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Wie geht es in der Corona-Krise weiter?

Corona-Krise

Ein halbwegs einheitliches Bild

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Die Bund-Länder-Konferenz streitet über Spielplätze – und fasst dann doch einen Beschluss.

Es gibt diesen Moment, in dem aus der Corona-Krise kurz eine Werbeveranstaltung wird und gleichzeitig der Vorhang ein wenig beiseite rutscht. Für ein paar Sekunden gibt es am Donnerstag einen freien Blick auf die unschönen Seiten der Politik. Und das beginnt ausgerechnet mit einer Frage nach mehr Leichtigkeit: Die Ministerpräsidenten der Länder haben mit Kanzlerin Angela Merkel erneut über die Krise gesprochen und in der Pressekonferenz will ein Journalist wissen, wie es denn wohl werde mit dem Sommerurlaub in diesem Jahr.

„Ich kann nur zu Dingen profunde Aussagen machen, die ich überblicken kann“, antwortet Merkel streng und direkt zugleich. „Reisen steht jetzt noch nicht auf der Agenda.“ Keine Leichtigkeit mehr, keine Entspannung. Dabei hat Merkel gerade noch aufgezählt, wo es Lockerungen gibt und noch weitere in Aussicht gestellt. Söder schaltet sich ein. Als derzeitiger Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist er nach Berlin gereist, genauso wie Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher als Vertreter der SPD-geführten Länder. Ihre Kollegen waren zur Verhandlungsrunde per Video zugeschaltet.

Für Söder kann es eigentlich nicht besser laufen: In der größten Krise seit Jahrzehnten sitzt er neben der Kanzlerin und kann erklären, wie es weitergehen soll. Der Bayer hat gute Umfragewerte, er wird als Unions-Kanzlerkandidat gehandelt. Er dementiert regelmäßig entsprechende Ambitionen. Aber zuweilen wirkt es, als sei eher Merkel zu Gast bei Söder, nicht umgekehrt – zum Beispiel wenn dessen Vortrag so lang wird, dass man vergessen kann, dass Merkel bereits gesprochen hatte.

Aber es geht ja ganz konkret auch um den Sommerurlaub: Wenn Auslandsreisen noch nicht möglich seien, müsse man „ja nicht nach Österreich fahren“, verkündet Söder nach Merkels zurückhaltender Antwort. „Man kann auch in Bayern Urlaub machen.“ Er lächelt breit. Ein paar Wochen lang hat Söder den strengen Beschränker gegeben, jetzt wird er zum König der Gemütlichkeit und Vertreter des bayerischen Tourismusverbands. „Der Norden hat auch Supermöglichkeiten“, wirft Merkel ein – und behält nicht das letzte Wort. „Damit ist geklärt, wo man hinfährt“, sagt Söder. „Nach Norden oder Süden. Der Westen ist nicht dabei.“ Damit ist auch geklärt, dass der Wettkampf zwischen Söder und Armin Laschet, dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und ebenfalls möglichen Kanzlerkandidaten, andauert.

Es passt dazu, dass die Ministerpräsidenten kurz zuvor beschlossen haben, dass die Spielplätze wieder aufmachen sollen. Die Runde diskutiert eine Weile darüber. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) etwa warnt, die Bewältigung der Corona-Krise auf dem Rücken der Eltern auszulassen. Denn Kontaktbeschränkungen auf Spielplätzen – wie soll das gehen?

Aber Berlin hat schon Tatsachen geschaffen, die Flatterbänder um Sandkästen und Rutschen sind weg oder zerrissen. Auch andere Länder drängen. Also doch: Spielplätze auf. „Bereinigende Maßnahmen“, so nennt Tschentscher das anschließend beschwichtigend. Es heißt nichts anderes als: Wir versuchen, ein zumindest halbwegs einheitliches Bild abzugeben.

Aber eben nur halbwegs. In einigen Ländern dürfen Besucher an diesem Wochenende bereits wieder in die Tierparks, in anderen erst im Laufe der nächsten oder übernächsten Woche. Auch bei Museen, Ausstellungen und Gedenkstätten gibt es keinen bundesweit einheitlichen Zeitpunkt für eine Öffnung. Und auch wann Gläubige für Gottesdienste wieder in die Kirchen und andere Gotteshäuser kommen dürfen, ist vielerorts noch nicht endgültig klar. Die „Bereinigung“ bei den Ladenöffnungen wird verschoben, obwohl es da auch ein bisschen durcheinander geht und mittlerweile schon Gerichte die Bund-Länder-Begrenzung auf 800 Quadratmeter Ladenfläche kassiert haben. Auch die Gastronomie wird sich gedulden müssen. Unter Alkoholeinfluss werde es schwierig mit dem Abstandhalten, sagt Söder. Einige Länder haben die Öffnung von Sporteinrichtungen schon angekündigt. Aber auch dieser Punkt wird vertagt.

Merkel kündigt „sehr klare Entscheidungen“ an

Für die Schulen verrät Merkel schon mal so viel: Es würden nicht entweder die großen oder die kleinen Schüler wieder in die Klassenzimmer zurückkehren dürfen. „Es wird eher ein paralleler Prozess verschiedener Altersgruppen.“ „Sehr klare Entscheidungen“ werde man dazu in der kommenden Woche treffen, kündigt Merkel an. „Vorsicht bleibt das Gebot.“

Das gilt auch für Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der die Kontrollen an deutschen Grenzen verlängern will. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt derweil eine Ausweitung der Tests auf das Virus auch bei leichten Symptomen, etwa in Heimen. Private Pflegeanbieter sind besorgt über Pläne in einigen Ländern, die strengen Besuchsregelungen in stationären Einrichtungen wieder zu lockern. „Altenpflegeheime dürfen nicht zum Spiel auf Leben und Tod werden“, warnte der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) am Freitag. (mit dpa)

Ansteckung

Kinder  sind einer Analyse in Deutschland zufolge in der gegenwärtigen Coronavirus-Pandemie vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Forscher warnen aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland. Die Zahl der Viren, die sich in den Atemwegen nachweisen lasse, unterscheide sich bei verschiedenen Altersgruppen nicht, berichtet das Team um den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité in einer vorab veröffentlichten und noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Studie. dpa

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