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Mitglieder der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Hamas-Flügels, im Gaza-Streifen.
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Mitglieder der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Hamas-Flügels, im Gaza-Streifen.

Gaza

Hamas geht überraschend auf Fatah zu

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Gaza-Führung bietet Präsident Abbas Versöhnungsschritte an: Die islamistischen Herrscher wollen einen Teil ihrer Macht an die moderate Palästinenser-Führung abtreten.

Die Hamas hat am Sonntag ein überraschend pragmatisches Angebot präsentiert. Die islamistischen Herrscher in Gaza sind demnach bereit, einen Teil ihrer Alleinmacht an die moderate Palästinenser-Führung abzutreten. Die Behelfsverwaltung, die die Hamas vor einem halben Jahr nach dem Scheitern der nationalen Einheitsregierung eingesetzt hatte, soll aufgelöst werden. Damit verbunden ist die Einladung an die Autonomiebehörden in Ramallah, wieder politische Verantwortung im Gazastreifen zu übernehmen. Ferner sprach sich die Hamas für allgemeine Wahlen aus sowie für direkte Versöhnungsgespräche mit ihren Rivalen von der Fatah. „Wenn das alles stimmt, sind das gute Nachrichten“, reagierte ein hoher Fatah-Sprecher. 

Auf den ersten Blick scheinen die wirtschaftlichen Sanktionen, die Präsident Mahmud Abbas in den vergangenen Monaten verhängt hatte, die Hamas nachgiebiger gemacht zu haben. Die Stromkrise und auch die Probleme der Krankenversorgung in Gaza hatten sich stark verschärft.  Der Zeitpunkt, den die Hamas für ihre Ankündigung wählte, beschert Abbas aber ein Dilemma. Für Mittwoch ist ein Treffen zwischen ihm und Donald Trump am Rande der UN-Generalversammlung in New York geplant. Abbas hofft, von dem US-Präsidenten endlich ein Bekenntnis zu einer Zwei-Staaten-Lösung zu erhalten. Das dürfte kaum gelingen, wenn Abbas zuvor einem weiteren Versuch der Aussöhnung mit der Hamas, von den USA als Terrororganisation eingestuft, zustimmt. 

Verstehen lässt sich der Kurswechsel der palästinensischen Islamisten nur im regionalen Kontext. Die Hamas ist mehr denn je auf ein Auskommen mit Ägypten angewiesen. Ihre einzige Option, Gaza aus der Isolation zu führen, ist eine Öffnung des Grenzübergangs Rafah zur Sinai-Halbinsel. Deshalb hatte die Hamas vorige Woche Politbüro-Chef Ismael Hanija und eine hohe Delegation aus Gaza, angeführt von dem zum militanten Flügel gerechneten Jehije Sinwar, zu Gesprächen nach Kairo geschickt. Daran beteiligt waren zuletzt ebenso einige Fatah-Vertreter. 

Die Fäden dabei zog Mohammed Dahlan, der selber aus Gaza stammt, von Abbas jedoch als parteiinterner Kritiker aus der Fatah ausgeschlossen wurde. Dahlan wird nachgesagt, das Vertrauen von Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi zu genießen, beste Kontakte zu den Vereinigten Arabischen Emiraten zu pflegen und mit ihrem Rückhalt ein Comeback als eigentlicher Machthaber in Gaza anzustreben. Auch mit Hardliner Sinwar, der als Hamas-Führer Realpolitik betreibt, kann Dahlan offenbar. 

All dies trägt dazu bei, dass die Abbas-Behörden sich im Falle ihrer Regierungsübernahme in Gaza vermutlich mit einer Schattenrolle begnügen müssten. Die Hamas mit ihrem bewaffneten Flügel bliebe „der Herr am Platz“, so der israelische Extremismusforscher Kobi Michael. Ihr Angebot signalisiere aber auch an Israel, so Michael, „dass die Hamas keine Eskalation will, sondern viel mehr am Wiederaufbau in Gaza interessiert ist“. 

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