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Eine Frau hält am Freitag einen Fünf-Euro-Schein vor das Logo der Agentur für Arbeit.
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Der Hartz-IV-Regelsatz steigt ab 2022.

Sozialbezüge

Hartz-IV trotz Job: Jeder fünfte Empfänger muss arbeiten gehen

  • Andreas Apetz
    VonAndreas Apetz
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Jeder fünfte Hartz-IV-Empfangende geht einer Erwerbstätigkeit nach. Minijobs im Niedriglohn-Sektor sind häufig die einzige Perspektive.

Frankfurt – Arbeiten gehen und trotzdem auf Sozialleistungen angewiesen sein. Rund 860.000 Menschen in Deutschland geht es so. Das entspricht jedem fünften Hartz-IV-Beziehenden. Eine Langzeitstudie von 2010 bis 2018 des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigte, dass in diesem Zeitraum rund ein Drittel aller Leistungsbeziehenden, die in einer Familie mit Kindern leben, auch in einem Job tätig waren.

Besonders häufig betroffen seien Alleinerziehende, teilte Bertelsmann mit. „Es ist erschreckend, dass ein so hoher Anteil der Alleinerziehenden trotz Arbeit auf Transferleistungen angewiesen ist, um das Existenzminimum für sich und ihre Kinder zu sichern“, erklärte die Direktorin für Bildung der Stiftung, Anette Stein.

Doch oftmals zahlt sich die Arbeit nur geringfügig aus. Denn wer Arbeitslosengeld II bezieht, der muss auch Steuern zahlen. Nur ein kleiner Teil des zusätzlichen Einkommens darf behalten werden, ein Vermögen ansparen, ist nicht erlaubt. Laut Gesetz können Familien 100 Euro vom Verdienten einsparen, der Rest wird mit 80 Prozent versteuert.

Hartz-IV trotz Job: Haushalte mit Kindern besonders betroffen - Minijobs als perspektivloser Nebenverdienst

Mehr als jeder sechste erwerbstätige Elternteil bessert sein Einkommen mit Hartz-IV-Bezügen auf. Laut der Studie des IAB besitzen Alleinerziehende unter allen Haushaltsformen das höchste Risiko zu den Aufstockern zu werden. Gezeigt wurde außerdem, dass Singles oder kinderlose Paare im Vergleich zu Haushalten mit Kindern – alleinerziehend oder als Paar – grundsätzlich seltener Sozialleistungen beziehen müssen.

Arbeitszeit und Stundenlohn scheinen besonders entscheidend zu sein: Mehr als drei Viertel der erwerbstätigen Sozialhilfeempfängerinnen und Empfänger arbeiten zu einem Niedriglohn von weniger als zwei Drittel des jährlichen Durchschnittsstundenlohnes. Derzeit haben etwa 46 Prozent aller Aufstocker einen Minijob.

„Minijobs halten nicht, wofür sie gedacht waren – einen Einstieg in den regulären Arbeitsmarkt. Das Gegenteil ist der Fall: [Minijobs] sind zu einer Armutsfalle für viele Menschen geworden, vor allem für Frauen und Alleinerziehende“, sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK gegenüber dem ZDF. Dass die Ampel-Koalition den Lohn von Minijobs nun auf monatlich 520 erhöhen will, sei der falsche Weg. „Stattdessen sollte sie die Kinderbetreuung unbedingt ausbauen und Anreize für Arbeitgeber schaffen, Arbeitszeiten flexibler zu gestalten“, so Bentele.

Hartz-IV: Rückgang der Aufstocker während Corona-Pandemie

Während der Corona-Pandemie habe man einen Rückgang der erwerbstätigen Aufstocker:innen verzeichnet. Im Jahr 2019 habe der Anteil noch bei über 26 Prozent gelegenen, im Jahr 2021 seien es nur noch 22 Prozent gewesen, so die weiteren Auswertungen des IAB.

Den Grund für diesen Rückgang sehen die Studienautoren im Wegfall tausender Jobs in Dienstleistungsbereichen, die unter den Maßnahmen der Corona-Politik leiden. Dazu gehöre beispielsweise das Gastronomie-Gewerbe. Zudem sei die Vereinbarkeit von Arbeit und Kinderbetreuung infolge der Corona-Pandemie zu einem noch größeren Problem für Alleinerziehende geworden.

Fazit: Sozialer Aufstieg mit Kindern ist besonders schwer

Die Studie der Bertelsmann Stiftung und dem IAB macht eines deutlich: Der soziale Aufstieg mit Kindern, egal ob alleinerziehend oder als Paar, ist bedeutend schwerer als ohne. Neben der Grundsicherung sind Minijobs häufig die einzige Möglichkeit, um Geld anzusparen, bieten aber nur selten eine Aufstiegsperspektive. Überraschend ist: Die Statistiken konnten auch zeigen, dass ein neuer Partner oder eine neue Partnerin sich nicht nur auf positiv das Privat-, sondern auch auf das Erwerbsleben auswirken kann. Laut Studie würde die neue Liebe in 40 Prozent der Fälle aus der Grundsicherung herausführen.

Nichtsdestotrotz fordert die Bertelsmann-Stiftung nun eine bessere Unterstützung von Familien durch eine Kindergrundsicherung. Die Verbesserung des Hartz-IV-Systems ist ein zentrales Versprechen der neuen Bundesregierung. Derzeit liegt der Regelsatz für das Arbeitslosengeld II bei 446 Euro. Ab Januar 2022 steigen die Bezüge um drei Euro auf 449 Euro und die Ampel-Partner feilschen weiter um eine Erhöhung auf 480 Euro. Der größte Schritt könnte die Ablösung durch ein sogeannte Bürgergeld sein. (aa/afp/epd)

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