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Hockertz unterstützt die Forderungen, Kontakte zu reduzieren – und vor allem lobt er, dass das Thema „Hygiene, Hygiene, Hygiene“ nun in den Fokus gerückt sei.

Anfeindungen

Hassmails nach Kritik an der Politik

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Der Immunologe Stefan Hockertz regt sich über die Einschränkungen in der Corona-Krise auf - und beklagt nun Anfeindungen gegen seine Person.

Er wollte eine „breite gesellschaftliche Debatte“, nun bekommt er „Beleidigungen und Drohungen“. Der Immunologe und Unternehmer Stefan Hockertz aus Baden-Württemberg hat vor wenigen Tagen in einem Radiointerview das Vorgehen der Bundespolitik gegen die Ausbreitung des Coronavirus kritisiert und das Stilllegen des öffentlichen Lebens infrage gestellt. Seitdem kursiert das Interview im Internet, und Hockertz bekommt Drohmails. „Aber 95 Prozent aller Zuschriften beginnen mit ,Dank‘“, berichtet Hockertz im Gespräch.

Was genau kritisiert Hockertz? Er hält die Ausgangsbeschränkungen für „autoritär, rechthaberisch und maßlos“. Diese Entscheidungen seien ein Fall für das Bundesverfassungsgericht. Hockertz ist nicht der Erste, der vor allem die Einschränkung der Bürgerrechte scharf kritisiert. Er selbst deutet die Resonanz auf sein Interview als den Beginn einer nötigen Diskussion.

Hockertz’ Blick auf den Umgang mit der Corona-Pandemie weicht von dem des vielfach zitierten Berliner Virologen Christian Drosten weniger in der Sache ab als im Ton und in den Schlussfolgerungen. Drosten betont sein Unwissen, verweist auf die fehlende Datenlage und auf die Verantwortung der Politik. Hockertz stützt seine Schlussfolgerungen auf Erfahrungen im Umgang mit der Grippe und kritisiert, dass deren Gefährlichkeit normalerweise unterschätzt werde. Er fordert eine stärkere Einbindung der Gesellschaft in die politischen Entscheidungen.

Hockertz unterstützt die Forderungen, Kontakte zu reduzieren – und vor allem lobt er, dass das Thema „Hygiene, Hygiene, Hygiene“ nun in den Fokus gerückt sei.

Hockertz hat als Wissenschaftler beim Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Umweltmedizin in Hamburg gearbeitet. Im Jahr 2004 wechselte er dann komplett in seine schon 1994 gegründete Beratungsfirma tpi consult – ein Unternehmen, das nach seiner Darstellung unter anderem Arzneimittel entwickelt. Seit dem Radiointerview habe er viele Gespräche mit Medizinern geführt, die seine Sicht teilten, erzählt Hockertz. Unter anderem hätten ihm Fachleute darin zugestimmt, dass die Schließung der Schulen ein Fehler gewesen sei. „So könnten wir einen wichtigen Teil der Gesellschaft durchimmunisieren“, sagt er.

Die Immunisierung bestimmter Gruppen ist Teil der Strategiediskussion. Auch Drosten äußerte sich dazu, im NDR-Podcast vom 24. März sagte er: Es sei „auch so, dass junge Personen selbst natürlich überhaupt nicht frei von einem Risiko sind. (…) Wir wollen keine Todesfälle provozieren durch irgendwelche gezielten Maßnahmen. Das ist nicht ethisch.“

Um Ethik geht es Hockertz auch, das betont er mehrmals. Er sorge sich um die Grundrechte, sagt er. Trotzdem werde er von seinen Kritikern nun in die rechte Ecke gestellt, ihm werde Mitgliedschaft in der AfD unterstellt. Und dann wird Hockertz in einem sonst ruhigen Gespräch doch emotional: „Ich will hier deutlich sein: Ich hasse diese braune Brut.“

Im Interview: Der Philosoph Jürgen Habermas über den aktuellen Zwang in der Corona-Krise, unter Unsicherheit handeln und leben zu müssen, und über seine frühe Impfung gegen den Sog von Nietzsches Prosa.

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