten Rettungskräfte mit. Ein Polizeibeamter sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Staatsanwalt habe zum Zeitpunkt des Angriffs selbst am Steuer seines Wagens gesessen, die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und eine Passantin totgefahren. Sein Leibwächter wurde verletzt. Nach Polizeiangaben wurde das Auto von mindestens zwei Seiten gleichzeitig angegriffen. Die Angreifer konnten demnach fliehen.

Zulfiqar sollte am Tag seiner Ermordung an dem Verfahren zum Bhutto-Mord teilnehmen. Er war auf dem Weg zum Anti-Terror-Gericht in der nahe gelegenen Garnisonsstadt Rawalpindi, als er erschossen wurde. Der private Sender Geo TV berichtete, die Anhörung sei auf den 14. Mai vertagt worden. Anwälte in Rawalpindi legten aus Protest wegen des Mords die Arbeit nieder.

Indizienbeweise für eine Schuld Musharrafs

Musharraf wird vorgeworfen, trotz der Bedrohungslage nicht für ausreichenden Schutz für Bhutto gesorgt zu haben. Er steht unter anderem deshalb mindestens bis zum 14. Mai unter Hausarrest. Musharraf hatte die pakistanischen Taliban (TTP) für den Mord an Bhutto verantwortlich gemacht, die das aber dementiert hatten. Zulfiqar hatte vor wenigen Tagen gesagt, Ermittler hätten „Indizienbeweise“ dafür, dass die Vorwürfe gegen Musharraf zuträfen.

Zulfiqars Ermittlungen standen im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Verschwörung zum Mord an Bhutto gegen Pakistans früheren Machthaber Pervez Musharraf. Bhutto war am 27. Dezember 2007 bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi ermordet worden. Bei dem Selbstmordattentat und der Schießerei wurden 16 weitere Menschen getötet. Wenige Wochen zuvor hatte sie einen Selbstmordanschlag in Karachi unverletzt überlebt.

Zulfiqar hatte zudem auch zu den Anschlägen von Mumbai mit 166 Toten im Jahr 2008 ermittelt. Indien vermutet die Drahtzieher in Pakistan. Die Ermittlungen auf der pakistanischen Seite haben aber kaum Fortschritte gemacht.

Gegen Musharraf laufen derzeit drei verschiedene juristische Verfahren. Wegen Vorwürfen zu seiner Zeit als pakistanischer Machthaber in den Jahren 1999 bis 2008 steht er derzeit unter Hausarrest. Musharraf war Ende März nach vier Jahren im Exil nach Pakistan zurückgekehrt, um zur Parlamentswahl am 11. Mai anzutreten. Die Kandidatur wurde Musharraf jedoch von mehreren Gerichten untersagt. Zuletzt verfügte ein Gericht in Peshawar am vergangenen Dienstag ein lebenslanges Politikverbot für den Ex-Präsidenten.

Bhuttos Witwer verurteilt Mord an Zulfiqar

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari, Bhuttos Witwer, verurteilte den Mord an Zulfiqar. Er ordnete eine eingehende Untersuchung an, „um die wahren Schuldigen zu entlarven“. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Seit dem vergangenen Jahr stand Zulfiqar wegen vermehrte Drohungen unter verstärktem staatlichen Schutz.

Vor der Wahl häufen sich in Pakistan Anschläge und gewaltsame Übergriffe. Seit dem 11. April wurden dabei mehr als 60 Menschen getötet. Für das von wechselnder Militärherrschaft geprägte Pakistan ist die Wahl eine Zäsur, weil erstmals nach einer vollen Legislaturperiode auf demokratischem Weg die politische Macht von einer Zivilregierung an die nächste übergeben werden dürfte.

Die Ermordung Benazir Bhuttos und Pakistans Ermittlungen

Am 27. Dezember 2007 wurde die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto bei einer Schießerei und einem Bombenanschlag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi nahe Islamabad ermordet. Bhutto war von 1988 bis 1990 und von 1993 bis 1996 Premierministerin gewesen. Sie hatte schon fünf Anschläge auf ihr Leben überstanden.

Die damalige Regierung des Militärmachthabers Pervez Musharraf beschuldigte die Taliban und deren Anführer Baitullah Mehsud des Anschlags. Die Taliban wiesen das weit von sich.

2010 brachte das pakistanische Bundeskriminalamt FIA fünf Verdächtige, die in Verbindung zu Al-Kaida und den Taliban stehen sollen, vor Gericht. Im Februar 2012 teilte Innenminister Rehman Malik mit, dass es 16 Beschuldigte im Bhutto-Fall gebe, davon seien fünf verhaftet, sechs getötet und drei weitere noch auf freiem Fuß.

Seit Anfang 2011 wurde auch der 2008 abgetretene Musharraf als Komplize mit dem Anschlag in Verbindung gebracht. Ihm wurde zudem vorgeworfen, sich nicht ausreichend um den Personenschutz von Bhutto gekümmert zu haben. Der sich im Exil befindende Musharraf erschien nicht vor Gericht und galt daher seitdem als flüchtig.

Im März 2013 kehrte er nach Pakistan zurück und wurde kurz darauf im Zusammenhang mit dem Bhutto-Fall festgenommen, unter Hausarrest gestellt und vom Hauptermittler Chaudhry Zulfiqar verhört. Es wurde erwartet, dass Zulfiqar am 3. Mai eine Klage gegen Musharraf einreichen würde - auf dem Weg zum Gericht wurde der Chefermittler selbst zum Mordopfer.

Parlamentskandidat getötet

Am Freitag wurde nun erstmals ein Kandidat für die Parlamentswahl getötet. Saddiq Zaman Khattak von der säkularen Awami-Nationalpartei (ANP) sei zusammen mit seinem dreijährigen Sohn in Karachi erschossen worden, teilte die Polizei mit. Demnach eröffneten Unbekannte von einem Motorrad aus das Feuer, als die beiden sich auf dem Weg von einer Moschee nach Hause befanden.

ANP-Chef Bashir Jan bestätigte die Angaben der Polizei. Er sagte zudem, Khattak habe Drohungen erhalten. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat, in der Regel werden aber die radikalislamischen Taliban für solche Anschläge verantwortlich gemacht. Erst Ende April war in Karachi ein Autobombenanschlag auf ANP-Anhänger verübt worden. Dabei wurden zehn Menschen getötet und 17 weitere verletzt. (afp/dpa)

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