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Haiders Erben

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Kärntens Rechte erreichen fast absolute Mehrheit

Von NORBERT MAPPES NIEDIEK

Graz. Nur drei Prozent plus, und trotzdem so etwas wie ein Erdrutschsieg: Auch ohne Jörg Haider siegte das rechte "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) bei der Landtagswahl in Kärnten und übertraf mit 45,5, Prozent noch die Triumphe seines Gründers und Vorsitzenden. "Rote" Dörfer, die ihren sozialdemokratischen Bürgermeistern stets treu waren, wechselten reihenweise zu den "Orangen", wie das BZÖ nach seiner Parteifarbe genannt wird.

Die Sozialdemokraten waren der große Verlierer der Wahl und landeten in ihrer einstigen Hochburg mit 28,6 Prozent auf einem historischen Tiefststand. Auf Landesebene blieb das fest prognostizierte Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SPÖ aus. Auch im Bundesland Salzburg, wo sie mit Landeshauptfrau Gabi Burgstaller eine beliebte Spitzenkandidatin auffuhr, musste die SPÖ sechs Prozent abgeben.

Mit dem sensationellen Ergebnis hat das BZÖ in Kärnten fast die absolute Mehrheit erreicht: Nach dem Ergebnis von Sonntagabend verfügt die Partei über 18 Sitze im Landtag zu Klagenfurt - so viele wie SPÖ (11) und konservative ÖVP (7) zusammen.

Nach Auszählung von Briefwahlstimmen haben aber auch die Grünen eine Chance, doch noch die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Um die Wahl zum Landeshauptmann muss sich BZÖ-Spitzenkandidat Gerhard Dörfler trotzdem nicht sorgen: Sowohl SPÖ als auch ÖVP haben keine Bedenken, mit seiner Partei zu koalieren. Mit einer Umarmung von Haider-Witwe Claudia am Wahlabend war der 53-Jährige endgültig zum Haider-Nachfolger gekrönt.

Dabei war die Partei nach dem Unfalltod Haiders, der im Oktober mit dem Auto betrunken gegen einen Betonpfeiler gerast war, zunächst in Turbulenzen geraten. Als erster Haider-Nachfolger wurde noch am Todestag der erst 27-jährige Stefan Petzner erkoren. Durch öffentliche Tränen und Anspielungen auf seine erotische Beziehung zu Haider machte sich der junge Mann aber in den Augen seiner Parteifreunde unmöglich.

Die Brüder Uwe und Kurt Scheuch, die eigentlichen starken Männer in der Partei, mochten nicht einspringen. Schließlich wurde der konservativ-patriarchale Gerhard Dörfler gefunden, ein früherer Sparkassen-Filialleiter, der unter Haider als Landesrat (Minister) diente. Was ihm an Charme fehlt, machte der Mann aus dem Alpendorf Deutsch-Griffen durch erdige Sprüche gut: Der "Schutz der Bevölkerung" sei ihm wichtiger als die Menschenrechte, begründete Dörfler, dass seine Regierung vermeintliche "Asylkriminelle" auf eine Alm verbannte.

Dass nun erstmals eine nationalistische, zum Rechtsextremismus offene Partei in einem Land an die absolute Mehrheit heranreicht, war dann auch am Wahlabend in Österreich kein Thema. SPÖ, ÖVP und Grüne fanden unterschiedliche Erklärungen für das je eigene schwache Abschneiden.

Jetzt lautet die Frage, was aus dem Doppelspiel der beiden Rechtsparteien wird: Das BZÖ, vor vier Jahren als Haider-treue Abspaltung der "freiheitlichen" FPÖ gegründet, triumphierte in Kärnten, verfehlte in Salzburg aber den Einzug in den Landtag. Eine Wiedervereinigung des rechten Lagers haben die beiden Parteichefs Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Herbert Scheibner (BZÖ) lange abgelehnt. Erstmals sprach Strache am Wahlabend aber aus, was in den beiden Rechtsparteien schon lange diskutiert wird: Nach dem Vorbild von CDU und CSU, die nicht gegen einander kandidieren, könnten Österreichs Rechte ein "gemeinsames freiheitliches Dach" bilden.

Kenner der Parteien, wie die Wiener Politologin Sieglinde Rosenberger, halten getrenntes Marschieren für vorteilhafter: Das BZÖ könnte außer Kärnten die "neue Rechte" der Wohlstandschauvinisten abdecken, die FPÖ die aggressiven Modernisierungsverlierer und die "alte Rechte" der Burschenschafter. Unter Arbeitern in Salzburg wurde die FPÖ - landesweit nur 13 Prozent - die stärkste Partei. Seite 10

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