+
Liechtensteins Fürst Hans-Adam II. hat mit der Formulierung "viertes" deutsches Reich einen Eklat ausgelöst.

Liechtenstein

Hans Adams viertes Reich

  • schließen

Liechtensteins Fürst vergleicht die Bundesrepublik mit dem Nazi-Regime - und löst einen Eklat aus. Jetzt übt sich das Fürstenhaus in Schadensbegrenzung. Von Nadja Erb

Als besonders diplomatischer Zeitgenosse ist Liechtensteins Fürst Hans Adam II. ohnehin nicht bekannt. Kritiker im eigenen Ländle verglich Seine Durchlaucht auch schon mal mit DDR-Politikern. Doch diesmal richtet sich sein Angriff nicht gegen unbotmäßige Untertanen, sondern gegen die Bundesrepublik Deutschland. Diese sei "in ihren Beziehungen zum Fürstentum Liechtenstein je länger desto weniger geneigt, sich an den Grundprinzipien des Internationalen Völkerrechts zu orientieren", schrieb Hans Adam II. im Juni in einem Brief an den Direktor des Jüdischen Museums in Berlin, Michael Blumenthal. Deshalb könne er der Bitte Blumenthals um eine Leihgabe für die Ausstellung "Raub und Restitution" nicht nachkommen.

Was die Beziehungen zwischen Berlin und Vaduz betreffe, warte er auf bessere Zeiten, heißt es in dem nun veröffentlichten Schreiben weiter. Denn: "In den vergangenen zweihundert Jahren haben wir immerhin schon drei Deutsche Reiche überlebt, und ich hoffe, wir werden auch ein viertes überleben."

Damit "verharmlost er die Nazi-Verbrechen auf unverantwortliche Art und Weise", sagte Eva Söderman, Sprecherin des Jüdischen Museums. Und der Zentralrat der Juden forderte den Fürsten auf, sich bei Blumenthal zu entschuldigen. Im Auswärtigen Amt reagierte man dagegen gelassen: die Beziehungen zu Vaduz seien "eng und gut nachbarschaftlich". Dabei herrscht spätestens seit der Steueraffäre um die Liechtensteiner Bank LGT eisige Stimmung zwischen Vaduz und Berlin. Danach bezeichnete der Fürst die Ermittlungen als gezielten und sorgfältigst vorbereiteten Angriff des deutschen Geheimdienstes auf sein Land.

Inzwischen arbeitet man in Vaduz jedoch an der Schadensbegrenzung: Hans Adam II. habe "seine Äußerung, dass sich das Dritte Reich nie wiederholen möge, auf die Zukunft bezogen und damit keinen Bezug zum heutigen Deutschland hergestellt", heißt es am Donnerstag in einer Pressemitteilung aus dem Fürstenhaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion