Bischöfe zu Piusbrüderschaft

Hamburger Eiertanz

Die deutschen Bischöfe gehen in ihrer Erklärung zur Piusbruderschaft auf höfliche Distanz zu Rom.

Von HARALD BISKUP

Hamburg. Am Ende ist es weder eine "Hamburger Erklärung" geworden noch ein Hirtenwort, das am kommenden Sonntag in allen katholischen Kirchen verlesen worden wäre - sondern schlicht eine Erklärung, über deren Veröffentlichung die einzelnen Bistümer entscheiden. Was nach Wortklauberei aussehen mag, ist in Wirklichkeit von höchster Brisanz. Wie hinter den Kulissen der Hamburger Nobelherberge gemunkelt wurde, in die sich die katholischen deutschen Bischöfe zu ihrer Frühjahrsvollversammlung zurück gezogen hatten, wollte man alles vermeiden, was in Rom als Affront hätte aufgefasst werden können.

In ihrer Erklärung zum gegenwärtigen Weg der katholischen Kirche grenzen sich die Bischöfe deutlich von der ultrakonservativen Piusbruderschaft ab und stellen in Frage, ob es eine volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche geben könne.

Mit seiner Auffassung, dass die fehlende Bereitschaft der Piusbrüder zum Einlenken die Rücknahme der Exkommunikation zur Folge hätte, konnte sich der Konferenz-Vorsitzende, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, offenbar nicht durchsetzen. Vor Journalisten bekräftigte er gestern jedoch, dass er dies für die "logische Konsequenz" halte. Unmissverständlich werden die Anhänger des Traditionalistenführers Marcel Lefebvre aufgefordert, "die Glaubensüberzeugung der ganzen Kirche und besonders die Lehre der Päpste und Konzilien eindeutig zu bejahen und anzuneh-men". Die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils gehörten "unaufgebbar zur katholischen Tradition", und es werden die Texte über die Religionsfreiheit, das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen, über den Ökumenismus und über die Kirche in der Welt von heute aufgeführt. Die Kontroverse um die Piusbrüder habe gezeigt, dass die Rezeption des Konzils "auch in kirchlichen Kreisen in Deutschland zum Teil von Missverständnissen und einseitigen Interpretationen bestimmt ist".

Deutlicher als in der einstimmig verabschiedeten Erklärung kritisierte Zollitsch die geplante Weihe von Diakonen und Priestern durch Bruderschaft-Bischöfe.

Vor direkter Kritik am Papst wegen der Aufhebung der Exkommunikation scheuen die Bischöfe zurück und beklagen Management-Pannen. Die Verantwortlichen in der Kurie sollten "rasch Verbesserungen im Bereich der internen Kommunikation herbeiführen".

Zollitsch bemühte sich, die Einmütigkeit der versammelten Bischöfe herauszustellen. Nicht nur in der Verurteilung der "unsäglichen Positionen des Briten Richard Williamson zum Holocaust habe es "kein einziges Element des Zweifels" gegeben, sondern auch in der Auffassung, dass es im katholisch-jüdischen Verhältnis trotz der Irritationen "keine Wende der Wende" geben dürfe.

Vor der Schlussabstimmung hatten die Bischöfe eine Hafenrundfahrt unternommen, die sie als gemeinschaftsstiftend ("Wir sitzen alle in einem Boot") beschrieben. Dennoch hätte sich eine Reihe von Bischöfen, darunter der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, den beschlossenen Text mit Blick auf Rom etwas weniger schonungsvoll gewünscht. Seite 12

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