Bei einer Demo gegen Rassismus in Hamburg hat die Polizei 36 Jugendliche mehrere Stunden festgehalten.
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Bei einer Demo gegen Rassismus in Hamburg hat die Polizei 36 Jugendliche mehrere Stunden festgehalten.

Videos von Demos gegen Polizeigewalt

„Beispiel für rassistische Polizeigewalt“: Polizei Hamburg setzt 36 Jugendliche für Stunden fest

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Bei einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt in Hamburg hat die Polizei 36 Jugendliche mehrere Stunden festgehalten. Eine Zeugin spricht vom „Beispiel für rassistische Polizeigewalt“.

  • Bei Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt in Hamburg und Berlin kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen
  • Videos zeigen, wie die Polizei Hamburg 36 Jugendliche festhält
  • Eine Aktivistin, die Zeugin war, spricht vom „Beispiel für rassistische Polizeigewalt

Update vom Montag, 08.06.2020, 10.00 Uhr: Nach den Ausschreitungen vom Samstag (06.06.2020) und den Vorwürfen gegen den Einsatz der Polizei melden sich zwei  junge Frauen aus der schwarzen Community in der „Zeit“ zu Wort. 

Sie waren auch auf der Demonstration gegen Rassismus* gewesen, hätten den Platz aber in Richtung Hauptbahnhof verlassen. Dort seien sie gegen 20 Uhr angekommen. Polizisten und Vermummte hätten sich einander gegenübergestanden. „Die Beamten sahen aus, als würde ihnen das Spaß machen. Die Geräusche klangen wie von wilden Tieren“, wird eine der beiden in der „Zeit“ zitiert. 

Plötzlich seien die jungen Frauen von der Polizei gegen die Wand geschubst worden und hätten mit dem Gesicht zur Wand stehen müssen als Teil jener 36 Menschen, von denen im unteren Part des Artikels die Rede ist. Sie betonen immer wieder, nichts gemacht zu haben.

Eine der Frauen wurde auf ein Polizeipräsidium verbracht - weswegen, weiß sie nicht. Laut Bericht musste sie sich bis auf die Unterwäsche ausziehen, wurde fotografiert und nach zwei Stunden in einerEinzelzelle wieder frei gelassen. Es war nach Mitternacht.  

36 Jugendliche festgehalten - Vorwürfe gegen die Polizei

Erstmeldung:

Hamburg/Berlin - Seit dem Tod des Schwarzen George Floyd durch die Gewalt eines Polizisten in Minnesota/USA gehen die Menschen weltweit gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße. Auch in Deutschland demonstrierten am Wochenende rund 180.000 Menschen, um darauf hinzuweisen, dass sich dieses Problem keineswegs auf die USA reduzieren lässt. Dabei soll es teils zu unverhältnismäßigen Übergriffen von Seiten der Polizei gekommen sein. 

Polizeigewalt in Hamburg? 36 Jugendliche werden bei Demo festgehalten

Beispiel Hamburg. Dort demonstrierten am Samstag mehr als 14.000 (aktualisierte Zahlen, K.T.) auf dem Rathausplatz; die Kundgebung, die von überwiegend jungen Menschen verfolgt wurde, hatte bis 16 Uhr gedauert. Danach seien jugendliche Gruppen weiter in der Stadt geblieben, was die Polizei mit Wasserwerfern zu beenden versucht habe, wie die linke Aktivistin und Augenzeugin Emily Laquer der FR berichtet. 

Ein Wasserwerfer hätte Gruppen vor sich hergetrieben, am Hamburger Hauptbahnhof sind schließlich 36 Jugendliche von der Polizei festsetzt und an die Wand gestellt worden. Auf einem von Laquer veröffentlichten Video ist zu sehen, dass es sich hier überwiegend um Jugendliche mit einer Zuwanderungsgeschichte handelt. Viele sind unter 18, teils auch unter 16 Jahre alt.   

„Beispiel für rassistische Polizeigewalt“: Polizei in Hamburg geht gegen Demonstranten vor

Länger als zwei Stunden hätten die Jugendlichen an der Südseite des Bahnhofs in dieser Haltung mit dem Kopf Richtung Wand stehen müssen, schließlich seien sie in verschiedene Polizeiwachen gebracht worden. „Das war ein Beispiel für rassistische Polizeigewalt in Hamburg und zeigt, warum wir immer noch dagegen demonstrieren müssen“, sagt Laquer. 

Bei einer Demo gegen Rassismus in Hamburg hat die Polizei 36 Jugendliche mehrere Stunden festgehalten.

Auch die Linken-Abgeordnete Carola Ensslen war vor Ort. Auf ihre Nachfrage habe der Einsatzleiter erklärt, 36 Personen seien in Gewahrsam genommen worden, weil sie mit Gegenständen geworfen und einen Platzverweis nicht angenommen hätten. Die Polizei habe „sich sehr lange Zeit gelassen, bevor sie sie weggefahren haben. Da ist natürlich auch eine Portion Abschreckung dabei.“  

Polizeigewalt in Hamburg? Polizei erklärt Gewalt bei Demo gegen Jugendliche

Die Pressestelle der Polizei Hamburg spricht gegenüber der FR von der Festsetzung einer „Störergruppe“, die Gegenstände auf Beamte geworfen und diese angegriffen habe. Der Aufforderung, sich zu entfernen, seien sie nicht nachgekommen. Es seien „Fahrzeuge bestellt“ worden, um die teils unter, teils über 18-Jährigen in Gewahrsam zu nehmen. Ein 13-Jähriger wurde seiner Mutter übergeben, zu den 36 kämen noch elf Festnahmen hinzu.   

In der Pressemitteilung der Polizei heißt es, „dass es um 16:45 Uhr aus einer Gruppe von ca. 200 zum Teil vermummten Personen zum Flaschen- und Pyrotechnikbewurf auf Polizeibeamte“ gekommen sei. „Es erfolgte der Einsatz von Pfefferspray. Der Wasserwerfer wurde zum Schutze der eingesetzten Beamten vorgezogen.“ 24 Beamte seien leicht verletzt worden. 

War der Einsatz nicht gerechtfertigt? Schließlich sind die jungen Leute der Aufforderung der Polizei nicht gefolgt. „Der Abend in Hamburg wäre ruhig verlaufen, hätte die Polizei sich zurückgehalten, anstatt zu eskalieren. So schafft sie sich ihre Einsatzgründe selbst. Für das stundenlange Festhalten von Jugendlichen und Kindern gab es keinerlei Rechtfertigung“, sagt Augenzeugin Emily Laquer, die auch politisch aktiv ist: „Einschüchterung und Schikanen durch die Polizei sind für viele nicht-weiße Jugendliche Alltag. Deswegen waren sie gestern zu tausenden auf der Straße. Die Hamburger Polizei hatte nichts besseres zu tun, als diese schlechten Erfahrungen noch einmal zu bestätigen. So wachsen Wut und Widerstand.“  

Wie sich die Hamburger Polizei für den Gewalteinsatz rechtfertigt und was die verletzten Demonstranten dazu sagen, darüber berichtet *24hamburg.de.

Polizeigewalt in Berlin? Video zeigt heftige Auseinandersetzung bei Demo

Auch in Berlin kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen der Polizei und jugendlichen Demonstranten. Hier wurde ein schwarzer Junge, der sich von der Polizei nach einem Gespräch mit einem Beamten entfernte, von einem anderen Polizisten zurückgezogen. Dieser schlug mit einem Schlagstock in der Faust in Richtung seines Gesichts – ein Pfeffersprayeinsatz folgte. 

Die Pressemitteilung der Polizei wurde nachträglich ergänzt.

Unterdessen demonstrierten am Samstag in Frankfurt 8.000 Menschen gegen rassistische Polizeigewalt. Die Demo verlief jedoch friedlich.

Ob sich etwas ändert am Rassismus, hängt davon ab, ob sich diesmal eine dauerhafte Bewegung entwickelt. Ein Kommentar zur „Black-Lives-Matter"-Bewegung.

* 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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