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Nach der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse am 7. Juli 2021 fährt ein Polizeikonvoi vor der Präsidentenresidenz in Port-au-Prince an einer mit dem Bild des Präsidenten bemalten Wand entlang.
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Nach der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse am 7. Juli 2021 fährt ein Polizeikonvoi vor der Präsidentenresidenz in Port-au-Prince an einer mit dem Bild des Präsidenten bemalten Wand entlang.

Anschlag auf Präsident Jovenel Moïse

Präsidentenmord in Haiti: Alle drei Ermittler tauchen ab

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Mehrere Beamte, die den Mord an Haitis Präsident Moïse untersuchen, werden bedroht. Sie sollen die Ermittlungen manipulieren oder müssten „mit einer Kugel im Kopf rechnen“.

Port-au-Prince ‒ Ein Untersuchungsrichter und zwei Gerichtsbedienstete, die die Ermordung des haitianischen Präsidenten untersuchen und bereits zahlreiche Beweise in Zusammenhang mit dem Attentat gesammelt haben, mussten aus Angst um ihr Leben jetzt untertauchen. Das berichtet die New York Times. Am 7. Juli war ein Mordkommando in das Präsidentenhaus in der Hauptstadt Port-au-Prince in Haiti eingedrungen und hatte das Staatsoberhaupt Jovenel Moïse erschossen.

Nach Angaben der Polizei in Haiti wurde Moïse durch schwer bewaffnete „Söldner“ aus Kolumbien und den USA ermordet. Der Anschlag soll den Angaben zufolge in der benachbarten Dominikanischen Republik geplant worden sein. Wenige Tage nach dem Mord auf Haiti konnte die Polizei bereits mehrere Tatverdächtige festnehmen, drei der „Söldner“ wurden bei dem Zugriff der Beamten durch Schüsse getötet. Die Beamten des Gerichts untersuchten im Anschluss den Leichnam des ermordeten Präsidenten und der „Söldner“, die beschuldigt werden, sich zu seiner Ermordung verschworen zu haben.

Manipulation der Ermittlung: Weitere Morddrohungen nach Anschlag auf Präsident Moïse auf Haiti

In Interviews und in formellen Beschwerden an die Staatsanwaltschaft hätten der Richter und die Bediensteten der New York Times zufolge berichtet, dass unbekannte Anrufer und Besucher sie unter Druck gesetzt hätten, die eidesstattlichen Aussagen von Zeugen in dem Prozess zu manipulieren und beispielsweise Namen zu ergänzen, um diejenigen zu belasten. Wenn sie dem nicht nachkämen, so sei ihnen gesagt worden, müssten sie „mit einer Kugel im Kopf rechnen“. Ihre Bitten um Hilfe bei den Behörden seien ignoriert worden, sagten die Gerichtsschreiber Marcelin Valentin und Waky Philostène sowie der Friedensrichter Carl Henry Destin.

Daher sahen die Ermittler ihr Leben in Gefahr und tauchten unter. Den Informationen zufolge wechseln sie alle paar Stunden ihren Aufenthaltsort und tragen einen Rucksack bei sich, der voller juristischer Dokumente ist, die über den Ausgang von Haitis wichtigstem Prozess seit Jahrzehnten entscheiden könnten. Die Untersuchungen waren Expert:innen zufolge bereits von Beginn an durch „Unregelmäßigkeiten“ beeinflusst worden und viele Haitianer:innen befürchten bereits, dass die Untersuchung die Wahrheit über den Mord nicht ans Licht bringen wird.

Haiti: Wer profitiert von dem Attentat auf Präsident Moïse?

Nur wenige Menschen in Haiti glauben, dass die unterbezahlte und personell unterbesetzte Polizei und Staatsanwaltschaft des Landes in der Lage sein wird, den endgültigen Schuldigen allein zu finden. Zudem seien den Gerichtsbediensteten zahlreiche Verfahrensverstöße aufgefallen - Maßnahmen, die eigentlich gegen das haitianische Rechtssystem verstoßen. Obwohl dieses Rechtssystem seit langem von Korruption und Funktionsstörungen geplagt ist, sagten Fachleute und Jurist:innen, dass sie noch nie solche systematischen Verstöße gegen ein ordentliches Verfahren in einem hochkarätigen Fall gesehen hätten.

Nur wenige Tage nach der Ermordung des haitianischen Präsidenten bat Claude Joseph, der geschäftsführende Premierminister des Landes, daher internationale Sicherheitsbehörden um Unterstützung. Sobald sie jedoch vor Ort waren, hatten einige von ihnen Schwierigkeiten, Zugang zu Beweisen und zu den Verdächtigen zu erhalten, so Beamte, die mit den Ermittlungen vertraut sind.

Zudem scheint keiner der bislang von der haitianischen Polizei festgenommenen oder gesuchten Verdächtigen über die Mittel oder Verbindungen zu verfügen, um ein Attentat dieses Ausmaßes zu organisieren und zu finanzieren. „Was mich wirklich interessiert, ist, dass wir die Person fassen, die den Befehl gegeben hat“, sagte Martine Moïse, die Witwe des ermordeten Präsidenten, als sie sich Tage später zu dem Attentat äußerte. „Es geht darum, die Leute zu finden, die das Geld bezahlt haben.“ (iwe)

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