1. Startseite
  2. Politik

Haltung, weit über normales Ethos hinaus

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michel Friedman

Kommentare

Verleihung  Werner Holzer Preis
Preisträgerin Katrin Eigendorf. © Monika Müller

Michel Friedman würdigt die ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf, die seit Jahren aus Kriegsgebieten berichtet - zuletzt aus der Ukraine.

Ich darf heute mit Katrin Eigendorf eine Frau ehren, die mich seit Jahren zutiefst und stark beeindruckt. Eine Frau, die eine Haltung hat, ohne dass sie deshalb in ihrer Arbeit parteiisch wird. [...]

Katrin Eigendorf musste in den letzten Jahren eine besondere Arbeit leisten. Sie war an Orten tätig, wo es Krieg, Menschenhass, Mord, Vergewaltigung, Verstümmelungen gab. Sie war in Afghanistan, als auch Deutschland plötzlich verschwand. [...] Wo man Millionen Menschen zuerst Hoffnung gemacht und sie dann alleine gelassen hat. Menschen, die für Deutschland und für die Demokratie gearbeitet und sich auf unser Wort verlassen haben.

Zur Person

Katrin Eigendorf , geboren 1962, ist Reporterin der ZDF-Redaktion Aktuelles mit Schwerpunkten in Afghanistan, der Ukraine, Russland, Libanon, Irak und in der Türkei. 2021 berichtete sie aus Afghanistan über die Rückkehr der Taliban, seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 informiert sie das Publikum über das dortige Kriegsgeschehen. mben

Wir haben sie zurückgelassen. Davon hat die gebliebene Korrespondentin erzählt, so lange es ging. [...]

Und jetzt der Krieg in der Ukraine. Eigendorf spiegelt uns die Werte wider, von denen wir hier zwar reden, aber zögerlich, schüchtern, und teilweise überfordert damit, wie wir der Ukraine helfen sollen. In ihrer und anderer Kollegen Berichterstattung sehen wir: Diese Korrespondenten könnten jetzt auch sterben. Damit geht sie weit über das normale Ethos hinaus. [...]

Ich bin leidenschaftlich frei. Dazu gehört substanziell eine freie, vielfältige Presse. [...] Ich habe keine Angst vor der Vielfalt der Menschen, auch nicht im Journalismus, sondern vor ihrer Einfalt. [...] Ich danke Katrin Eigendorf, dafür, in tiefer Glaubwürdigkeit hinterlegt zu haben, wofür sie steht. Ich bin gerne Journalist, weil ich weiß, dass es so großartige Journalistinnen wie sie gibt .

Aufgezeichnet von Daniel Roßbach

Werner Holzer Preis

Ausgezeichneten Auslandsjournalismus prämiert die Karl-Gerold-Stiftung zusammen mit der FR. Eine Jury zeichnet einmal im Jahr mindestens eine Persönlichkeit aus.

Zum ersten Mal wurde der Preis im Jahr 2022 im Kaisersaal im Römer vergeben. Neben Katrin Eigendorf (ZDF) wurden Andrea Böhm (Die Zeit) und Chistoph Reuter (Der Spiegel) ausgezeichnet.

In seiner Preisrede würdige Jury-Vorsitzender Michel Friedman die Bedeutung des Auslandsjournalismus: „Auslandsjournalismus, ist unsere Gehirn-Erweiterung. Ist unsere Perspektiven-Erweiterung. Ist unsere Chance zu verstehen, was außerhalb von uns passiert.“

Webseite des Preises: www.werner-holzer-preis.com

Auch interessant

Kommentare