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Microsoft-Gründer Bill Gates und Ehefrau Melinda setzen sich mit ihrer Stiftung für eine bessere Gesundheitsversorgung weltweit ein.

Melinda und Bill Gates

Zu Hassfiguren erkoren

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Die Vorwürfe gegen Microsoft-Gründer Bill Gates und dessen Ehefrau Melinda im Faktencheck.

Der 66-jährige Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda werden von Verschwörungstheoretikern, Impfgegnern und Populisten jeglicher Couleur zu Feindbildern stilisiert. Aus ihrer Sicht ist der Selfmade-Milliardär, der sich seit Jahren als globaler Philanthrop etwa für eine verbesserte Gesundheitsversorgung engagiert, verantwortlich für so gut wie alles, was gerade in der Welt schiefläuft.

„Bill Gates scheint da als Projektionsscheibe ideal“, erklärt Nikil Mukerji, der sich als Philosoph in München mit den Phänomen der Verschwörungstheorien beschäftigt, im BR. „Gates hat viel Geld – was ihn per se für viele Menschen verdächtig macht – und er hat weit weniger unter der Pandemie zu leiden als wirtschaftlich schlechter Gestellte“, so Mukerji weiter. Viele hätten Angst um ihre wirtschaftliche Existenz oder bereits ernste Schwierigkeiten. Es sei psychologisch nachvollziehbar, so Mukerji, dass man das jemandem in die Schuhe schieben wolle und einen Schuldigen suche.

Was gegen Bill Gates in Stellung gebracht wird, sind klassische antisemitische Stereotype: Raffgier, weltumspannende Aktivitäten, ein „Gutmenschen“-Image, hinter dem sich aber Verschlagenheit verbirgt. Die Vorwürfe haben sich seit der Zeit des Nationalsozialismus kaum geändert, wahrer sind sie aber seither nicht geworden.

Behauptung 1: Gates will im Kampf gegen den Erreger den Menschen Mikrochips einpflanzen lassen – und so die totale Kontrolle erlangen.

Bewertung: Falsche Zusammenhänge.

Fakten: Gates schrieb bereits im März, dass irgendwann „digitale Zertifikate“ Auskunft darüber geben könnten, wer eine Infektion mit dem Coronavirus durchgestanden hat oder – sobald das möglich ist – dagegen geimpft ist. Diese Aussage wurde mit vollkommen anderen Projekten verrührt, die von der Gates-Stiftung unterstützt werden – etwa Forschungen zur digitalen Identifizierung, zu einer Technik, die Impfungen im Infrarotlicht auf der Haut anzeigt, sowie zu Verhütungsmethoden via Mikrochips. Mit Corona haben sie nichts zu tun.

Behauptung 2: Gates finanziert die Weltgesundheitsorganisation.

Bewertung: Das ist übertrieben. Doch gehört die Gates-Stiftung tatsächlich zu den größten Geldgebern der WHO.

Fakten: Im Budgetzeitraum 2018/2019 flossen Spenden der Gates-Stiftung in Höhe von 367,7 Millionen Dollar in WHO-Projekte. Damit war sie als zweitwichtigster Zahler nach den USA (553 Mio.) gelistet, die jüngst ihre finanzielle Unterstützung an die UN-Behörde einfror. Die Gates-Stiftung beteiligte sich damit zu 9,8 Prozent an den zweckgebundenen Spenden, die wiederum 77 Prozent des gesamten WHO-Budgets ausmachen. Kritiker bemängeln, Gates dürfe die Ziele seiner Spenden bestimmen und könne so der WHO eine Richtung vorgeben.

Behauptung 3: Die Gates-Stiftung soll die Entwicklung des neuen Coronavirus finanziert haben – inklusive Patent.

Bewertung: Entbehrt jeder Grundlage.

Fakten: Der vermeintliche Beweis: das Patent eines von der Stiftung unterstützten Instituts von 2015 mit dem Titel „Coronavirus“. Dabei geht es aber nicht um Sars-CoV-2, sondern um die Impfstoffentwicklung gegen ein Geflügelvirus aus der Gruppe der Coronaviren. In der Immunologie ist es üblich, dass Forscher das Erbgut von Erregern verändern, um sie weniger gefährlich zu machen. Diese eignen sich dann zur Herstellung von Impfstoffen. Zudem halten Wissenschaftler eine Entwicklung des neuen Coronavirus im Labor für nicht plausibel.

Behauptung 4: Gates hat seine eigenen Kinder nicht impfen lassen.

Bewertung: Abstruse Quelle.

Fakten: Gates vermeintlicher früherer Arzt soll das in den 1990er-Jahren auf einem Symposium in Seattle erzählt haben. Sein Name wurde nicht genannt. Wer diese unbelegte These in die Welt brachte, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Von Harald Stutte

Lesen Sie hier die aktuellen Entwicklungen in den USA in Zweiten von Corona

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