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Studie: Hass auf Zugewanderte nimmt in Deutschland zu

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Von: Ursula Rüssmann

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In der Anhängerschaft der AfD gibt es der Studie zufolge besonders viele Menschen mit ausländerfeindlichen Haltungen.
In der Anhängerschaft der AfD gibt es der Studie zufolge besonders viele Menschen mit ausländerfeindlichen Haltungen. © Imago/ IPON

Eine Leipziger Studie zeigt viel Zustimmung zur Demokratie – und verdeutlicht, wo diese trotzdem bedroht ist.

Leipzig – Mehr Zufriedenheit mit der Demokratie, weniger rechtsextreme Haltungen – aber zugleich deutlich mehr Hass auf Migrant:innen, vor allem Muslim:innen: Das sind die zentralen Resultate der diesjährigen „Leipziger Autoritarismus-Studie“. Die Resultate seien keineswegs Grund zur Entwarnung, betonten die Hauptautoren, die Psychologen Elmar Brähler und Oliver Decker von der Uni Leipzig, bei der Vorstellung am Mittwoch. Decker warnte, Rechtsextreme hätten „neben der Ausländerfeindlichkeit heute viel mehr Möglichkeiten, in der Mitte der Gesellschaft Anschluss zu finden, nicht weniger“. Der Anstieg etwa von Antifeminismus und Hass auf Muslime, Sinti und Roma zeige „eine Verschiebung der Motive antidemokratischer Einstellung an, nicht eine Stärkung der Demokratie“.

Positiv zunächst: Wie schon in der Vorläuferstudie 2020 ist die Zahl der Menschen mit geschlossen rechtsextremem Weltbild rückläufig, vor allem in Ostdeutschland. Zugleich unterstützen fast 90 Prozent der Befragten die Demokratie, wie sie in der Verfassung festgelegt ist – und zwar erstmals mehr in Ost- als in Westdeutschland. Wermutstropfen: Nur zwei Drittel sind zufrieden damit, wie die Demokratie konkret funktioniert. Drei Viertel stimmen dem Satz zu: „Leute wie ich haben sowieso keinen Einfluss darauf, was die Regierung tut“.

Autoritarismus-Studie: Manche Menschen in Deutschland wünschen sich mehr Autorität

Die Forschenden erkennen als Folge der Corona-Pandemie verstärkte Wünsche nach Autorität. Die Menschen akzeptierten Ohnmachtsgefühle angesichts krisenhafter Lagen, politisches Handeln wird der Regierung überlassen. Parallel nähmen aggressive Haltungen zu. An erster Stelle ist das die Ausländerfeindlichkeit. Mehr als 55 Prozent stimmten mindestens teilweise zu, dass „Ausländer“ nur nach Deutschland kommen, „um den Sozialstaat auszunutzen“. 45 Prozent haben Sympathien dafür, Migrant:innen „nach Hause“ zu schicken, wenn Arbeitsplätze knapp werden. Und sogar 53 Prozent der Befragten sehen Deutschland mindestens teilweise „durch die viele Ausländer in gefährlichem Maß überfremdet“.

Bezogen auf Parteisympathien denken 55 Prozent der AfD-Wählenden ausländerfeindlich und 30 Prozent der Linken-Wählerschaft. Unter Grünen-Anhänger:innen ist der Anteil demnach auf fast zehn Prozent gestiegen.

Menschen muslimischen Glaubens und Sinti und Roma häufig von Vorurteilen betroffen

Am meisten sind Muslim:innen sowie Sinti und Roma von Ressentiments betroffen – hier spricht die Studie von „Muslimfeindschaft“. In Ostdeutschland hat die Ablehnung von Menschen muslimischen Glaubens zugenommen: Dort würden ihnen gern 46,6 Prozent die Zuwanderung verbieten (im Westen: 23,6 Prozent). Sinti und Roma werden im Osten ebenfalls stärker abgelehnt als im Westen.

Zugenommen hat laut Studie seit 2020 auch der Antifeminismus in der Gesellschaft. Mehr als ein Viertel meint, „Frauen sollen sich wieder mehr auf die Rolle als Ehefrau und Mutter besinnen“, das sind 7,5 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren.

Studie zu Rechtsextremismus: In Krisenzeiten bieten sich Gelegenheiten für die extreme Rechte

Das Fazit des Leipziger Forschungsteams: Die Bedrohung für die Demokratie bleibt hoch. Besonders in Krisenzeiten böten Vorurteile und Rassismus „Brücken für extrem rechte Akteure“, schreiben sie. Die Menschen, die diese Haltungen teilten, seien „kontinuierlich gefährdet, sich zu radikalisieren oder von der Demokratie abzuwenden. Diese Gruppe findet sich teilweise in der Mitte der Gesellschaft.“

Die Kooperationspartner des Projekts, die grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung und die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung, fordern eine „engagierte Bildungsarbeit für die vielfältige, liberale Demokratie und Gesellschaft“. Für die repräsentative Studie waren im Frühjahr bundesweit 2522 Menschen befragt worden. (Ursula Rüssmann)

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